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Die Kanzlerin steigt in den Adlerhorst

Ihr Blick streift über das vielleicht schönste Fleckchen ihres Wahlkreises. Gut 82 Meter über dem Meeresspiegel bietet sich der Bundeskanzlerin am Freitag ...

Der 40 Meter hohe Aussichtsturm ist das Herzstück des 1250 Meter langen Baumwipfelpfades bei Prora. In dem Buchenwald eröffnet das Naturerbe-Zentrum.  FOTO: Jens Büttner

Ihr Blick streift über das vielleicht schönste Fleckchen ihres Wahlkreises. Gut 82 Meter über dem Meeresspiegel bietet sich der Bundeskanzlerin am Freitag ein überwältigendes Panorama. Vom sogenannten Adlerhorst des neuen Baumwipfelpfades bei Prora reicht die Sicht weit hinaus auf die Ostsee, hinüber zum Fährhafen Mukran, landeinwärts über Feuersteinfelder, sattgrüne Buchenwälder, prallgelbe Rapsfelder und schließlich bis zu den Kirchtürmen und der Rügenbrücke in Stralsund.

Wo denn der Seeadler ist, will Angela Merkel (CDU) wissen. Umweltminister Till Backhaus (SPD) deutet hinüber zum Kleinen Jasmunder Bodden. Tatsächlich schraubt sich dort, nur ein paar Hundert Meter vom Ausguck entfernt, der Herr der Lüfte kreisförmig in die Höhe. Die Kanzlerin ist sichtlich begeistert.
Zuvor war die bekennende Wanderin forschen Schrittes über den 1250 Meter langen Holzpfad vom Waldschlösschen Prora auf den Schanzenberg gestiegen und hat den 40-Meter-Turm erklommen, der sich in elf Spiralringen um eine 60 Jahre alte und etwa 25 Meter hohe Buche windet und schließlich im sogenannten Adlerhorst mündet.
Insgesamt 13,5 Millionen Euro investierte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in das neue Naturerbe-Zentrum Rügen, das von der bayrischen Erlebnis Akademie betrieben und Mitte Juni eröffnet wird. Es sei die bislang größte Investition auf einer der vom Bund übernommenen, rund 100000 Hektar großen Naturerbe-Flächen, sagt DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde. Der einst militärisch genutzte Standort sei außergewöhnlich. Er verbinde ein weiträumiges Areal mit hoher Naturschutz-Qualität und einer großen Zahl von Touristen.

Der von kleinen Schautafeln gesäumte Lehrsteg wird ergänzt durch eine noch im Aufbau befindliche virtuelle Ausstellung. Zu ihr gehört auch eine Computeranimation, mit der man erkunden kann, wie wilde Tiere reagieren, wenn man sich ihnen mehr oder weniger vorsichtig nähert. Wer sich etwas mehr Zeit für einen Besuch nehmen möchte, der könne an einer Führung teilnehmen, sagt der Leiter des Naturerbe-Zentrums, Jürgen Michaelski. Zur Verfügung stünden 25 freiberuflich tätige Begleiter, die in einem 200-stündigen Seminarprogramm zum zertifizierten Natur- und Landschaftsführer ausgebildet worden seien. Zum Team gehörten ferner 27 festangestellte Mitarbeiter.