| In einer Serie beleuchtet die Redaktion des Nordkurier wöchentlich Themen und Hintergründe rund um den G8-Gipfel, der vom 6. bis 8. Juni in Heiligen- damm stattfinden wird. |
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| Teil 9: "Die Chance zur Lösung der Menschheitsfragen" |
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in Heiligendamm das G8-Gipfeltreffen statt. Mit dem Ministerpräsidenten des gastgebenden Bundeslandes, Harald Ringstorff (SPD), sprachen Michael Seidel und Andreas Zecher über die damit verbundenen Chancen und Risiken für den Nordosten. Das G8-Gipfeltreffen ist bereits seit Wochen in aller Munde. Nur wenige fragen sich noch, wie es zur Entscheidung für diesen Austragungsort kam. Hat sich Mecklenburg-Vorpommern dafür beworben? Eine offizielle Ausschreibung dafür hat es nicht gegeben. Die Bundesregierung ist mit dem Vorschlag an uns herangetreten, den G8-Gipfel in Heiligendamm auszutragen, da dort schon eine Reihe von hochrangigen Konferenzen stattgefunden hat. Uns war schon bewusst, dass ein derartiges Ereignis in einem aufstrebenden Tourismusland mit sehr vielen Werbemöglichkeiten verbunden sein würde. Es waren allerdings auch andere Austragungsorte im Gespräch. Und ich muss sagen, ich bin bis heute nicht unglücklich darüber, dass die Entscheidung für Heiligendamm fiel und wir diese Herausforderung angenommen haben. Was machte Sie im Hinblick auf positive Effekte so zuversichtlich? Von anderen Treffen dieser Art war bekannt, dass bereits im Vorfeld ein großes Medieninteresse einsetzt, besonders im Ausland. Das begriffen wir als die einmalige Chance, Mecklenburg-Vorpommern bekannter zu machen. Nicht nur als Tourismus-Land, sondern auch als guten Wirtschaftsstandort. Kurz, uns war klar, die Werbemöglichkeiten für unser Land würden riesig sein. Wenige Tage vor dem eigentlichen Ereignis, was wurde davon schon Wirklichkeit? Die Erwartungen haben sich zu einem beträchtlichen Teil bereits bestätigt. Wir haben schon eine ganze Reihe von Journalisten und Voraus-Delegationen hier empfangen, die nicht nur die Tagungsstätte Heiligendamm besuchten. Nach allem, was ich erfahren habe, sind in diesem Zusammenhang sehr positive Berichte über unser Land verbreitet worden. Der Gipfel wird zweifellos nicht nur schöne Bilder hervorbringen. Dafür werden Auseinandersetzungen zwischen Polizei und militanten Globalisierungsgegnern sorgen. Was kann getan werden, dass dennoch die schönen Eindrücke vom Land diejenigen sein werden, die nachhaltig wirken? Auch das wird im Wesentlichen davon abhängen, ob die Protestaktionen weitgehend friedlich verlaufen. Ich schließe da ausdrücklich mit ein, dass es wichtig ist, die Anliegen der Globalisierungsgegner zu würdigen. Wir haben in den letzten Wochen mit verschiedenen Verantwortlichen aus diesem Bereich den Dialog gesucht. Der Chef von Attac-Deutschland, Peter Wahl, hat mir gesagt, es wäre auch für Attac kontraproduktiv, wenn die Meldungen vom Gipfel von Krawallen dominiert würden. Die meisten Gipfelkritiker haben ein Eigeninteresse an einem friedlichen Verlauf, sonst können sie ihre Botschaften schlecht vermitteln. Wenn dieser Wunsch in Erfüllung geht, bleibt dennoch viel zu tun, damit Mecklenburg-Vorpommern positiv im Gespräch bleibt. Welche nachhaltige Strategie verfolgt da das Land? Für uns wird es wichtig sein, die nationalen und internationalen Medien auch weiterhin auf diesen Standort aufmerksam zu machen. Wir haben ja bereits im dritten Jahr in Folge eine sehr gute Entwicklung in der gewerblichen Wirtschaft. Nur das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Ich habe im Vorfeld von G8 selbst Journalisten-Gruppen betreut, bei denen ich merkte, dass es immer noch gewisse negative Klischee-Vorstellungen gibt. Die konnten weitenteils abgebaut und korrigiert werden. Daran muss nach G8 weiter gearbeitet werden. Wie soll diese Weiterarbeit genau passieren? Wir müssen die einmal geknüpften Kontakte weiter festigen und dürfen nicht nachlassen, unsere Standortvorteile hervorzuheben. Wir sind das einzige Land in Deutschland, das über Hafenstandorte verfügt, die gleichzeitig Ziel-1-Fördergebiet der EU sind. Gerade für Unternehmen, die im Export tätig sind, ist das ein entscheidender Vorteil. Schön wäre es natürlich auch, wenn auf dem Gipfel Ergebnisse erzielt würden, die dann auf Dauer in der Öffentlichkeit mit dem Namen Heiligendamm und Mecklenburg-Vorpommern verbunden sind.
