Greenpeace-Boote überwinden Sperrzone
Boote der Wasserschutzpolizei haben vor
Kühlungsborn ein Schlauchboot der Umwelt-
schutzorganisation Greenpeace verfolgt. Foto: ddp
Protest. Mit einer spektakulären Aktion haben Umweltschützer vor Heiligendamm auf sich aufmerksam gemacht.

Von Stefan Uhlmann, ddp

Heiligendamm. Es war die bislang spektakulärste Protestaktion beim G8-Gipfel in Heiligendamm: Kurz bevor sich gestern Mittag die Staats- und Regierungschefs zum „Familienfoto“ versammelten, drangen mehrere Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit Schlauchbooten in die gesperrte Seezone um den Tagungsort ein.

Auf der Höhe von Kühlungsborn, rund sieben Kilometer vom Gipfelort entfernt und in Sichtweite des Medienzentrums, lieferten sich drei Boote mit rund einem Dutzend Polizeibooten zunächst eine wilde Verfolgungsjagd. Die Aktivisten entrollten Plakate, auf denen sie von den Regierungschefs verbindliche Maßnahmen zum Klimaschutz fordern („G8 Act now“, „G8 Jetzt handeln!“).

Offenbar waren die Protestler vom Fischereihafen Rostock aus gestartet und hatten dann in westlicher Richtung auf Heiligendamm Kurs genommen. Polizeisprecher Reinhard Höing wollte dies aber zunächst nicht direkt bestätigen. Nach seinen Angaben seien die Greenpeace-Boote „von zwei Seiten – von West und Ost – in das Sperrgebiet eingedrungen“. „Acht Schlauchboote wurden gestoppt und 21 Aktivisten festgenommen“, sagte Höing. Der Polizeieinsatz sei seiner Ansicht nach angemessen und „nicht ruppig“ gewesen.

Nach eigenen Angaben hatte Greenpeace die Aktion der Polizei vorab angekündigt. Außerhalb der Sperrzone sei ein Greenpeace-Boot von einem Polizeiboot überfahren worden. Dabei seien drei Aktivisten verletzt worden. Sie seien in ein Krankenhaus in Rostock gebracht worden. Die Polizei ist mit 51 Booten im Seegebiet vor Heiligendamm im Einsatz. Die Sperrzone ist 20 Kilometer breit und reicht bis zu 14 Kilometer in die Ostsee.

Die Umweltschützer rechtfertigten die Aktion. Greenpeace sei „eine friedliche Organisation, die Behörden müssten wissen, dass von der Demonstration keinerlei Gefahr ausgeht“, sagte Sprecher Björn Jettka. Greenpeace wolle mit der Aktion die G8-Staaten beim Thema Klimaschutz öffentlich unter Druck setzen.

In einer Petition, die alle Bootsfahrer bei der Aktion bei sich führten, heißt es nach Greenpeace-Angaben unter anderem: „Die G8-Staaten müssen einen Durchbruch bei den internationalen Klimaverhandlungen durch verlässliche Erklärungen erwirken. Mit dieser Petition fordern wir Sie auf, Ihrer Verantwortung für den Klimaschutz gerecht zu werden.“ Ihr Ziel, die Petition an Merkel selbst zu übergeben, erreichten die Aktivisten, nicht. Greenpeace-Klimaschutzexperte Feddern sagte: „Gewaltfreier Protest in Sichtweite muss auch bei den mächtigsten Männern und Frauen der Welt möglich sein.“ Um Druck auf die Beratungen zum Klimaschutz auszuüben, habe sich Greenpeace zu dieser Aktion von Wasserseite aus entschlossen, sagte Feddern.

(Nordkurier, 08.06.2007)

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