HINTER SCHWERINER AMTSTÜREN
First-Ladys und Zaunlatscher
Thema: Gipfelfreud und Gipfelleid
Andreas
Zecher
Foto: nk
Was macht Schwerin in den Augen der USA zu einem besonders gefährlichen Pflaster? Über diese Frage wird hinter hiesigen Amtstüren noch nachzudenken sein. Die spürbaren Sicherheitsaufwendungen beim Besuch der US-Präsidenten-Gattin hier und im benachbarten Wismar gestalteten sich nämlich vollkommen gegensätzlich. In der Landeshauptstadt verursachten sie einen erzwungenen Verkehrsstillstand.

Wer endlich mal eine echte First-Lady auf Schwerins Straßen sehen wollte, wurde enttäuscht. Ganz anders in Wismar. Dort bummelte Laura Bush mit ihren Kolleginnen beinahe auf Tuchfühlung mit den Hansestädtern durch die City. Bei mehr Zeit wären vermutlich Koch- und Backrezepte ausgetauscht worden. Im Wismarer Rathaus wird das auf die seit Jahrhunderten durch Handel und Wandel gewachsene weltoffene Stimmung zurückgeführt.

Inwieweit das auch für Dömitz gilt, wird noch zu untersuchen sein. In der Festungsstadt an der Elbe kursiert das Gerücht, wonach das Zentralcamp für die Gegner des G8-Gipfels 2015 hier eingerichtet würde. Das Bollwerk, das sich seit dieser Woche mit dem restaurierten Sandsteinportal zeigt, müsste bis dahin freilich weiterhin großzügig mit Geld aus Schwerin gefördert werden. Hinter Schweriner Amtstüren ist man sich ziemlich sicher, dass Bauminister Otto Ebnet (SPD) sein Möglichstes dafür tun wird. Der Dank der weltoffenen deutschen Bauernschaft dürfte ihm gewiss sein. Die hat im Raum Heiligendamm erhebliche Feld- und Flurschäden durch Tausende Zaunlatscher zu beklagen.

Angesichts des heutigen Tages der Artenvielfalt kann dieses Phänomen aber auch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet werden. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) verbindet ihn mit dem Aufruf „ein Stück Natur vor der eigenen Haustür möglichst genau unter die Lupe zu nehmen und die Ergebnisse anschließend zu dokumentieren“. Die Umgebung vor dem Zaun von Heiligendamm dürfte da einiges zu bieten haben. Da sind nicht nur die mannigfaltigen Bio-Hinterlassenschaften der Zaunlatscher zu bestaunen. Auch Vertreter dieser Spezies werden sich bei anhaltendem Schönwetter gewiss noch eine Weile in der Gegend aufhalten. Urlaub nach G8 – der Landestourismusverband wird diese Leute gerne in seine Euphorie-Statistik aufnehmen.

(Nordkurier, 09.06.2007)
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