Musiker spielen für eine Welt ohne Armut
Die Initiatoren des Konzerts „Deine
Stimme gegen Armut“, Herbert Gröne-
meyer (links) und U2-Sänger Bono,
zeigten sich von der riesigen Resonanz in
Rostock begeistert. Foto: ddp
Engagement. 17 Bands und zahlreiche Redner treten im IGA Park Rostock beim G8-Protestkonzert auf. Mehr als 70 000 Besucher verfolgen das Spektakel.

Von Wiebke Klumker

Rostock. Sie setzen Angela Merkel ein Ultimatum. „In den nächsten 24 Stunden muss die Kanzlerin zeigen, ob sie in der Lage ist, ein Versprechen zu halten“, sagte Bono, Sänger der irischen Rockband U2 gestern vor Beginn des Konzerts „Deine Stimme gegen Armut“ im IGA Park Rostock. Das Versprechen, von dem er sprach, waren die Vereinbarungen, die auf dem G8-Gipfel in Gleneagles getroffen wurden. Damals sagten die acht Länder zu, ihre Entwicklungshilfe bis 2010 auf 50 Milliarden US-Dollar zu steigern. Damit das auch wirklich passiert, forderten Bono, Bob Geldof und auch Herbert Grönemeyer, Initiator des Protest-Konzerts, gestern ein erneutes Bekenntnis zu diesem Versprechen. Und Taten, die auf das Versprechen folgen.

Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hatten die prominenten Musiker kostenlos zu dem Konzert eingeladen, bei dem 17 Bands aus Deutschland und aus Entwicklungsländern wie Nicaragua, Bangladesh und Mali auftraten. Über 70 000 Menschen folgten der Einladung in den IGA Park, der mit seinen hügeligen Wiesen bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 25 Grad ein perfektes Ambiente für das friedliche Festival bot. Um 14 Uhr setzten die Musiker der Berliner Band „Seeed“ den Startschuss.

Für viele Konzertbesucher stand allerdings weniger der Protest gegen G8-Gipfel und Armut im Vordergrund, sondern eher der günstige Musikgenuss. „So viele Stars für so wenig Geld, wo bekommt man das denn sonst noch?“, sagte beispielsweise Ronald aus Rostock auf die Frage, warum er zum Konzert gekommen sei. Nur der hohe Bierpreis ärgere ihn. 2,80 Euro kostete ein kleiner Becher des Gerstensafts, und laut Aussage einer Mitarbeiterin am Bierstand wird kein Cent davon an die Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ gespendet. „Viele Leute haben sich schon beschwert, dass das Essen und die Getränke hier so teuer sind, und die Betreiber der Stände nichts spenden“, erzählte Katti, die an einem Stand für die Kampagne T-Shirts und Armbänder verkaufte.

Eine Erklärung für diesen Missstand konnte sie nicht bieten. „Ich weiß nur, dass aus dem Erlös jedes T-Shirts, das ich hier verkaufe, drei Euro an die Entwicklungsländer gehen“, erklärt sie. Der hohe Preis für die Getränke wurde auch von den Sanitätern beklagt. „Es ist sehr heiß heute und bei einem Wasserpreis von 2,80 Euro trinken die Leute zu wenig, das hat schon zu etlichen gesundheitlichen Problemen geführt“, sagte ein Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes. Mitgebrachte Wasserflaschen mussten die Konzertbesucher am Eingang abgeben.

Livia Koopmann aus Anklam zog sich mit ihrer Freundin Nancy aus dem Gedränge vor der Bühne auf die Wiese zurück. Die jungen Frauen sind in den IGA Park gekommen, um Herbert Grönemeyer und Bono bei ihrem Kampf für die Ärmsten der Welt zu unterstützen und ein Zeichen gegen die Politik der G8 zu setzen. „Die Politiker der starken Wirtschaftsländer lügen einfach zu viel, sie predigen Wasser und trinken Wein“, sagte die 20-Jährige.

Zwischen den Auftritten der Bands sprachen Redner aus den sogenannten „Poor eight“ (Armen Acht), acht ausgewählten Ländern, die zu den ärmsten der Welt gehören. Unter ihnen war der Wirtschaftswissenschaftler Mohammed Yunus aus Bangladesh, der im vergangenen Jahr für seine Mikrokredite mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist. Er zeigte sich hoffnungsvoll. „Wenn in Heiligendamm die richtigen Entscheidungen getroffen werden, können wir es schaffen, die Armut auf der Welt bis 2015 zu halbieren“, sagte er. Das Ziel müsse eine Zukunft ohne Armut sein. „In dieser Zukunft werden wir ein Armutsmuseum eröffnen müssen, denn die Kinder werden nicht mehr wissen, was Armut ist“, sagte er.

Mit ihrem Konzert wollten die Musiker an ein Versprechen erinnern. Das verdeutlichten sie zum Abschluss des Konzerts noch einmal, als sie den Refrain des Grönemeyer-Songs „Mensch“ erweiterten: „Keep your promise“ (Halte dein Versprechen) lautete ihre Botschaft an Angela Merkel.

(Nordkurier, 08.06.2007)

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