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Drama auf Sand: Haas als Stehaufmännchen von Paris

VonCai-Simon PreutenNach 13 Matchbällen und fast fünf Stunden Spielzeit entscheidet Tommy Haas das Tennis-Drama der French Open gegen Aufschlagriese John ...

Steht im Achtelfinale von Paris: Tommy Haas. [KT_CREDIT] FOTO: IAN LANGSDON

VonCai-Simon Preuten

Nach 13 Matchbällen und fast fünf Stunden Spielzeit entscheidet Tommy Haas das Tennis-Drama der French Open gegen Aufschlagriese John Isner für sich. Sein größter Fan war trotzdem stocksauer.

Paris.Das eigentliche Drama ereignete sich in einem Pariser Hotelzimmer, weit weg von der Tennis-Anlage im 16. Arrondissement. Im edlen Fraser Suites Le Claridge auf der Champs-Elysées tobte die kleine Valentina vor Wut. Mama Sara hatte nur noch Augen für den Fernseher und regte sich unentwegt auf. Papa Tommy Haas war schon vor Stunden zur Arbeit gegangen. Die zweieinhalbjährige Valentina war deshalb dermaßen sauer, dass sie später nicht einmal mehr mit ihrem Vater sprechen wollte.
Dabei hatte der gerade eines der denkwürdigsten Matches seiner langen Karriere gespielt – und gewonnen. 4:37 Stunden brauchte Haas für seinen Drittrundenerfolg über John Isner. Mit 7:5, 7:6 (7:4), 4:6, 6:7 (10:12) und 10:8 zog er zum dritten Mal in seiner Karriere ins Achtelfinale der French Open ein. Heute hat er gegen den Russen Michail Juschni die Chance, als ältester Spieler seit 42 Jahren und zum ersten Mal in seiner Laufbahn das Viertelfinale in Roland Garros zu erreichen.
Dabei war Haas nach dem vierten Satz so gut wie ausgeschieden. Zwölf Matchbälle hatte der 35-Jährige vergeben, wobei vergeben nicht annähernd das trifft, was sich in der Stierkampfarena ereignete. Elfmal servierte nämlich Isner gegen den Satzverlust und ließ Haas mit seinen Geschossen von über 220 km/h kaum eine Chance. Vier Asse schlug der 2,06 Meter lange Amerikaner, drei Service-Winner kamen hinzu. Viermal brachte Haas den Ball ins Spiel, war jedoch stets in der Defensive. Nur einmal, im Tiebreak bei 8:7 hatte Haas bei eigenem Aufschlag die Möglichkeit, das Spiel zu beenden – und servierte einen Doppelfehler. Zu Beginn des fünften Satzes haderte Haas mit sich selbst und kassierte prompt das Break zum 0:2. „Mir schoss so viel Adrenalin durch den Körper, ich hatte so einen Hass auf mich, dass es mir körperlich nicht schlecht ging“, erzählte er. Isner dagegen verkrampfte. Dennoch sah sich Haas bei 4:5 seinerseits einem Matchball gegenüber. Spätestens mit dem Ausgleich zum 5:5 hatte er Isners unbändigen Willen endgültig gebrochen. Wenig später verwandelte Haas bei eigenem Aufschlag seinen 13. Matchball. Der Amerikaner war vor dem letzten Aufschlagspiel dermaßen erschöpft, dass er sich nicht einmal mehr hinsetzen konnte und sagte später mit bleichem Gesicht und müden Augen: „Ich fühle mich schrecklich, bei 4:1 im Fünften habe ich Krämpfe bekommen. Tommy ist dagegen auf Kurs geblieben und hat sich den Sieg verdient.“ In der Nacht, als Tommy Haas nach Hause kam, hatte sich auch Tochter Valentina wieder beruhigt und lag längst im Bett.