Bei strömendem Regen Probe für den "nassen Sack"
Jetzt wird es „ernst“: Alle Aufforderungen,
den Platz zu räumen, haben nichts genutzt.
Der Blockierer wird weggetragen. Seine
Freunde „vertreten“ dabei die Polizei. Ges-
tern fand das letzte öffentliche Training der
Kampagne Block G8 in Bad Doberan statt.
Foto: Heiko Brosin
Protest. Die Organisatoren der geplanten Blockaden gegen den G8-Gipfel erwar-
ten rund 10.000 Teilnehmer. Die Aktionen sollen am
6. Juni beginnen.

Von Thomas Beigang

Bad Doberan. Der Mann ist beleidigt. Ob er denn noch fit genug sei, wird der 57-Jährige gefragt, für das Ausharren bei Regen und Wind während möglicher tagelanger Blockaden? Peter Bachstein strafft sich. Immerhin, gibt er bekannt, sei er ein ambitionierter Marathonläufer.

Körperlich wäre der Protest gegen den G8-Gipfel für ihn also kein Problem. Und politisch – jetzt wird er noch ein paar Zentimeter größer – sowieso nicht. „Seit meiner Jugend engagiere ich mich in Protestbewegungen. Ob gegen den Vietnam-Krieg, in der Friedensbewegung gegen die Stationierung der Mittelstreckenraketen in Westdeutschland oder bei Veranstaltungen gegen die Atomkraft – ich war immer dabei“, sagt der Mann, der seit Jahren in Sachsen lebt und mit seinen Freunden von der Attac-Gruppe Bautzen den „Gipfel der Mächtigen“ in Heiligendamm wenn schon nicht verhindern kann, dann wenigstens stören will.

Das ist auch erklärtes Ziel der Organisatoren der Kampagne Block G8. Die Aktivisten dieser Bewegung kündigen massenhafte Blockaden des Gipfeltreffens an. Mit den Mitteln des zivilen Ungehorsams, so gestern Sprecher Christoph Kleine, werden Tausende Menschen die Zufahrtsstraßen zum Austragungsort blockieren. Die Konfrontation mit der Polizei sei von ihrer Seite nicht erwünscht und werde nicht gesucht.

Die Blockierer sind optimistisch: Zehntausend aktive Teilnehmer erwartet man. Wie Kleine sagte, habe die „Kriminalisierung“ der Gipfelgegner in den vergangenen Wochen zur erfolgreichen Mobilisierung beigetragen. Blockaden sind auch am Flughafen Rostock-Laage geplant, wo die wichtigsten Regierungschefs, die vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm zusammenkommen, landen und wieder abfliegen.

Die Aktion beginne am Morgen des 6. Juni und werde mindestens bis zum 7. Juni fortgesetzt, kündigte Sprecher Christoph Kleine an. Sie richte sich gegen den Gipfel als Inszenierung der Macht, von der bereits vorher feststehe, dass dabei nichts herauskomme. Damit ihre Aktionen aber erfolgreich ablaufen, haben die Blockade-Organisatoren schon Trainingseinheiten in „über 100 Städten“ durchgeführt. Gestern die letzte in Bad Doberan – fast auf Tuchfühlung mit dem Gelände, auf dem es in der nächsten Woche „ernst“ werden soll.

Ein Dutzend Protestierer zeigt bei strömendem Regen die Abläufe des zivilen Ungehorsams. Phase eins: Die Stehblockade. Fest untergehakt, wie ein Mann, wollen sie wie eine Mauer stehen. Wenn die beginnt zu wanken, folgt Phase zwei: Die Sitzblockade. Eng aneinander und fest ineinander verhakt, dass es erheblicher Anstrengung bedarf, die Körper – im Falle einer Räumung durch die Polizei – voneinander zu trennen. Phase drei heißt im Blockade-Jargon „nasser Sack“: Wenn nichts mehr geht, muss man sich von der Ordnungsmacht eben wegtragen lassen. Blockade-Freunde „vertreten“ die Beamten und schleppen weg. Sichtlich schwierig, wenn man sich dabei wie ein „nasser Sack“ hängen lässt.

Konsequenzen rechtlicher Art müsse man nicht fürchten, so Sprecher Christoph Kleine. Zwar seien die Blockaden ein bewusster Regelverstoß, sie würden aber nicht durch das von der Polizei verhängte Demonstrationsverbot beeinträchtigt. Und Lea Voigt, Kleines Kollegin, fordert von der Polizei, die Vorbereitungen für das illegale massenhafte Einsperren von Blockierern einzustellen.

(Nordkurier, 30.05.2007)

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