Die Versicherung wechseln:

Kassen locken mit Extraleistungen

Mit der Beitragsreform ist der Wettbewerb unter den Krankenkassen neu entfacht. Wechselwillige sollten aber nicht nur auf den Preis schielen, raten Experten. Die Versicherer haben auch attraktive Zusatzangebote.

Vor einem Wechsel sollten sich Versicherte genau über die Leistung der entsprechenden Krankenkassen informieren.
Oliver Berg Vor einem Wechsel sollten sich Versicherte genau über die Leistungen der entsprechenden Krankenkassen informieren.

„Stabiler Beitrag, starke Leistung“ – lautet das Versprechen auf der Internetseite einer bekannten deutschen Krankenkasse. Sie hat den bisherigen Beitragssatz von 15,5 Prozent beibehalten – für die Mitglieder wird die Krankenversicherung zumindest nicht teurer.

Andere gesetzliche Krankenkassen nutzen die neue Beitragsfreiheit dagegen deutlich stärker. Von den 124 Kassen in Deutschland haben immerhin 65 Versicherungen laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest zum Jahreswechsel ihre Sätze gesenkt – bei acht Kassen sind sie gestiegen. Mit Abschaffung des Einheitsbeitrages ist zum Jahresanfang wieder Bewegung in die Kassenlandschaft gekommen. Die gesetzlichen Krankenkassen können wieder über einen Teil der Beiträge bestimmen.

Sonderkündigungsrecht für Versicherte

Dazu ist der allgemeine Beitragssatz um 0,9 Punkte auf 14,6 Prozent gesenkt worden. Auf diesem Niveau ist es den Kassen dann möglich, einen Zusatzbeitrag zu erheben, dessen Höhe sie selbst festlegen können. Die eingeführten Zusatzbeiträge liegen derzeit zwischen 0 und 1,3 Prozent. Durch die Reform soll auch der Wettbewerb unter AOK, Barmer und Co. angekurbelt werden.

Führt nämlich eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag ein, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Und ein Kassenwechsel kann sich für Versicherte finanziell lohnen, wie eine Berechnung der Stiftung Warentest zeigt: Verdient ein Versicherter monatlich 2000 Euro, bringt ein Wechsel von einer Kasse mit einem Beitragssatz von 15,5 Prozent zu einem Versicherer mit 14,6 Prozent immerhin eine Ersparnis von mehr als 200 Euro.

Gesundheitsexperten und Verbraucherschützer warnen aber davor, vorschnell die Krankenkasse zu wechseln. Eine gute Kasse erkenne man an Leistung und am Preis, sagt unter anderem Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Sei eine andere Krankenkasse zum Beispiel für Nachfragen schlechter zu erreichen, nütze auch ein besserer Preis nichts.

Beim Wechsel nichts übers Knie brechen

„Wir empfehlen den Versicherten, bei der Kassenwahl nicht nur auf die Höhe des Zusatzbeitrags zu achten, sondern auch die teilweise unterschiedlichen Leistungen in den Blick zu nehmen“, rät auch der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankversicherung (GKV) Florian Lanz. Vor einer Entscheidung sollte das Gesamtpaket in den Blick genommen werden.

Die medizinischen Basisleistungen sind zwar bei allen Kassen gleich – doch die Kassen dürfen ihren Versicherten auch Extraangebote unterbreiten. „Und da gibt es durchaus Unterschiede“, weiß Gesundheitsexperte Armin Czysz, Verantwortlicher Redakteur beim Internet-Vergleichsportal krankenkassen.de.

Extraleistungen vergleichen

Die Kassen bieten Extras für Zahnbehandlungen an oder übernehmen mehr Kosten für eine künstliche Befruchtung als gesetzlich vorgeschrieben ist. „Das Spektrum an Zusatzleistungen ist in den vergangenen Jahren größer geworden“, weiß Czysz. Versicherte können auch Geldprämien einstreichen, Zuschüsse für alternative Behandlungsmethoden bekommen und Reiseimpfungen über ihre Krankenkasse abrechnen.

„Ein Vergleich der verschiedenen Extraleistungen lohnt sich“, sagt Czysz. Aber man sollte dabei nichts übers Knie brechen. Am Anfang sollte immer die Frage stehen: „Was ist mir bei meiner Krankenkasse wichtig.“ Und das muss ja nicht immer die Höhe des Beitragssatzes sein.

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