Welle von Mahnungen:

Pornos im Netz geguckt? Das könnte happig werden!

Dass man Filme nicht einfach im Internet herunterladen und weitergeben darf, ist allgemein bekannt. Doch nun sind Nutzer eines Porno-Portals massenhaft abgemahnt worden, allein weil sie die Videos ansahen. Auch in unserer Region gibt es Fälle.

Screenshot des Porno-Anbieters redtube.com
Ralph Schipke Screenshot des Porno-Anbieters redtube.com

Wenn sich unerwartet Anwälte einer Schweizer Firma namens „The Archive AG“ per Brief oder neuerdings per Mail bei einem melden, läuten die Alarmglocken ganz laut. Wenn einem dann noch eine Urheberrechtsverletzung vorgeworfen wird, kommt wohl jeder schwer ins Grübeln, wo er wohl auf der Datenautobahn falsch abgebogen sein könnte. Und handelt es sich bei den angeblich illegal genutzten Dateien um Internet-Pornos, ist die Peinlichkeit nicht zu übertreffen.

Die Abmahnwelle in Deutschland hat eine neue Qualität, aber auch eine neue Absurdität erreicht. „Erstmals wurden in Deutschland offenbar massenhafte Abmahnungen an Nutzer von sogenannten Streaming-Angeboten im Internet verschickt“, berichtet der Neubrandenburger Anwalt Stefan Rathsack, der auf Internet-Recht spezialisiert ist.

Video-Daten auf dem Rechner gespeichert

Auch in unserer Region flatterten vor einer Woche die ersten Briefe der Regensburger Kanzlei U + C Rechtsanwälte ins Haus. Im ganzen Bundesgebiet sollen im Laufe dieser Woche rund 10  000 Postadressen Briefe von der Regensburger Kanzlei bekommen haben. Der Vorwurf: Auf dem Porno-Portal redtube.com schlüpfrige Filme angeschaut zu haben. „Bei vorherigen Abmahnwellen ging es immer um illegales Herunterladen und Weiterverbreiten von Werken in Tauschbörsen im Internet, dem sogenannten Filesharing“, so Stefan Rathsack. Bei den aktuellen Abmahnungen geht es nur noch um das schiere Anschauen der Luststreifen im August 2013 und das hierzu technisch notwendige Zwischenspeichern der Daten im Arbeitsspeicher des Rechners.

Mitte dieser Woche landeten dann in zahlreichen Mail-Postfächern dubiose E-Mails mit einer angehängten ZIP-Datei, die anscheinend ebenfalls eine Abmahnung wegen vorgeblicher Urheberechtsverletzungen enthält.

„Man kann dabei aber davon ausgehen, dass diese nicht von der Kanzlei stammen. Die würde immer den postalischen Weg wählen“, sagt der Anwalt aus Neubrandenburg. Es sei zu vermuten, dass sich in der ZIP-Datei keinesfalls Anwaltsunterlagen sondern ein Schadprogramm versteckt, das Unheil auf dem heimischen PC anrichten könnte. Daher der Rat: Solche E-Mails besser löschen und niemals Dateianhänge anklicken oder öffnen!

Gericht erlaubte die Ermittlung der Adressen

Die Betrüger ahmten offenbar die echte Abmahnung nach: In den Nachrichten tauche der Name der Rechtsanwälte Urmann und Collegen auf, erklärte das Landgericht Köln gegenüber den Medien.Die papierene Anwaltspost sollte allerdings besser nicht ungeprüft im Papierkorb landen, empfiehlt Rechtsanwalt Rathsack. Die urheberrechtliche Bewertung des Streamens sei unter Juristen sehr umstritten. Zudem gibt es in den einschlägigen Internetforen viele Diskussionen über die grundsätzliche Rechtmäßigkeit der aktuellen Abmahnungen von U+C Rechtsanwälte. Es sollte daher unbedingt eine qualifizierte Beratung gesucht werden.

Bisher blieb unter anderem im Dunkeln, wie die Anwalts-Kanzlei an die IP-Adressen der Betroffenen herangekommen ist. Klar ist: Der Rechtevertreter „The Archive“ hatte sich mit diesen IP-Adressen an das Landesgericht Köln gewandt und Auskunft über die postalischen Adressen der User beantragt. Und wie ein Sprecher des Gerichts bestätigt hat, war die Antwort des Landgerichts positiv. Die Hausanschriften der Betroffenen konnten so bei Internetprovidern wie der Deutschen Telekom mit Hilfe der IP-Adressen ermittelt werden.

Trotzdem gilt: Ruhe bewahren. Merkwürdige E-Mails, von unbekannten Absendern mit großen Anhängen sollte man ignorieren und löschen. Bei den Anwaltsbriefen auf Papier sollte man sich aber besser beraten lassen und die Diskussionen im Internet verfolgen.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung