Ganz in Familie an einem abgesägten Tisch
Im neugotischen Rittersaal von Burg Schlitz
treffen sich die Teilnehmer des G8-Partner-
programmes zum Essen. Joachim Sauer (hin-
ten Mitte) hat Laura Bush zu seiner linken
und Ludmila Putina zu seiner rechten Seite
zu sitzen. Foto: Bernd Lasdin
Partnerprogramm. Kanzlerinnen-Gatte Joachim Sauer erweist sich auf Burg Schlitz als charmanter Gesprächspartner der First Ladys aus den G8-Staaten.

Von Hans-Joachim Guth

Hohen Demzin. Das Geschenk kommt vor den Gästen. Schon zwei Stunden, bevor Joachim Sauer, Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit „seinen“ Damen in Hohen Demzin (Landkreis Güstrow) aus dem Hubschrauber steigt, lässt Washington ein Präsent beim Hausherrn von Burg Schlitz, Mathias Stinnes, abgeben – Manschettenknöpfe aus Sterling-Silber mit einer Gravur des Weißen Hauses auf der einen und der Unterschrift von Laura Bush auf der anderen Seite. Die Gattin des US-Präsidenten ist – wie auch die Frauen der anderen G8-Staatschefs – der Einladung von Joachim Sauer gefolgt. Das sogenannte Partnerprogramm führt die Damen auf eine Burg, die Anfang des 19. Jahrhunderts entstand und nach wechselvoller Geschichte heute als Schlosshotel geführt wird.

Hausherr Mathias Stinnes
erklärt Laura Bush die
Burg-Geschichte.
Nicht dabei ist Cecilia Sarkozy. Während Sauer und seine Gäste über die Mecklenburgische Schweiz fliegen, ist Frankreichs First Lady auf dem Rückflug nach Paris. Warum haben Madame Heiligendamm und Burg Schlitz den Rücken gekehrt? Die Kofferträger vom Auswärtigen Amt mögen keine Antwort geben. Dabei wäre das eine der einfachsten Übungen gewesen. Frau Sarkozy möchte ihre Tochter an deren Geburtstag nicht allein lassen. Zudem muss sich ja wenigstens einer aus der Familie Sarkozy um den Einzug in den Élysée Palast kümmern, dem Amtssitz des französischen Staatspräsidenten, zu dem das Nachbarvolk Nicolas Sarkozy gerade vor wenigen Wochen gewählt hat.

Helmuth Mahnkopf, der Direktor, und sein Restaurantchef Bernhard Moser sind die Ruhe selbst. Der eine, weil er ein alter Hase in der Sterne-Hotellerie ist, der andere ist Österreicher. „Wir neigen nicht zur Hektik“, sagt Moser und bleibt seinem alpenländischen Naturell vor, während und nach dem Partnerprogramm treu – trotz Sprengstoff suchender Hunde und allerlei Herren, denen der Schutz ihrer Exzellenzen angetragen wurde. Die CIA ist mit von der Partie, der russische Geheimdienst auch. Burg Schlitz, das ist an diesem Tage auch ein Stelldichein der Schwarze-Brillen-Träger.

Mathias Stinnes begrüßt die hochrangigen Gäste bei schönstem Sonnenschein und mag dabei insgeheim hoffen, dass die seinem Hause mit diesem Besuch zuteilgewordene Aufmerksamkeit sich künftig auch in betriebswirtschaftlich günstigeren Zahlen niederschlagen möge. Gerade hat man sich von einem Management-Duo getrennt, das es über Jahre hinweg nicht vermochte, Burg Schlitz in die schwarzen Zahlen zu führen. Der Direktor ist neu, der Restaurantchef seit drei Wochen im Amt, und Chefkoch Eric Schröter ist so lange auch noch nicht da.

Küchenchef Eric Schröter
war gestern nicht aus der
Ruhe zu bringen.
Schröter hält auch nichts von Stress an diesem Tag. „Nur“ neun Gäste im neugotischen Rittersaal bekochen zu dürfen, das ist für ihn kein Grund zur Aufregung – selbst dann nicht, wenn diese Gäste ganz besondere sind. Sein Menü ist raffiniert ausgetüftelt und reicht von Spargelchartreuse bis hin zu Waldmeistereis. Zum Hauptgang gibt es Kabeljaufilet. Die Damen und ihr männlicher Begleiter werden nach dem Essen des Lobes voll sein. Und niemand bekommt mit, dass er an einem abgesägten Tisch sitzt.

Noch vor Kurzem hatte dieser einen Durchmesser von 3,60 Meter. Zu viel, befanden Menschen vom hauptstädtischen Protokoll. Um eine „familiäre Atmosphäre“ zu ermöglichen, seien 2,80 Meter das Höchste der Gefühle. Also musste die Säge angesetzt und ein passendes Tischtuch gesucht werden. „Dieses Tischtuch zu finden, war so einfach nicht“, gesteht Direktor Mahnkopf und fügt hinzu, dass man „ein wenig gezaubert“ habe, um das Problem zu lösen. Wenn sie die Probleme der Herrschaften vom Protokoll hätte, ist eine Damenstimme aus dem Hintergrund zu vernehmen, dann hätte sie überhaupt keine Probleme.

Egal wie, die vier Stunden auf Burg Schlitz haben den aus Heiligendamm eingeflogenen Gästen sichtbar Freude gemacht. Cherie Blair hätte um Haaresbreite den Abflug verpasst. „Ich hätte noch Stunden in diesem wunderschönen Park sitzen können“, sagt die Gattin des britischen Premiers und kann sich vom Anblick des Nymphenbrunnens kaum trennen. Und auch Joachim Sauer ist sichtlich zufrieden. Nach Burg Schlitz zu gehen, sei eine ausgesprochen gute Idee gewesen. Die soll ihm seine Gattin gegeben haben.

www.burg-schlitz.de

(Nordkurier, 08.06.2007)

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