Nach Belästigung:

Die Angst als Begleiter auf dem Schulweg

Viele Eltern bringen ihre Kinder in Dargun in diesen Tagen lieber selbst zur Schule, nachdem ein junger Mann ein kleines Mädchen belästigt haben soll. Jetzt hat sich auch die Polizei in der Schule angesagt. Deren Leitung hat inzwischen auf den Vorfall reagiert.

Der Schulweg ihrer Kleinen bereitet Eltern in Dargun immer noch Sorgen. Vor wenigen Wochen wurde ein Mädchen auf dem Nachhauseweg belästigt.
Patrick Pleul/Archiv Der Schulweg ihrer Kleinen bereitet Eltern in Dargun immer noch Sorgen. Vor wenigen Wochen wurde ein Mädchen auf dem Nachhauseweg belästigt.

Nein, das ist kein gemütlicher Ort an diesem November-Morgen. Das Licht der Straßenlaternen spart ausgerechnet das Buswartehäuschen vor der Darguner Schule aus. Im Dunkeln sitzt hier ein Mädchen, das auf den Schülerbus nach Malchin wartet. Nur wenig später ist es vorbei mit der etwas unheimlichen Ruhe an der Haltestelle. Ein Schülerbus nach dem anderen fährt vor, bringt die Grund- und die älteren Schüler. Es gibt viel zu erzählen, Handy-Nachrichten werden ausgetauscht. Dass hier vor einigen Wochen ein achtjähriges Mädchen belästigt wurde, ist unter den jungen Leuten an diesem Morgen kein Thema. Für manche Mutter, die ihre Tochter oder ihren Sohn selber in die Grundschule bringt, sieht das ganz anders aus.

„Natürlich ist die ganze Sache sehr beunruhigend“, sagt eine junge Frau, die ihre Tochter an der Hand hat. Ja, sie habe auch Angst, dass noch etwas Schlimmeres passieren könnte. Ein älterer Schüler berichtet, dass er jetzt ganz besonders auf seine kleine Schwester aufpasse. Allen gemeinsam ist, dass sie ihre Namen nicht öffentlich genannt sehen möchten. Zu groß ist immer noch die Verunsicherung. Von den Lehrern lässt sich an diesem Morgen niemand auf dem Busplatz blicken. Obwohl Schulleiterin Brigitte Hintze doch versichert hatte, dass ihre Kollegen bereits eine Stunde vor dem ersten Klingelzeichen die Kinder an der Schule in Empfang nehmen würden. Auch die Polizei ist längst wieder abgezogen. „Zuerst haben sie jeden Morgen hinter den Garagen gestanden. Da war uns klar, dass hier etwas passiert sein musste“, sagt eine junge Mutter.

Staatsanwaltschaft prüft noch

Eine andere Frau meint, den Tatverdächtigen sogar zu kennen. Eigentlich sei er mehr schüchtern, beschreibt sie den 25-Jährigen. Nachdem er sich an mehrere kleine Mädchen herangemacht haben soll, sei er auch bereits beim Arzt gewesen. Er habe vielleicht sogar verstanden, dass das nicht geht, was er gemacht hat. Und trotzdem: Der Mann müsse bestraft werden. Erst dann gibt es wieder Ruhe in Dargun, ist sich die Frau sicher.

Soweit ist die Staatsanwaltschaft in Neubrandenburg noch längst nicht. Sie prüft, wie das Verhalten des Mannes zu bewerten ist. Gab es wirklich einen sexuellen Hintergrund? War das Verhalten des Mannes überhaupt strafbar? Ob gegen den Verdächtigen tatsächlich Anklage erhoben wird, das soll sich erst in den nächsten Wochen entscheiden.

Nach dem anfänglichen Schweigen hat inzwischen auch die Leitung der Grundschule in Dargun reagiert. Die Eltern haben kürzlich einen Brief bekommen. Die Polizei wolle in den nächsten Tagen die erste und zweite Klasse der Schule besuchen, um den Kindern Hinweise zu geben und Gefahren zu erklären, heißt es darin nach Angaben einer Mutter. „Aber das ist alles erst passiert, nachdem es in der Zeitung stand.“

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