| In einer Serie beleuchtet die Redaktion des Nordkurier wöchentlich Themen und Hintergründe rund um den G8-Gipfel, der vom 6. bis 8. Juni in Heiligen- damm stattfinden wird. |
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| Jugendliche: Protest ist wohl auch schick |
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siasten sehen sich nicht als Gegner des G8-Gipfels und finden Politik wichtig. Von Marina Spreemann Pasewalk. Klar, geredet wird über das Treffen der mächtigen acht Nationen im Nordosten auf jeden Fall. Schließlich gibt es ein Ereignis wie den G8-Gipfel nicht jeden Tag vor der eigenen Haustür. „Aber die Leute diskutieren eher über den teuren Sicherheitszaun und das Drumherum als über die Inhalte“, meint Ulrike Stade, die die 11. Klasse des Oskar-Picht-Gymnasiums in Pasewalk besucht. So ganz komme ja auch niemand an dem Ereignis vorbei. „Zeitungen und Fernsehprogramm sind voll damit“, sagt die Schülerin. Und im Unterricht sei der Gipfel durchaus ein Thema, wie Uwe Ochsendorf, Sozialkunde-Lehrer am Pasewalker Gymnasium, bestätigt. Allerdings nutze er dafür nicht „aufgesetzte Aktionen“. Der Schulstoff biete viele Anregungen, und er versuche, das Interesse oder Nachfragen von Schülern für Diskussionen zu nutzen. Sich aus eigenem Antrieb mit dem Gipfel zu beschäftigen, darauf kommen aber wohl nur die wenigsten Jugendlichen, schätzt Ulrike Stade ein. Die anderen drei Pasewalker Gymnasiasten in der Runde stimmen ihr zu. Marc Neumann, ebenfalls Elftklässler, weiß von einigen Mitschülern, die eine Reise zum großen „Protestkonzert“ mit Bono von der irischen Band U2, Herbert Grönemeyer und anderen Musikern in Rostock am 7. Juni planen. Er selbst will nicht dabei sein. „Weil mir die Musik nicht gefällt“, sagt er. Und wenn er zu solchen Veranstaltungen fahre, könne er trotzdem nichts an Entscheidungen ändern. „Ich bin auch kein G8-Gegner“, betont der Gymnasiast. „Im Gegenteil, ich finde es gut, dass sich die Industriestaaten mal zusammensetzen und über solche Sachen wie den Klimawandel diskutieren“, sagt er. Das meint auch Matthias Schmidt aus der 12. Klasse. Aber es sei nicht gut, dass die ganzen anderen Nationen draußen bleiben. Schließlich gehe es ja unter anderem um die Schulden der Entwicklungsländer. In der zufällig „zusammengewürfelten“ Runde in Pasewalk sieht sich keiner als G8-Gegner. „Viele Protestler wissen gar nicht, was da genau passiert. Einige wollen einfach Spaß habe, und Protest ist wohl irgendwie auch schick“, meint Nadja Tölg, 11. Klasse. Marc Neumann ergänzt: „Es ist gut, wenn sich Jugendliche politisch engagieren. Aber auf jeden Fall muss das gewaltfrei bleiben. Schon weil es sonst ein negatives Bild von Mecklenburg-Vorpommern gibt. Schließlich sind wir ein Tourismusland.“ Dass vielen Jugendlichen Politik total egal sei, könne er nicht verstehen. „Was da entschieden wird, betrifft uns doch im täglichen Leben“, sagt der Schüler, der sich informiert, aber nicht in einer Partei engagiert. Und wodurch kann zum Beispiel Interesse für den G8-Gipfel bei jungen Leuten geweckt werden? „Mit Kampagnen unter dem Motto ,Politik macht Spaß’ jedenfalls nicht“, ist Marc überzeugt. „Da fassen sich die Leute an den Kopf.“ Es müsse gezeigt werden, was Entscheidungen für jeden selbst bedeuten. „Und die Geldfragen sind interessant: Welche Kosten entstehen durch welche Entscheidungen, zum Beispiel beim Klimaschutz“, ergänzt Matthias Schmidt. Dass ganz klar gesagt werden sollte, wie schlimm die Lage wirklich ist, betont Nadja Tölg. „Nur so werden die Leute aus dem Dornröschenschlaf geweckt.“ Und Ulrike Stade hält Konzerte für eine gute Idee, um auf Inhalte aufmerksam zu machen. „Du gehst wegen der Musik hin und erfährst durch Flyer oder so noch Sachen, von denen du sonst vielleicht gar nichts gehört hättest“, meint sie. (Nordkurier, 26.05.2007) |
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