Bis über 30 Prozent teurer:

Zockt der Diakonieverein die Heimbewohner ab?

Der Pflegeplatz im Demminer Gertraudenstift wird teurer. Da müssen die Angehörigen und auch der Landkreis jetzt wohl noch tiefer in die Tasche greifen. Warum muss eigentlich mehr gezahlt werden?

Im Demminer Gertraudenstift ist der Pflegeplatz jetzt teurer, andere Heimen sollen nach Verhandlungen mit den Kassen nachziehen.
Gudrun Herzberg Im Demminer Gertraudenstift ist der Pflegeplatz jetzt teurer, andere Heimen sollen nach Verhandlungen mit den Kassen nachziehen.

Der Einschnitt ist schmerzlich: Im Gertraudenstift in Demmin müssen die Heimbewohner und ihre Angehörigen jetzt tiefer in die Tasche greifen. Bis zu über 30 Prozent sind die Kosten für einen Pflegeplatz gestiegen. „Da bleibt den meisten Bewohnern und ihren Angehörigen nur der direkte Weg zum Sozialamt“, heißt es in einer Petition an den Träger der Einrichtung, den Pommerschen Diakonieverein Züssow. „Diese Erhöhungen sind nach unserer Meinung einfach nicht angemessen. Bis zu 450 Euro mehr soll jetzt für einen Platz bei der Pflegestufe drei gezahlt werden“, ärgert sich ein Demminer, der Angehörige in dem Altenheim hat. Bereits im Mai sind die Bewohner über eine plötzliche Entgelterhöhung informiert worden, seit August ist es Realität. „Wir gehörten zu den ersten Trägern in der Region, die die neuen Verhandlungen mit den Pflegekassen aufgenommen haben. Die letzte Verhandlung war vor elf Jahren, aber wir sind dazu verpflichtet und müssen uns an gesetzliche Normen halten“, erklärt Dirk Ehmke von der Bereichsgeschäftsführung Pflegen des Pommerschen Diakonievereins. Hier werde das Pflegepersonal nach den Tarifen des Diakonischen Werkes Mecklenburg-Vorpommerns bezahlt, und da gab es Erhöhungen. „Als tarifgebundener Verband können wir uns mit den privaten Trägern nicht messen“, so Ehmke. Man laufe aber der Entwicklung immer hinterher und könne sich mit der Erhöhung keine goldene Nase verdienen. „Unsere Pflegekräfte werden angemessen bezahlt, die Bewohner rund um die Uhr gut betreut, es gibt kulturelle Angebote, das alles kostet“, meint Dirk Ehmke. Es gebe auch keinen Rabatt. „Aber die Bewohner können einen Antrag auf Sozialhilfe stellen, wenn die Rente nicht ausreicht. Das ist auch mit dem Landratsamt abgesprochen“, erklärt Birgit Küthe, Leiterin des Gertraudenstiftes. Nach der Erhöhung der Kosten sei eine Frau in die Häuslichkeit zur Familie gezogen, der Platz ist aber wieder besetzt. Alle 60 Betten im Heim seien belegt. Dennoch wird nach Heimen gesucht, wo es billiger ist.