„Wir verteidigen die Grundrechte“
Michael A.
Hofmann
Foto: Klumker
Rostock. Über 700 G8-Gegner sind in den vergangenen Tagen festgenommen worden, acht Demonstranten wurden in Blitzprozessen zu Haftstrafen verurteilt, nur zwei davon auf Bewährung. Rechtlichen Beistand bekamen sie vom Anwaltlichen Notdienst. Mit Michael A. Hofmann, Mitglied des Anwälteteams, sprach Wiebke Klumker.

Warum gibt es während des G8-Gipfels einen Anwaltlichen Notdienst?
Wir sind hier, um die Grundrechte der Gipfelgegner zu verteidigen, vor allem das Recht auf Freiheit. Außerdem vertreten wir die Demonstranten, wenn es um unverhältnismäßige Gewalteinwirkung der Polizei geht. Seitdem während des Gipfels in Genua 2001 der Demonstrant Carlo Giuliani von einem Polizisten getötet wurde, sind wir bei jedem G8-Gipfel vor Ort.

Gab es während des aktuellen Gipfels bereits gewaltvolle Übergriffe der Polizei?
Uns ist ein Foto zugespielt worden, dass einen schlimmen Vorfall zeigt. Darauf ist ein Mann zu sehen, der von der Polizei zu Boden gedrückt wird. Sein Kopf ist in ein T-Shirt gehüllt. Wie ein Zeuge berichtete, hat ein Polizist dieses T-Shirt über Kopf und Hals des Demonstranten gezogen und zugeknotet, sodass dieser nichts mehr sehen konnte. Ein anderer Polizist soll den Demonstranten mehrfach mit dem Kopf auf den Boden gestoßen haben.

Mit welchen anderen Anliegen kommen Mandanten zu Ihnen?
Es geht in den meisten Fällen um Freiheitsentzug. Unsere Mandanten werden von der Polizei zu lange festgehalten. Eigentlich müssten sie spätestens nach zwei Stunden einem Richter vorgeführt werden, das passiert aber nicht. Wir wollen staatliche Willkür verhindern, wir wollen, dass alle Menschen fair behandelt werden.

Auch die Steinewerfer aus dem sogenannten Schwarzen Block?
Auch die. Obwohl ich der Meinung bin, dass sie nicht zu den richtigen Mitteln greifen, um ihren Protest auszudrücken. Aber jeder Mensch hat das Recht auf anwaltlichen Beistand und bis zu seiner Verurteilung Anspruch auf die Unschuldsvermutung.

Arbeitet die Polizei mit dem Anwaltlichen Notdienst zusammen?
Nein, wir fühlen uns von der Polizei behindert. Zum Beispiel werden nicht alle Demonstranten in den Gefangenensammelstellen über die Möglichkeit informiert, sich von uns vertreten zu lassen. Einige Kollegen wurden auch schon von Polizisten beschimpft.

(Nordkurier, 08.06.2007)

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