Online-Kauf:

Was sagt das Gewissen dazu?

Dass es nicht in Ordnung ist, sich erst im Laden beraten zu lassen, um die Schuhe dann billig im Internet zu bestellen, leuchtet ein. Aber nicht nur darüber machen sich Online-Kunden Gedanken.

Viele Menschen bestellen ihre Bücher lieber bequem vom Sofa aus im Internet.
Oliver Berg Viele Menschen bestellen ihre Bücher lieber bequem vom Sofa aus im Internet.

Die schöne neue Online-Welt stürzt so manchen Nutzer in Gewissenskonflikte: Darf ich fairen Kaffee kaufen und gleichzeitig beim umstrittenen Versandhändler Schuhe bestellen? Darf ich die Taxi-Alternative Uber nutzen, weil sie billiger ist? Am Ende läuft es auf die Frage hinaus: Wem schade ich, wenn ich diese Dienste nutze?

Grundsätzlich verteufeln kann man den Online-Handel sicher nicht. „Das Internet ist eine neue Technologie, die alte Technologien ablöst“, sagt der Ethikprofessor Kurt Bayertz von der Universität Münster. „Das war schon so, als das Auto aufkam und alle Sattler dadurch arbeitslos wurden.“

Bitter für diejenigen, die es trifft – aber es entstehen ja auch neue Jobs. Dass Amazon vielen schönen kleinen Buchhandlungen das Wasser abgräbt, ist an sich wohl auch noch nicht verwerflich. „Die Frage, ob Buchhandlungen sein sollen oder nicht, ist keine primär ethische, sondern eine kulturelle Frage“, sagt der Berliner Ethiker Prof. Markus Tiedemann.

Wer Beratung ausnutzt, schadet auch sich selbst

So gibt es auch Menschen, die gar nicht gern ins Buchgeschäft gehen, weil sie nicht gleich von einem Verkäufer angesprochen werden möchten. „Wenn Sie zu dem Schluss kommen: Ja, ich wünsche mir eine rein digital kommunizierende und sich organisierende Gesellschaft, dann können Sie guten Gewissens alles übers Internet bestellen“, meint Tiedemann. Reine Einstellungssache.

Wie verhält es sich aber mit folgendem Fall: Man probiert im Laden Joggingschuhe an, lässt sich beraten – und bestellt dann billig im Internet. Dass das nicht fair ist, sagt einem schon das Gefühl. Man muss da noch nicht mal mit der Moral kommen. „Langfristig schade ich mir damit selbst“, erläutert Bayertz. „Denn auf Dauer werden diese Läden dadurch natürlich verschwinden, und dann gibt’s niemanden mehr, der mich berät. Sondern nur noch das Internet.“

Manchmal ist es nicht nur eine Gewissensfrage

Wenn über Großhändler wie Amazon oder Zalando diskutiert wird, geht es oft um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Für den Wirtschaftsethiker Klaus Peter Rippe aus Karlsruhe wiederum sind es nicht so sehr die Arbeitsbedingungen der Beschäftigen, deretwegen er nach Möglichkeit nicht bei Amazon kauft, sondern die Marktmacht des Konzerns. „Bei Amazon ist für mich Punkt eins, dass sie wirklich versuchen, ihre Marktmacht so zu nutzen, dass es Wettbewerb verhindert“, sagt der Wissenschaftler.

Rippe meint, dass man jeweils sehr genau hinschauen muss. In der Diskussion um die Taxi-Alternative Uber stehe zum Beispiel nicht das moralische Verhalten des Einzelnen im Fokus: „Da haben wir Regelungsbedarf. Da ist die Frage: Wo beginnt das Gewerbe? Wann ist man selbstständig und ab wann wird man ausgebeutet als Selbstständiger? Da müssen wir einfach eine Regelung finden.“

Nun sieht es in der Praxis so aus, dass die Versuchung des schnellen Klicks oft übermächtig ist. Rippe geht es da nicht anders. „Es gelingt mir nicht immer, meine Vorsätze einzuhalten“, gibt er zu. Natürlich müsse jeder für sich selbst entscheiden, wie weit er bei der Umsetzung seiner Prinzipien in der Praxis gehen wolle: „Es ist für manche Leute ja auch eine Sache des Geldes.“

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