Besinnliches rund um den Wolfgangsee:

Der Weihnachtsmann muss draußen bleiben

Auch so geht Advent: Besinnliches, fern ab von Coca-Cola-Romantik gibt es rund um den Wolfgangsee zu entdecken. Traditionen und Authentizität werden da ganz groß geschrieben – nicht nur für die Touristen.

Blick auf St. Wolfgang mit der Wolfgangskirche und dem Weißen Rössl. Foto: Axel Scheibe
Axel Scheibe Blick auf St. Wolfgang mit der Wolfgangskirche und dem Weißen Rössl. Foto: Axel Scheibe

Leise Adventsmusik zieht durch die Straßen. Tausende Lichter tauchen die Altstadt von St. Wolfgang in flackerndes Licht. Es ist ein Wochentag, der Andrang hält sich in Grenzen. Ein perfekter Abend also für einen Bummel durch die romantische, so besinnliche Adventswelt im Salzkammergut. Ab und zu zerreißen Hammerschläge die beschauliche Ruhe. Eine Attraktion des Marktes macht sich lautstark bemerkbar. Beim Schmied kann sich jeder sein individuelles Hufeisen schlagen lassen. So ist dann wohl letztlich auch jeder ein Stück seines Glückes eigener Schmied.

Das mögen sich vor zehn Jahren auch die Initiatoren des ersten Adventsmarktes in St. Wolfgang gedacht haben. Dass es ihnen nicht nur um Traditionspflege ging, sondern auch ums Geschäft ist kein Geheimnis und keine Schande. Immerhin war ab Anfang November Ruhe angesagt am Wolfgangsee. Dort, wo sich in den Saisonmonaten Zigtausende Touristen tummelten, traf man nur auf einzelne Gäste. Das sollte sich ändern. Gudrun Trutmann-Peter, die Rössl-Wirtin, erinnert sich: „Wir waren nur eine Handvoll Enthusiasten, die sich 2003 dran machten, hier in St. Wolfgang die Tradition eines Adventsmarktes aufzubauen. Das ging in ganz kleinem Maßstab los. Doch schon von Anfang an stand die Authentizität an vorderster Stelle.“ Mit 27 Ständen wurde der Startschuss gegeben und seither ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Schnell stießen die zwei anderen Gemeinden am Wolfgangsee, St. Gilgen und Strobl dazu. Heute stehen rund um den Wolfgangsee über 120 festlich dekorierte Buden und Stände und warten auf ihre Besucher. Dabei startet das Marktgeschehen für deutsche Vorstellungen erstaunlich früh. Bereits am Wochenende vor dem ersten Advent und dann wöchentlich von Donnerstag bis Sonntag ist geöffnet. In St. Gilgen und Strobl ist man sogar noch vom 26. bis 31. Dezember für Touristen und Einheimische da.

Hier steht das Christkind im Mittelpunkt

An die 300 000 Besucher nutzen jährlich die Chance, Advent so zu erleben, wie es früher einmal war. Ohne Jubel, Trubel, Heiterkeit und viel Gaudi, die heute zumeist die Weihnachtsmärkte zu Rummelplätzen verkommen lassen. „Der Weihnachtsmann muss draußen bleiben“, so eine der Prämissen, die in der strengen Marktordnung niedergeschrieben sind. „Wir wollen keine Coco-Cola Weihnachten. Bei uns steht das Christkind im Mittelpunkt und seine Helfer die Engel. Wenn ein Mann mit Rauschebart auftauchen sollte, dann ist das der Heilige Nikolaus, der sich nicht nur durch seine hohe Mitra und den Bischofsstab vom Coca-Cola-Weihnachtsmann unterscheidet,“ unterstreicht Gudrun Trutmann-Peter, die bis heute die einzige Frau im sechsköpfigen Organisationsteam von St. Wolfgang ist. Es ist eine eigene Adventswelt, die da jährlich am Wolfgangsee entsteht. Alles ist Natura, so die über 600 Christbäume, darunter ausgewählte Riesenexemplare mit bis zu zehn Meter Höhe, über 200 Fackelständer und Feuerkörbe, 50 Riesenlaternen... Darin haben Ramsch, Plunder und Kitsch keinen Platz. Unverfälschte Produkte aus der Region dominieren das Marktgeschehen. Die Anzahl der Punsch/Glühweinhütten wird mit Absicht überschaubar gehalten. Auch dabei gilt, Qualität ist Trumpf, der beste Punsch im Glas ist gerade gut genug. Und wenn es gegen den Hunger gehen soll, wird auf Bratwurst verzichtet, dafür gibt es den Suppenkaspar mit Leckerem zum Löffeln aus dem Brottopf, süße Krapfen oder gar mit Sauerkraut und manch anderes, was seit ewigen Zeiten heimisch ist am See. Gemeinsam mit zahlreichen fleißigen Helfern und der Unterstützung der ansässigen Geschäftsleute ist es den Organisatoren gelungen, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen.

