Surfer im Visier:

Wie Internet-Nutzer sich vor Datenjägern schützen können

Nur kurz im Netz nach Schuhen gestöbert, und jede weitere Seite ist von Schuhwerbung umrahmt. Schuld daran sind Cookies – die Spitze eines wahren Datensammler-Eisbergs.

Für gezieltere Werbung verfolgen Firmen immer genauer, wie und wo sich der Einzelne im Internet bewegt.
Franziska Koark Für gezieltere Werbung verfolgen Firmen immer genauer, wie und wo sich der Einzelne im Internet bewegt.

Jeder hinterlässt Spuren im Netz. Beim Surfen, beim Onlineshopping oder durchs Anmelden bei sozialen Netzwerken und anderen Diensten. Unternehmen stricken aus diesen Daten personalisierte Werbung. Doch noch weit schwerer wiegt die Gefahr, dass all diese Informationen zu Nutzerprofilen zusammengeführt werden könnten, warnen Experten.

An solchen Daten besteht großes Interesse. Banken möchten etwa wissen, ob ein Kunde zahlungsfähig ist. Versicherungen interessieren sich für das Risikoverhalten. Und Arbeitgeber halten Ausschau danach, wie zuverlässig ihre Mitarbeiter sind. „Das gibt es in Deutschland noch nicht so richtig offen“, sagt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert. Doch in anderen Ländern ist die Datensammelei seiner Erfahrung nach bereits auf einem anderen Level: „In den USA ist sowas gang und gäbe“, sagt der Experte. „Personalisierte Werbung ist das, was einem am wenigsten wehtut.“

Auch Florian Glatzner, Internet-Experte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, beschäftigt sich mit der Problematik. „Die Bildung von persönlichen Profilen ist ein großer Markt.“ Doch nicht nur die Wirtschaft hat Interesse daran. Auch mit dem Informationshunger der Geheimdienste muss man rechnen, was die Daten vieler Internetdienste angeht. „Dass die NSA diese Daten abgreift, ist belegt“, sagt Falk Garbsch, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC).

Nutzer merkt nicht, dass Profile erstellt werden

Doch was kann man tun, um möglichst wenig Spuren im Netz zu hinterlassen? Das ist gar nicht so einfach, sagt Garbsch: „Man bekommt selber nicht mit, ob und wie Profile erstellt werden.“ Die klassische Weise, wie Webseiten Nutzer identifizieren, sind Cookies. Das sind kleine Textdateien, die Webseiten beim Besuch eines Nutzers auf dessen Rechner abspeichern. Besonders hartnäckig und nur mit Tools oder Add-ons wie BetterPrivacy zu entfernen sind Flash-Cookies (LSOs). Das Speichern normaler Cookies in den Browser-Einstellungen ist zwar einfach zu deaktivieren, aber nicht unbedingt praktikabel. „Viele Webseiten funktionieren ohne Cookies überhaupt nicht“, erklärt Falk Garbsch.

Experte Florian Glatzner empfiehlt, Cookies gezielt nur für einzelne Seiten zu erlauben. In jedem Fall lohnt es sich, den Browser so einzustellen, dass die Cookies beim Schließen gelöscht werden.

Eine recht neue Technologie zur Identifizierung von Nutzern ist das Browser-Fingerprinting. Dabei wird der Rechner anhand von Informationen, die der Browser ausgibt, identifiziert. Ist der Nutzer erst erkannt, können Werbeindustrie, soziale Netzwerke oder andere Unternehmen dessen Daten theoretisch zusammenführen. „Es ergibt sich daraus ein sehr detailliertes Persönlichkeitsprofil“, warnt Falk Garbsch.

Spuren im Netz am besten vermeiden

Um zu verhindern, dass man auf seinem Weg durchs Netz verfolgt wird (Tracking), sollten Surfer Add-ons wie Ghostery oder Disconnect nutzen, rät Glatzner. Eine weitere Möglichkeit sei es, zwei oder mehr verschiedene Browser zu verwenden - etwa einen nur fürs Shopping und den anderen fürs übrige Surfen. Allerdings gibt es immer neue technische Möglichkeiten, die Nutzer auszuforschen. „Es handelt sich letztlich um ein Wettrüsten“, sagt Verbraucherschützer Glatzner. Ein Wettrüsten, das die Nutzer eigentlich nur verlieren können.

Internet-Nutzer sollten sich daher nicht nur technisch gegen die Profilbildung rüsten. „Das Beste ist, Spuren im Netz zu vermeiden“, sagt Datenschützer Weichert. In Kauf nehmen muss man dabei immer einen gewissen Komfortverlust. Denn Daten werden etwa dann zusammengeführt, wenn man sich beispielsweise mit seinem Facebook-Account auch bei anderen Portalen anmeldet. „Facebook weiß dann auch, wenn ich auf dieses Konto zugreife“, erläutert Falk Garbsch.

Kritisch sehen Experten auch die Nutzung mehrerer Dienste vom gleichen Anbieter – etwa wenn man Google oder Microsoft nicht nur als Suchmaschinenanbieter verwendet, sondern auch für E-Mails, Kalender, Kontakte, Kartendienste oder als Bilderspeicher. „Je mehr Dienste man bei einem Anbieter hat, desto mehr Informationen sammelt dieser Anbieter auch“, sagt Garbsch. Besser ist das Verteilen der Daten auf viele Anbieter.

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