Vorm Bildschirm sitzend bleibt das Land fremd

Die Journalisten haben meist im Medien-
zentrum Kühlungsborn vor ihren Compu-
tern gesessen und wenig von der Region
gesehen. Foto: Tumm

Umfrage. Wetter und Ostsee zeigen sich von der besten Seite, aber nur auf wenige Journalisten hat Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig Eindruck gemacht.

Von Mario Tumm

Kühlungsborn. Nach der Frage, welchen Eindruck er von Mecklenburg-Vorpommern hat, muss Masaichi Asai nicht lange überlegen. „Es ist sehr schön hier, aber in Rostock hatte ich richtig Angst.“ Der Japaner hat am Strand von Kühlungsborn seine Fernsehkamera in den Sand gestellt und beobachtet das Treiben der Polizeiboote auf dem Wasser. Er sei das erste Mal in Deutschland, habe durch die Arbeit aber wenig Zeit, sich umzusehen. Vielleicht komme er mal als Urlauber wieder, sagt Masaichi Asai. So richtig überzeugend klingt das aber nicht.

Der erwartete Imagegewinn für Mecklenburg-Vorpommern hält sich in Grenzen, wie eine Umfrage unter den Pressevertretern ergeben hat. Bei dem schönen Wetter kann das Land eigentlich keinen schlechten Eindruck bei den teils weit angereisten Journalisten hinterlassen haben. Strahlender Sonnenschein an der Ostsee, ein separater Strand – was will man mehr. Es wurde Volleyball gespielt, einige probierten die Strandkörbe aus mit dem Slogan „Deutschland – Land der Ideen“, andere ließen sich an der frischen Luft massieren. Die meisten Medienvertreter haben allerdings davon gar nichts mitbekommen. Sie erlebten die drei Gipfeltage abgeschottet im riesigen Pressezelt vor den Computern oder in den provisorischen Fernsehstudios. „Wir kommen kaum raus“, sagt Alexander Astafiev, Fotochef der Moskauer Zeitung Moskowski Komsomolez. Untergebracht sei sein Team in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kühlungsborn. Dort sei kaum etwas los. Auf dem Weg zur Arbeit ist die Gruppe zudem in die Brandblockade hinter Kröpelin geraten. „Wir machen uns Gedanken um die Sicherheit.“

Heimische Gefühle hat dagegen Lucas Malamiono aus Italien. „Es sieht hier fast aus wie bei uns zu Hause“, sagt er mit Verweis auf Strand und Meer. Nur mit den Temperaturen könne er sich nicht anfreunden. Eine österreichische Kollegin bringt es auf den Punkt: „Das Wasser ist nur etwas für Salzburger Höhlentaucher.“ Dabei zeigt das Thermometer 15 Grad. Der Italiener hat außer Kühlungsborn nur noch ein bisschen von Rostock gesehen. Ob er wiederkommen werde? „Wohl nicht.“ Begeistert von Sonne und Strand zeigt sich ein französisches Fernsehteam. Um den Urlaub hier zu verbringen, sei der Weg von Paris aber zu weit, schränken sie gleich ein.

Ganz anders sehen das einige deutsche Journalisten. Vier Wochen ist Jörg Hommer schon in der Gegend. Den Filmstudenten aus Köln hat es noch nie nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen, doch er ist in kurzer Zeit ein echter Fan geworden. „Ich komme auf jeden Fall wieder.“ Genauso sieht das auch Klaus Stahl aus Bonn. Während seine Frau im Fernsehstudio schwitzt, kann sich der Onlineredakteur des Goethe-Institutes ein bisschen die Zeit vertreiben. „Ich bin beeindruckt, was hier entstanden ist“, sagt er. Gleichzeitig stört es ihn aber, dass die Medienleute „genauso eingekesselt sind wie die Offiziellen in Heiligendamm“. Und dass die Parkplätze in allen Ostseebädern so viel Geld kosten, das sollten die Verantwortlichen noch einmal überdenken. „Es ist sehr schön hier, aber in Rostock hatte ich richtig Angst.“

(Nordkurier, 09.06.2007)
<< zurück