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Ein Kaleidoskop aus Bewegungen und Emotionen

Es sind zunächst nicht die Tänzer, die im Mittelpunkt der Inszenierung stehen, sondern zwölf in farbenfrohe Trachten gehüllte Kleiderpuppen. Behutsam ...

Zu Tränen rührte bei der Premiere des Tanztheaterstücks „Folklore!“ in Neustrelitz die Ballade der „Zwei Königskinder“, die nicht zueinander gelangen konnten.

Es sind zunächst nicht die Tänzer, die im Mittelpunkt der Inszenierung stehen, sondern zwölf in farbenfrohe Trachten gehüllte Kleiderpuppen. Behutsam werden sie von den dahinter verborgenen Tänzern ins Rampenlicht geschoben. Sie nehmen ihre Position ein, ziehen sich wieder zurück, formieren sich neu. Plötzlich scheinen sie lebendig zu werden. Die Figuren erhalten Arme, Köpfe, einige gar Beine, die unter den Röcken hervorgestreckt werden. Dann lösen sich die Tänzer von ihnen, werden von ihren Schatten zu ihren Tanzpartnern.

„Folklore! Im Kaleidoskop von Tradition und Moderne“ heißt die neueste Inszenierung der Deutschen Tanzkompanie, die am Samstagabend im Neustrelitzer Landestheater ihre Premiere feierte. Die Choreografen Torsten Händler und Kirsten Hocke setzen auf einen Brückenschlag, wollen Traditionen in einem neuen und überraschenden Gewand präsentieren. Das griechische Wort Kaleidoskop bedeutet soviel wie „schöne Formen sehen“. Und genau das ist es, was den Zuschauern über 80 Minuten präsentiert wird: wunderschöne Trachten, Bewegungen voller Eleganz und gleichzeitig mit großer Leidenschaft. Die Kleiderpuppen dienen dabei als Stilmittel. Sie beginnen nicht nur den tänzerischen Reigen, sondern bilden auch die Übergänge und schließlich den Abschluss. Immer wieder werden sie dabei von den Tänzern neu arrangiert, ähnlich einem Kaleidoskop, das durch Drehen neue Formenvariationen offenbart und damit den Betrachter in Staunen versetzt.

Das gelingt in Neustrelitz zunächst durch das mittelalterliche Spiel des mit Schellen behangenen Hofnarren, der vier Damen in wallenden Kleidern neckt und sich von ihrem Tanz betören lässt. Anschließend wird die „Erntezeit“ mit sechs Burschen kraftvoll in Szene gesetzt. Sie schwingen die Sensen oder schlagen mit hölzernen „Schleifsteinen“ einen Rhythmus. Wie in fast allen der kleinen Episoden geht es auch hier um Liebe und Leidenschaft. Eine Frau bezirzt einen der Bauern, es kommt zur zärtlichen Annäherung.
Zu den modernen Elementen des Stückes gehören auch die von Sieghart Schubert ausgewählten Musikcollagen. Neben klassischen Werken ertönt beispielsweise auch eine Version von Gershwins „Summertime“ oder der „Oriental Bass“ des virtuosen Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons, der sein Instrument immer zum Singen bringt – und damit das Neustrelitzer Ensemble zum Tanzen.