Mehr bezahlen für Geld:

Girokonto wird teurer

Mini-Zinsen nagen nicht nur an den Sparguthaben der Verbraucher, sie machen auch den Kreditinstituten zu schaffen. Die Folge: Banken treten auf die Kostenbremse. Für manchen bisher kostenlosen Service müssen Kunden nun zahlen.

Auch wenn das Girokonto anfangs kostenlos ist, dürfen Banken später Gebühren einführen. Sie müssen das dem Kunden aber mitteilen.
Angelika Warmuth Auch wenn das Girokonto anfangs kostenlos ist, dürfen Banken später Gebühren einführen. Sie müssen das dem Kunden aber mitteilen.

Strafzinsen auf Guthaben von Großkunden oder Extra-Gebühren für Papier-Überweisungen: Angesichts der Mini-Zinsen im Euroraum werden Kreditinstitute kreativer, um mit ihren Kunden Geld zu verdienen. Jüngstes Beispiel ist die Postbank, die ab 1. April von Kunden, die Papierbelege einreichen, prinzipiell 99 Cent pro Überweisung verlangen will.

Niedrige Zinsen verursachen höhere Kosten

Die Deutsche-Bank-Tochter begründet den Schritt mit den hohen Kosten, die mit der Abwicklung der Papierbelege verbunden seien. „Wir konnten das über Jahre kostenlos anbieten, weil wir mit dem Geld auf den Konten arbeiten konnten. Wegen der niedrigen Zinsen geht das jetzt aber nicht mehr“, erklärt ein Firmensprecher. Im Einzelfall will sich das Institut kulant zeigen.

„Wenn sich eine 85-jährige Kundin beschwert, die 20 Kilometer vom nächsten Serviceterminal entfernt wohnt und kein Online-Banking betreiben kann, schauen wir, ob wir eine Kulanzentscheidung treffen können“, sagt Postbank-Sprecher Ralf Palm. Online-Überweisungen, Telefon-Banking und die an den Terminals in den Filialen abgewickelten Geschäfte sind weiter kostenlos. Auch andere Geldinstitute drehen an der Gebührenschraube.

„Die Kreditinstitute verdienen wegen der Niedrigzinsen derzeit mit Guthaben auf Girokonten kein Geld“, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Die Folge: Die Geldhäuser erhöhten in kleinen Schritten die Gebühren an den verschiedensten Stellen. Die FMH Finanzberatung beobachtet 80 Konten regelmäßig, 50 davon sind ohne Kontoführungsgebühr, davon aber nur zehn wirklich kostenfrei. „Bei allen anderen gibt es irgendwo Einschränkungen, zum Beispiel eine umsatzhängige Kreditkartengebühr“, sagt Herbst.

Früher hätten Banken und Sparkassen mit günstigen oder gar kostenlosen Girokonten gelockt, um den Kunden in einem zweiten Schritt dann Darlehen oder Kapitalanlagen verkaufen zu können, urteilt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Doch jetzt, wo diese Geschäftsfelder immer weniger Geld in die Kasse spülen, besinnen sich die Banken darauf, dass auch mit dem Girokonto selbst Geld zu verdienen ist.“

Der Trend geht ohnehin zur Online-Überweisung

Rückendeckung erhalten die Geldhäuser dabei von höchster Stelle. Die scheidende Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, riet den Instituten kürzlich, für ihre Dienstleistungen angemessene Preise zu verlangen: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich die Kunden freuen, wirtschaftlicher Logik entsprechen sie nicht.“

Wenn die Postbank nun das Thema Papierüberweisungen ins Visier nimmt, ergibt das aus ihrer Sicht also durchaus Sinn. Der Trend geht ohnehin in Richtung Online-Banking. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank wurden 2013 von 6,3 Milliarden Überweisungen nur noch 816 Millionen schriftlich eingereicht. Etwa 5,5 Milliarden Transaktionen waren beleglos, darunter 2,7 Milliarden online.

Mit zunehmenden Alter sinkt der Anteil der Verbraucher, die Online-Banking nutzen. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes BdB wickeln 78 Prozent der 30- bis 39-Jährigen ihre Bankgeschäfte online ab, bei den 70-Jährigen und Älteren sind es dagegen nur 22 Prozent.

Bislang waren kostengerechte Preise bei Girokonten wegen des harten Wettbewerbs hierzulande häufig nicht durchsetzbar. Doch könnte sich dies nun ändern, glaubt Verbraucherschützer Feck. Die Gebühren für Überweisungen mit Papierbelegen müssten da nicht das letzte Wort sein. Denkbar seien auch Gebühren etwa für Bareinzahlungen.

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