Unternehmen wälzen Kosten um:

Marktwirtschaft statt Preiswillkür – so entstehen Lieferkosten

Bevor ein Produkt oder eine Dienstleistung den Verbraucher erreicht, entstehen Kosten. Doch wer oder was bestimmt und reguliert eigentlich deren Höhe?

Bis die neuen Möbel im Wohnzimmer stehen und zum Wohlfühlen einladen, legen sie wie alle anderen Produkte, die bequem zu Hause bestellt und auch dorthin geliefert werden, einen ziemlich langen Weg zurück. Das kostet!
Andrey Popov Bis die neuen Möbel im Wohnzimmer stehen und zum Wohlfühlen einladen, legen sie wie alle anderen Produkte, die bequem zu Hause bestellt und auch dorthin geliefert werden, einen ziemlich langen Weg zurück. Das kostet!

Wer kennt das nicht? Ein Handwerker stellt bei der Terminvereinbarung eine Anfahrtspauschale in Rechnung, ohne auch nur einen Handschlag gemacht zu haben. Je nach Gewerbe kann deren Höhe ganz erheblich sein.

Ein weiteres Beispiel. Jemand lässt sich von einer Firma eine größere Fracht liefern. Aufgrund der Erfahrung macht der Kunde ein Jahr später dieselbe Bestellung. Der Lieferweg ist gleich geblieben. Der Kunde bezahlt aber den doppelten Preis. Da erhebt sich folgende Frage: Wer oder was regelt eigentlich die Preise für Versand, Lieferung, Anfahrt, Fracht oder ähnliche Kosten?

Eine Nachfrage bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern bringt keine Lösung. Eine gesetzliche Regelung zu diesem Thema sei nicht bekannt. Es gebe aber Paragrafen, die genau beinhalten, wie Waren und Dienstleistungen hinsichtlich des Preises gegenüber Verbrauchern auszuzeichnen sind.

Die Industrie- und Handelskammer wird konkreter. Aufschluss bietet ein Auszug aus der Preisangabenverordnung. Hier ist geregelt, was Verbraucher unter Liefer- und Versandkosten verstehen können und welche Preisbestandteile in einem Produkt enthalten sind. Über den Preisrahmen und die Höhe eines Gesamt-, Vertriebs- oder Anfahrtspreises sagt sie jedoch nichts.

Bürgerliches Gesetzbuch gibt den Rahmen vor

Tino Beig vom Einzelhandelsverband Nord, Geschäftsstelle Neubrandenburg, sorgt für Klarheit. Einen absolut rechtsfreien Raum bei der Preisgestaltung gibt es nicht. Dafür sorge schon das Bürgerliche Gesetzbuch, welches sittenwidriges Geschäftsgebaren verbietet.

Schließlich verweist er auf die Preisangabenverordnung. Der Spielraum für die Preisgestaltung sei also durchaus abgesteckt. „Alles andere“, so Beig „ist schlichtweg funktionierende Marktwirtschaft.“

Die Marktmechanismen seien das regulierende Element. Innerhalb des vorhandenen Spielraums agieren die Anbeiter nach eigenem Ermessen. Jeder Preisgestaltung liege eine Kalkulation zugrunde.

„Der Preis hat immer eine kalkulatorische und eine psychologische Komponente“, so der Fachmann. Die Kalkulation hänge von vielen Faktoren ab. Etwa der Größe des Unternehmens,  der Entfernung zwischen Anbieter und Verbraucher oder dem aktuellen Ölpreis. Ebenso spiele der Umstand eine Rolle, ob der direkte Weg gewählt oder Subunternehmen genutzt wurden, ob es Tarifveränderungen für die Arbeitnehmer gegeben habe, welche Art, Größe, Gewicht oder Umfang eine Ware besitzt und welche weiteren ähnlichen Details zutreffen.

Niemand hat etwas zu verschenken

„Kosten, die entstanden sind, müssen auch umgelegt werden, sonst kann kein Unternehmen existieren“, verdeutlicht Tino Beig. Mischkalkulation sei da ein Stichwort. Je nachdem, welche marktstrategischen Absichten von einem Unternehmen oder Dienstleister verfolgt würden, sei demnach der geforderte Preis „gefühlt akzeptabel oder eben nicht“.

Niemand möge glauben, dass eine kostenlose Lieferung im Handel ein Geschenk an den Verbraucher sei. Auch hier habe der Anbieter kalkuliert und suggeriere dem Kaufinteressenten einen Vorteil. Da greife dann die psychologische Komponente. Die tatsächlich vorhandenen Kosten würden vom Anbieter einfach über einen anderen Weg aufgefangen und an die Verbraucher weitergegeben. „Deutschland hat einen der härtesten Märkte im Einzelhandel der Welt“, betont Tino Beig.

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