Wenn man Klimaschutz ernst nimmt, bedeutete das, dass man mehr alternative und regenerative Energien einsetzen muss. Da sind wir schon bei einer unserer wirtschaftlichen Stärken. Bei uns wird Klimaschutz "produziert". Wenn ich an den Windkraftanlagen-Hersteller Nordex oder an das Wachstum von Bio-Gasanlagen denke, dann ist das ein Feld, auf dem Mecklenburg-Vorpommern sehr erfolgreich agiert. Ein zweites Thema - Afrika - ist hierzulande gewiss noch unterentwickelt. Aber wer im Fernsehen die Bilder von afrikanischen Flüchtlingen sieht, die Europa erreichen, der begreift schon, Entwicklungshilfe, die dazu beiträgt, dass Afrikaner in ihrer Heimat Chancen für eine freie wirtschaftliche und politische Lebensgestaltung haben, tangiert auch uns. Dennoch: Eine Mehrheit der Bürger empfindet insbesondere die Sicherheitsvorkehrungen als übertrieben und erwartet vom Gipfel keine wirkliche Weltverbesserung. Was halten Sie dem entgegen? Es sind ja nicht nur die G8-Staaten dabei, auch die großen Schwellenländer. Deshalb ist es eben nicht so, wie von mancher Seite kolportiert, dass sich der Gipfel gegen den Rest der Welt richtet. Daraus folgt für mich, dass es eine echte Chance auf Fortschritte bei der Lösung wesentlicher Menschheitsfragen gibt. Es wäre schön, wenn sich - ähnlich dem Bologna-Prozess hinsichtlich der Internationalisierung der Hochschulpolitik - ein "Heiligendamm-Prozess", beispielsweise in der Afrika-Hilfe, anstoßen ließe. Zudem: Derzeit ist Mecklenburg-Vorpommern international weitgehend unbekannt, auch was die geografische Lage betrifft. Das könnte sich durch einen erfolgreichen Gipfel in Heiligendamm ändern, und man bräuchte nicht immer zu erklären: Mecklenburg-Vorpommern liegt zwischen Hamburg und Berlin, sondern könnte sagen, Mecklenburg-Vorpommern ist dort, wo der Heiligendamm-Gipfel war. Aber warum dieser Aufwand, warum dieser exklusive Tagungsort, wenn doch die meisten Beschlüsse ohnehin an drögen Verhandlungstischen vorbereitet werden? Wie man den Nachrichten entnehmen kann, ist eben keineswegs sicher, dass die vorbereiteten Papiere bei den Staatschefs auch eine Mehrheit finden. Solche Tagungsorte werden ausgewählt. weil die Atmosphäre einer Tagung wesentlich zu deren Gelingen beiträgt. Vielleicht ist in einem solchen Umfeld eben mehr möglich als in kühlen Konferenzräumen. Was die Gipfelkosten angeht, so kann ich nur sagen: Die Summen, die bisher als Belastung für das Land spekuliert wurden, stimmen nicht. Wir haben eine faire Vereinbarung mit dem Bund. Wenn dieser Gipfel gut verläuft, kann in Mecklenburg-Vorpommern künftig jede Großveranstaltung der Welt stattfinden. Und ich darf daran erinnern, dass die Kaiserbäder auf Usedom heute noch damit werben, dass der Kaiser dort gebadet und sein Haupt gebettet hat. Warum sollte uns mit dem Gipfel nicht ein ähnlicher Imagegewinn gelingen! (Nordkurier, 02.06.2007) |
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