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Deutsch-Unterricht in der Besenkammer?

VonRainer MartenVor Jahr zu Jahr steigen die Schülerzahlen an der Grundschule in Löcknitz. Die Gemeinde als Schulträger kümmert sich, so die Sicht der ...

VonRainer Marten

Vor Jahr zu Jahr steigen die Schülerzahlen an der Grundschule in Löcknitz. Die Gemeinde als Schulträger kümmert sich, so die Sicht der Eltern, nicht nachhaltig darum, den Raummangel zu beseitigen. Den Eltern reicht es jetzt! Und die Lehrer hoffen, dass sich der Schulträger endlich dem Problem stellt. Öffentlich!
Löcknitz.Andere Gemeinden wären richtig stolz darauf: Welches Dorf kann schon auf 227 Grundschüler verweisen? Löcknitz kann! Nach dem Aus der Grambower Grundschule und dem nachhaltigen Zuzug von jungen Familien aus dem Nachbarland in den Schuleinzugsbereich steigen die Kinderzahlen. Zuerst ging es in der Kindertagesstätte rapide bergauf; auch die Tagesmuttis sind ausgelastet. Dort wird viel geleistet (der Nordkurier berichtete). Seit Jahren spürt nun auch die Grundschule den Trend steigender Kinderzahlen. Derzeit existieren an der Grundschule zwei 1. Klassen, drei 2. Klassen, drei 3. Klassen und zwei 4. Klassen. Weil die Zahlen hochschnellten, hat die Schule ihren „Luxus“ abgeschafft. Der Werkraum wurde zuerst geopfert und zum Klassenzimmer. Dann folgte der „DaZ“-Raum. DaZ steht für Deutsch als Zweitsprache. Aber dazu später. Schließlich wurde der Musikraum abgeschafft. Derzeit nutzen zehn Klassen elf Räume inklusive Computerraum. Wegen seiner Ausstattung lässt sich der Computerraum nicht so schnell kippen. Wäre es der Gemeinde sonst einen Versuch wert? Manche behaupten es.
Im Schuljahr 2013/14 wird es an der Grundschule drei 1.Klassen geben, zwei 2. Klassen, drei 3. Klassen und drei 4. Klassen. Zwischen 75 und 80 Schüler werden im August eingeschult. In einer ersten Versammlung der Grundschule mit den Eltern der Schulanfänger wurde ihnen mitgeteilt, was sie bereits ahnten: Einer ersten Klasse fehlt der Klassenraum. Die
Eltern Doreen Köppen, Mareen Rohde, Sandra Rösler und andere Mütter haben damit ein richtiges Problem.
Im Hauptausschuss der Gemeindevertretung staunte am 18. April ein Teil der Gemeindevertreter über den Ernst der Lage – sie hatten offenbar überhaupt keine Ahnung, mit welchen Problemen sich die Grundschule
abplagt. Die Eltern wiederum staunten, als die Rede von Nachmittagsunterricht war, ein Schulbesuch ihrer Kinder in Mewegen oder Grambow als Lösung angeraten wurde. Kurios: In Grambow existiert gar kein Schulbetrieb.
Offenbar nicht angekommen ist beim Schulträger in Löcknitz, so mutmaßen Eltern, die besondere Löcknitzer Situation: Etwa 25 Prozent der Grundschüler haben Migrationshintergrund. Ihre Eltern, aus Polen stammend, haben sich aus ganz unterschiedlichen Gründen in
der Region Löcknitz niedergelassen, besitzen Grundstücke in den Nachbardörfern oder sind Mieter in der Großgemeinde. Manche wählen bewusst Deutschland als Sprungbrett ihrer Kinder für eine auf den europäischen Arbeitsmarkt ausgerichtete Ausbildung. Stichwort: Mehrsprachigkeit.
Während vor diesem Hintergrund das Schweriner Bildungsministerium der Schule sogar wöchentlich 20 Lehrerstunden „Deutsch als Zweitsprache“ bewilligt hat und zwei der zwölf Lehrer DaZ unterrichten, fehlt den DaZ-Schülern der spezielle Unterrichtsraum. Sie lernen in einer „Besenkammer“ hieß es gegenüber dem Nordkurier. Also Raummangel pur.
Der Widerspruch: Die Löcknitzer Grundschule ist historisch gesehen eine großzügig errichtete Polytechnische Oberschule der DDR. Klassenräume existieren genug. Im Zuge der Neustrukturierung des Schulwesens in Löcknitz erhielt die Regionalschule eine komplette Etage und nutzt sie bis heute. Wer das Grundschulproblem lösen möchte, muss sich dem Regionalschulproblemen annehmen.