„Heiligen Damm des Gebetes“ errichtet
Aktion. Zu Beginn des Gipfels haben gestern Abend in bundesweit 1000 Gotteshäusern die Glocken geläutet.

Von Marina Spreemann

Alt Rehse. In der Kirche in Alt Rehse (Müritzkreis) ist noch echte Handarbeit gefragt. Glockengeläut auf Knopfdruck – Fehlanzeige. Das achtminütige Klingen gestern Abend war deshalb ein echter Kraftakt für Rudolf Krug. Doch der Kirchenälteste hat gern Hand angelegt. Dass beim G8-Gipfel acht Menschen über die Welt bestimmten, schmecke ihm nämlich gar nicht. „Da muss man auch mal sagen: so nicht. Oder wenigstens zum Nachdenken anregen“, meinte er.

Zum Beginn des G8-Gipfels in Heiligendamm haben um 18 Uhr in rund 1000 Kirchen in ganz Deutschland die Glocken geläutet. Zudem gab es Andachten unter dem Motto „Acht Minuten für Gerechtigkeit“. Damit sollte symbolisch ein „Heiliger Damm des Gebets“ errichtet werden. Man bete dafür, dass sich alle Regierungsvertreter ihrer Verantwortung bei der Bekämpfung der Armut stellen, hieß es von der Koordinierungsstelle in Rostock.

Etliche Gemeinden aus der Region hatten sich in die Liste der Teilnehmer eingetragen, dazu gehörten die Friedenskirche und die St.-Johannis-Kirche in Neubrandenburg, St. Marien in Waren, die Stadtkirchgemeinde Neustrelitz, Ducherow, Pasewalk, Ringenwalde, Zerrentin, Ferdinandshof, Kröslin und Trassenheide.

Den entsprechenden Vorschlag der Synode hat ebenso die Wulkenziner Pastorin Kathrin Weiß-Zierep aufgegriffen, die für die Gemeinden Wulkenzin (Mecklenburg-Strelitz) und Weitin bei Neubrandenburg mit sieben Dörfern zuständig ist. „Ich habe uns für die Aktion angemeldet, weil mich auch selbst das Thema Globalisierung sehr interessiert, und ich meine, dass sich Christen auch für politische Fragen engagieren sollten“, sagt die Pastorin. Noch als Kind habe sie zum Ende der DDR 1989 erlebt, dass Christen mit Gottesdiensten und Demonstrationen wirklich etwas bewegen konnten.

„Globalisierung ist außerdem etwas, das jeden betrifft“, meint Kathrin Weiß-Zierep. Gerade in der Region, wo die Leute durch die hohe Arbeitslosigkeit preiswerte Produkte aus Billiglohnländern kaufen müssten – und damit wieder Arbeitsplätze hier zerstört würden. Oder in der Landwirtschaft, die vom weltweiten Handel ebenso betroffen sei. Mit dem Thema wollten sich mit ihren Gruppen auch weiterhin beschäftigen.

Auf die Anmeldung für die gestrige Aktion „Acht Minuten für Gerechtigkeit“ hätten die Gemeinden sehr positiv reagiert. In allen zugehörigen Dorfkirchen wurden die Glocken geläutet und Andachten abgehalten, in Alt Rehse war sie selbst dabei. „In den anderen Orten meines Bereiches haben Gemeinde- Mitglieder das in die Hand genommen“, freut sich die Pastorin, die seit knapp einem Jahr in Wulkenzin arbeitet. „Als Christen haben wir für einen friedlichen Verlauf des Gipfels sowie der Proteste gebetet und darum gebeten, dass sich etwas verändert in der Welt.“ In der Bibel komme schließlich das Wort Gerechtigkeit 334-mal vor.

Und selbst wenn die Kirchenbänke nicht voll besetzt gewesen seien, „ist die Aktion doch ein wichtiges Zeichen des friedlichen Protests und auch ein Signal nach außen“, meinte Kathrin Weiß-Zierep.

Ursula Bürkle-Ott aus Alt Rehse ist zur Andacht in der Dorfkirche gekommen, „weil es so viele friedliche Aktionen gibt, die gar nicht gesehen werden“. Durch die Globalisierung wachse die Not in der Welt. „Und je mehr Menschen zeigen, dass sie dagegen etwas haben, umso besser“, sagte sie. Ihr Mann, Martin Bürkle, war dabei, weil das Thema Gerechtigkeit für ihn unbedingt in die Kirche gehört. „Gerechtigkeit heißt nicht, dass alles gleich sein sein soll. Es heißt, der Natur, den Mitmenschen und uns selber gerecht zu werden“, erklärte er.

Jürgen Lutter, ebenfalls aus Alt Rehse, wollte mit seinem Besuch der Andacht seine „globale Verantwortung als Christ kundtun“, weil er mit den Entwicklungen in der Welt nicht zufrieden sei. „Außerdem ist es gut, wenn unser Dorf und unsere Gemeinde bei solchen Anlässen vertreten ist.“

www.kircheundg8.de

(Nordkurier, 07.06.2007)

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