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Thema: Bilanz des G8 Treffen in Heiligendamm
Oscar
Tiefenthal
Foto: nk
Auf beiden Seiten des Sicherheitszaunes von Heiligendamm ging es eigentlich ganz ähnlich zu: Erst gab es relativ viel Bewegung, dann Blockaden und am Ende herrschte Ernüchterung, allenfalls bescheidene Zufriedenheit wie bei Angela Merkel. Die Bilanz des Gipfels ist durchwachsen.

Es ist ja schön und gut, wenn die G8-Staaten „in Erwägung ziehen“, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis 2050 zu halbieren, wie es im Abschlussdokument heißt, konkrete Absichtserklärungen lesen sich anders. Wissenschaftlich ist noch nicht einmal sicher, ob eine Halbierung auch ausreicht, um die Erderwärmung zu stoppen. Konkrete Klimaziele der Industriestaaten sind wieder einmal nicht zu vermelden. Die Reaktionen der großen Schwellenländer und Treibhausgasverursacher China und Indien auf die vagen Absichtserklärungen der G8-Staaten sind wenig ermutigend.

Aber, immerhin, die USA haben sich bewegt. Das ist schon ein kleines Wunder. Ein Alleingang der Amerikaner ist damit vorerst verhindert, erstmals zieht Washington ein konkretes internationales Abkommen unter dem Dach der UNO überhaupt in Betracht. Die Umweltminister der Industriestaaten haben grünes Licht bekommen, auf Bali ein Folgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu verhandeln. Bis dahin wird ein neuer US-Präsident im Weißen Haus sitzen, der hoffentlich für das Thema mehr Sensibilität zeigt.

Dieser kleine Erfolg ist der Beharrlichkeit von Kanzlerin Angela Merkel zu verdanken, die erneut gezeigt hat, wie glänzend sie sich auf internationalem Parkett bewegen kann. Sie hat es mit charmanter Hartnäckigkeit verstanden, unter den Gipfelteilnehmern für eine gelöste Stimmung zu sorgen. Die positive Heiligendamm-Atmosphäre hat offenbar auch die Spannungen zwischen US-Präsident Bush und dem russischen Präsidenten Putin wegen der geplanten US-Raketen in Osteuropa zu lösen geholfen. Putins Angebot, in Aserbaidschan eine Radarstation gemeinsam zu betreiben, ist die eigentliche Gipfel-Überraschung.

Auf der Gipfel-Habenseite stehen sicherlich die Zusagen für Afrika. Insbesondere das 44-Milliarden-Euro-Paket zur Aids-Bekämpfung. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Zusagen diesmal eingehalten werden. Die Versprechungen von Gleneagles zur Verdoppelung der Entwicklungshilfe wurden es bisher nicht. Die wirksamste Hilfe für Afrika ist in Heiligendamm nicht einmal erwähnt worden: die Öffnung der Agrar-Märkte für afrikanische Produkte und ein Wettbewerb ohne Protektionismus.

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(Nordkurier, 09.06.2007)
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