In St. Wolfgang ist es die zehn Meter hohe Friedenslicht-Laterne, die über den See leuchtet und zum Wahrzeichen des Advents geworden ist. Doch neben den Buden gibt es reichlich mehr zu entdecken. Auf die kleinen Marktbesucher warten ein Engerl-Studio, in dem beim Ausfüllen der Wunschzettel geholfen wird, eine Adventsbastelstube und eine Engerl-Backstube. Für Groß und Klein gleichermaßen der Anziehungspunkt Nummer 1 ist sicher die Salzkammergut Krippe. Was da in den letzten Jahren unter den geschickten Händen von Holzbildhauermeister Matthäus Mayrhauser entstanden ist, sucht seinesgleichen. 2006 erhielt er den Auftrag, lebensgroße Salzkammergut Figuren für den Wolfgangseer Advent anzufertigen. Über 60 sind seit dem entstanden, 100 sollen es werden. Alle streben sie zur Krippe hin. Da sind die Tratschweiber ebenso dabei, wie Hirten, Waldarbeiter, Müller, Jäger und viele mehr. So zeigt die Salzkammergut Krippe nicht nur die heilige Familie und die drei Könige aus dem Morgenland, sondern auch all die einfachen Menschen, die das Jesuskindlein sehen wollen.

Lebensgroße Figuren im Krippendorf

Auf Werke aus der Werkstatt von Matthäus Mayrhauser trifft man auch in Strobl. Das Krippendorf hat natürlich eine Krippe mit lebensgroßen Figuren des Meisters. Noch sehen Maria und Joseph dort in eine leere Krippe. Das Jesuskind kommt erst am 24. Dezember. So viel Tradition muss sein. An den Ortszufahrtstraßen weisen andere Krippen bereits darauf hin, dass man hier im Advent die Krippen in den Mittelpunkt stellt. Eine Krippenausstellung unterstreicht das. Wenn man, wie viele Besucher, die den Pendelverkehr der kleinen Fahrgastschiffe zwischen den Marktplätzen am See nutzt, kann auf dem neuen Floß am Anleger gleich seinen ersten Besuch am Punschstand einplanen. Mitten im Ort ist ein Tiergehege mit Hirschen aufgebaut worden und es gibt reichlich Ziegen und Schafe zum Streicheln.

In St. Gilgen dominiert Barockes den Advent. Eine besondere Beziehung zu Mozart ist die Grundlage. So ist der Mozartplatz der zentrale Punkt des Adventsmarktes. Am Seeufer leuchtet eine elf Meter hohe, rote Kerze, deren Motiv sich überall in den Straßen und Gassen wieder findet. Wem es am Wochenende doch einmal zu viele Besucher sein sollten, der kann mit der historische Seilbahn hinauf aufs Zwölferhorn fahren. Gut 15 Minuten und man ist in der Stille der Berge angekommen. Dort herrscht dann im Normalfall bereits tiefer Winter. Eisiger Wind pfeift über dem Berg. Zum Glück, auch da oben dampft bereits ein heißer Punsch oder ein Glühwein am kleinen Adventsmarkt im Topf. Advent ist halt überall.

Und da der Advent im Salzkammergut wirklich überall zu Hause ist, sollte man, wenn die Zeit reicht, einen abendlichen Ausflug an den Mondsee einplanen. Auch dort wird auf authentisches Flair geachtet. Am Fuße der Basilika drängen sich kleine Buden fürs leibliche Wohl. Unter ihnen die Frauen vom Verein Mondseer Krapfenbäckerinnen, deren Bauernkrapfen man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Drinnen im gotischen Kreuzgang präsentieren Händler Kunstgewerbliches und Traditionelles aus der Region. Auch so geht Advent und keiner wird den Weihnachtsmann vermissen.

www.wolfgangsee.at