Hessische Jugendliche üben Treff mit den Mächtigen
Nachwuchs. In Wismar kommen vom 3. bis zum 9. Juni 74 Nachwuchs-
politiker aus aller Welt zusammen.

Von Andreas Frost

Schwerin. Durchaus kritisch wollen die acht Schüler aus Hessen, die Deutschland beim Junior8-Gipfel in Wismar vertreten, im Juni in Heiligendamm den Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten gegenübertreten, aber zur Groß-Demonstration in Rostock zieht es sie nicht. "Auch uns kann man als Demonstranten sehen, dafür müssen wir nicht in Rostock sein", sagte Thomas Schuler gestern nach einem Vorbereitungstreffen des J8-Teams in Schwerin. "Wichtig ist, dass wir unsere Meinung sagen." Seine Mitstreiterin Miriam Köhler war - trotz aller Aufregung vor dem großen Ereignis - selbstbewusst genug, sich als Sprecherin für einen großen Teil der deutschen Jugend zu sehen.

Weltweit mehr Aufklärung über Aids, bessere Chancen für die Entwicklung Afrikas und eine nachhaltige Politik, "die uns noch Gestaltungsspielraum lässt", sind in Kürze gefasst einige der Kernforderungen, die die Schüler der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim in Hessen an die Mächtigen der Welt herantragen wollen. Wichtig sei es ihnen, bei ihren Wünschen den Sinn für das Machbare nicht zu verlieren, waren sie sich einig. Über die Wirkung ihrer "Denkanstöße" hegen sie Hoffnungen, machen sich aber keine Illusionen. Der J8-Gipfel bringe "vielleicht etwas Frische in den G8-Gipfel", so Schuler, es sei schon viel gewonnen, wenn die Staatschefs merken, "wie die Jugend denkt". Miriam Köhler glaubt nicht, "dass Bush wegen uns das Kyoto-Protokoll unterschreibt".

Ausgewählt wurde das hessische Team aus einer Vielzahl von Bewerbern vom UN-Kinderhilfswerk Unicef und der Morgan Stanley-Stiftung, die zum dritten Mal parallel zu einem G8-Gipfel einen Junior-Gipfel organisieren. In Wismar wird das deutsche Team mit 64 weiteren Jugendlichen aus den anderen G8-Staaten und aus zehn Entwicklungsländern zusammentreffen und eine knappe Woche lang über Aids, Afrika, Klimaschutz und den Schutz von Patentrechten diskutieren. Untergebracht werden sie auf einem Segelschiff im Hafen. Unmittelbar bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Heiligendamm aufbricht, wird sie die J8-Gipfel-Teilnehmer empfangen. Eine kleine Delegation der Jugendlichen wird zudem die Chance haben, in Heiligendamm selbst mit den acht Staats- und Regierungschefs zu reden.

Beim Vorbereitungstreffen in Schwerin diskutierten die Hessen auch mit Schülern des Gymnasiums in Lübz. In der Runde mit den Hessen hätten sie diese "auf ein paar Schwachstellen" bei ihren Argumenten zu den Themen Aids, Armut oder Afrika aufmerksam gemacht - damit das J8-Team sich nicht so leicht argumentativ über den Tisch ziehen lassen kann. Dass sie die Sprache der Jugendlichen sprechen, haben Thomas Schuler und Lisa-Marie Ullrich unterdessen auf ihre Art bewiesen. Sie haben einen Rap über Aids geschrieben.

(Nordkurier, 7. Mai 2007)
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