Jetzt schlägts 875:

Zum Jubel-Auftakt glänzt die Stadt mit Abwesenheit

875 Cent kostete der Eintritt zur Demminer Silvesterfeier, 875 Jahre alt wird Demmin in diesem Jahr. Doch wer dazu womöglich 875 Begrüßungswörter erwartet hatte, wurde enttäuscht. Es gab kein einziges, jedenfalls kein offizielles. Dafür hagelt es jetzt Kritik.

Volles Haus in der Friesenhalle: Gefeiert wurde dort schon, aber das Stadtjubiläum ging ziemlich unter.
Georg Wagner Volles Haus in der Friesenhalle: Gefeiert wurde dort schon, aber das Stadtjubiläum ging ziemlich unter.

Der Versprecher war DJ Acky so rausgerutsch. Als am Silvesterabend die Feier in der Friesenhalle begann, hieß er die Gäste dem Vernehmen nach zum 850. Stadtjubiläum willkommen. Das waren zwar 25 Jahre zu wenig, aber immerhin wurde damit das Demminer Jubiläumsjahr überhaupt mal angesprochen.

Das war aber auch schon alles, abgesehen vom Eintrittspreis. Mit 875 Cent im Vorverkauf erinnerte der daran, dass die Silvesterfeier zugleich der Auftakt zum Stadtgeburtstag sein sollte. Doch während zahlreiche Gäste die Halle füllten, glänzte das offizielle Demmin durch Abwesenheit. Von der Rathausspitze wurde niemand gesichtet, kein kleines Begrüßungswort fiel für die Gäste ab.

Gäste haben mehr erwartet

„Das fand ich schon ein wenig erschreckend“, sagt die Vorsitzende der Linksfraktion in der Stadtvertretung, Kerstin Lenz. Zwar gab es an dem Abend noch mehr Veranstaltungen in der Stadt und die Feier in der Friesenhalle sei an sich auch sehr schön gewesen. Sie hätte aber doch zumindest einige offizielle Sätze erwartet, so Kerstin Lenz.

Sie ist nicht die Einzige, die nun mit solcher Kritik aufwartet. „Ich hätte angenommen, dass vom Kulturamt etwas kommt. Das hätte man machen müssen. Gerade auch, weil man es vorher so publik gemacht hat“, meint etwa SPD-Fraktionschef Reinhardt Friedrichs und sein Kollege Eckhardt Tabbert von der UWG findet: „Man hätte die Gelegenheit nutzen können. Das hätte auf keinen Fall geschadet.“

Nichts gefordert, nichts gemacht

Warum niemand von der Rathausspitze ans Mikrofon trat, ist nicht ganz klar. Zwar haben sich Stadtvertretung und -verwaltung im Lauf des vergangenen Jahres immer wieder mit dem Jubiläum beschäftigt, aber gerade dessen sozusagen allererster Anfang spielte offenbar keine Rolle. „Ob es ein offizielles Wort geben sollte, wurde gar nicht thematisiert. Von daher haben wir es auch nicht eingefordert“, erinnert sich der CDU-Fraktionsvorsitzende, Thomas Witkowski. „Über einen offiziellen Startschuss haben wir nie gesprochen.“

Seitens der Verwaltung war eine offizielle Begrüßung laut Amtsleiter Ronny Szabo gar nicht erst geplant. Aus seiner Sicht gab es bei den Gästen ohnehin kaum das Bedürfnis, eine Rede zu hören. „Es wäre schwierig bei einer solchen Fete, selbst wenn es nur zwei Minuten wären. Die Leute wollten doch einfach feiern. Es wird noch genug Anlässe für offizielle Reden geben.“