Hackerangriff auf Unternehmen:

Kriminelle kapern Telefonanlagen

Sie gehen ruhigen Gewissens in den Feierabend. Aber währenddessen steht das Firmentelefon nicht still. Kriminelle hacken sich in die Telefonanlagen von Unternehmen - und hinterlassen kostspielige Grüße.

Am Wochenende hacken sich Kriminelle in das Telefonsystem von Unternehmen und treiben so die Telefonrechnung in die Höhe.
Daniel Reinhardt Am Wochenende hacken sich Kriminelle in das Telefonsystem von Unternehmen und treiben so die Telefonrechnung in die Höhe.

Mit einem neuen, gefährlichen Trick zocken Kriminelle von ihren Opfern Tausende von Euros ab. Durch Cyber-Angriffe auf Telefonanlagen zapfen sie deren Leitungen an – und sorgen dafür, dass die Telefonrechnung explodiert.

In Brandenburg geben immer mehr Unternehmen an, ihre Telefonanlage sei gehackt worden, so Karina Schulter aus dem Landeskriminalamt Brandenburg.

60 000 Euro Schaden sei alleine im Jahr 2013 entstanden. 15 Unternehmen meldeten sich bei der Polizei – im Vergleich zu drei aus dem Vorjahr. Aber wie gehen die Täter vor?

Kriminelle richten Rufumleitungen ein

Betroffen sind firmeninterne Telefonanlagen. Mitarbeiter können außerhalb der Firma auf diese Anlagen zugreifen, etwa um Anrufbeantworter abzuhören. Dazu müssen sie meist eine PIN-Nummer eingeben und gelangen dann ins Einstellungsmenü der Apparate. Kriminelle nutzen das aus. Häufig würden die einfachen, ursprünglichen PIN-Nummern von der Firma nicht geändert: Die simple 0000-PIN bliebe bestehen und sei leicht zu knacken, so Karina Schulter. Die Kriminellen hacken den einfachen Code, wählen sich in die Telefonanlage der Firma ein und richten eine Anrufumleitung ein.

Eingehende Anrufe kommen dann nicht bei der Firma selbst an, sondern auf kostenpflichtigen Service-Nummern im Ausland, die sich die Kriminelle selbst eingerichtet haben. Anschließend rufen die Verbrecher häufig auf der gehackten Telefonnummer an – und verursachen hohe Schäden. Denn die Anrufe landen auf ihrer eigenen Service-Nummer. Für die Firma schnellt so die Telefonrechnung in die Höhe, denn ihr Telefonanbieter berechnet die Sonderbeträge durch die kostenpflichtige Nummer – und die Gauner zweigen ihren Anteil ab. „Innerhalb von zwei Tagen wurden durch die Täter 474 Telefonverbindungen im Wert von 2535 Euro zu drei unterschiedlichen Mobilfunkrufnummern in Osteuropa aufgebaut“, schildert Karina Schulter einen typischen Fall.

Die Abzocke findet am Wochenende statt

Erst wenn sie die Telefonrechnung sehen, wundern sich Firmen über die extremen Kosten. Aber wieso bleiben die Verbrechen so lange unbemerkt? In der Regel programmieren die Kriminellen ihre Umleitungen an Wochenenden oder in den Betriebsferien, wenn die Firmen unbesetzt sind, so Stefan Jung vom Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. Das erklärt, warum auch „normale“ Anrufer, die die Firma erreichen wollen, nichts mitkriegen: Die Cybercrime-Aktionen finden außerhalb der Öffnungszeiten statt. Häufig würden die Anrufumleitungen sogar zum Wochenbeginn wieder deaktiviert und am Freitag erneut eingeschaltet, so Jung über das berechnende Vorgehen der Verbrecher.

Um sich vor der neuesten Masche der Telefon-Hacker zu schützen, rät Karina Schulter zu sicheren Passwörtern, die regelmäßig geändert werden. Auch sollte die Anrufbeantworter-Funktion, wenn möglich, deaktiviert und die Einzelverbindungsnachweise der Telefonate regelmäßig kontrolliert werden.

In Mecklenburg-Vorpommern habe es ebenfalls mehrere Fälle dieser speziellen Hacking-Methode gegeben, so Synke Kern vom Landeskriminalamt. Auch hier haben sich Täter in firmeninterne Telefonanlagen eingehackt und ins Ausland telefoniert.

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