Protest begleitet Bush-Ankunft
US-Präsident George W. Bush und
seine Frau Laura werden von Meck-
lenburg-Vorpommerns Ministerprä-
sident Harald Ringsdorff (SPD, r.)
begrüsst. Foto: ddp
Auftakt. Die Kanzlerin will zuerst mit allen Staatschefs bilaterale Gespräche führen. Der Raketenstreit zwischen den USA und Russland überschattet das Treffen.

Heiligendamm/Berlin (ddp/afro). Heute werden in Heiligendamm – begleitet von weiteren Demonstrationen und geplanten Blockaden – die weiteren Staats- und Regierungschefs des Weltwirtschaftsgipfels erwartet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will bis zum Beginn des Gipfels mit allen Teilnehmern bilaterale Gespräche führen. Gestern hatte sich die Kanzlerin mit Japans Premier Shinzo Abe in Berlin getroffen, nachdem bereits Gespräche mit den Regierungschefs von Kanadas, Stephan Harper, und Großbritannien, Tony Blair, stattfanden.

Heute Mittag wird Merkel in Heiligendamm zunächst mit US-Präsident George W. Bush zum Lunch zusammenkommen. Anschließend sind bilaterale Gespräche mit Romano Prodi (Italien), Nicolas Sarkozy (Frankreich) und Wladimir Putin (Russland) geplant. Damit hat Merkel dann alle Staats- und Regierungschefs der G8 getroffen und ihre Vorbereitungen auf den Gipfel abgeschlossen. Überschattet wird das Treffen der G8 vor allem vom Streit um das US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa. Bush und Putin wollen in dieser Frage bei einem bilateralen Treffen nach Lösungen suchen. Große Erwartungen auf eine Annäherung gibt es aber nicht. Von der deutschen G8-Präsidentschaft wird daher auf die bereits geplanten Anschlussgespräche Anfang Juli in den USA verwiesen.

Mit lauten Pfiffen und Buhruhfen quittierten rund 500 Demonstranten in Weitendorf die Landung des US-Präsidenten auf dem Flughafen Laage. Sie skandierten „Bush go home“, „Bush Terrorist“ und ähnliche Slogans, die George W. Bush zeigen sollten, dass er den Demonstranten unwillkommen ist. Rund zwei Stunden hatten sie bei einigen heftigen Schauern ausgeharrt, um ihren Protest los zu werden. Manche waren von Schwaan rund zwölf Kilometer gelaufen, um in das abseits gelegene Dorf zu kommen. Und das immerhin am vierten Tag ihrer Proteste in und um Heiligendamm. 57 Niederländer schafften es jedoch nicht bis zum „Bush-Empfang“ in Weitendorf. Ihr Bus wurde bei einer Kontrolle an der Autobahn-Ausfahrt aus dem Verkehr gezogen. Von der Polizei als „gewaltbereit“ eingestuft, mussten sie den Tag in der Gefangenensammelstelle in Rostock verbringen.

Bush wird von all den Protesten allerdings nichts mitbekommen haben. Weitendorf liegt rund zwei Kilometer südlich der Landebahn, der Weg zum Flughafen war hermetisch von der Polizei abgeriegelt worden. An jedem Feldweg, der in die Richtung führen könnte, stand schon seit Tagen ein Polizeiwagen und wies Neugierige ab. Fünf Minuten nach der Landung pfiffen und buhten die Demonstranten dennoch wieder: Der Bush-Tross machte sich mit vier Hubschraubern auf den Weg nach Heiligendamm.

(Nordkurier, 06.06.2007)

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