Euro-Serie:

Teil 1: Der Mann, der den Euro brachte

Vor zehn Jahren wurde in zwölf europäischen Staaten die Einheitswährung als Bargeld eingeführt. Der Euro habe den Alltag einfacher gemacht und die Wirtschaft habe von ihr profitiert, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wir überprüfen das in den nächsten zwei Wochen in einer Serie rund ums neue Geld.

Euro und D-Mark

„Es gibt ein Sicherheitsmerkmal, das hat noch kein Fälscher geschafft“, sagt Rolf Eggert. Er hält einen 50-Euro-Schein   in die Höhe und schwenkt ihn so,  dass die  Zahl rechts unten die Farbe wechselt. „Solche Merkmale haben sich bewährt“, sagt der 67-Jährige aus Wismar, der vor zehn Jahren Präsident der damaligen Landeszentralbank (LZB) in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein war. In seiner Stimme schwingt noch immer ein bisschen Stolz  mit. Stolz darüber, dass die Einführung des Euro im Nordosten  weitgehend reibungslos über die Bühne ging. Und stolz darüber, dass die befürchtete Falschgeld-Schwemme schon bei der Rückgabe der D-Mark ausblieb.

 

„Das war damals eine aufregende Zeit“, erinnert sich Eggert. Acht Monate vor der Einführung des Euro war er an die Spitze der LZB gerückt, die für die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft in Norddeutschland mit Euro-Bargeld  zuständig war. Zuvor hatte der Hochschulprofessor das Amt des Wirtschaftsministers von Mecklenburg-Vorpommern inne. „Der Währungswechsel war mit vielen Emotionen verbunden. Die Ostdeutschen hatten die D-Mark ja nur gut zehn Jahre in den Händen gehabt, als sie sich schon wieder von ihr verabschieden mussten“, sagt Eggert, der neben einem Mustersatz Euro-Scheine auch das Pendant für die D-Mark aufbewahrt hat.

 

Die Bargeldumstellung zum Jahreswechsel 2001/2002 war eine extreme logistische Herausforderung: Allein die Landeszentralbank musste in Norddeutschland Euro-Noten und Münzen im Wert von 19,5 Milliarden Euro und einem Gesamtgewicht von 8700 Tonnen ausgeben, wie Eggert berichtet. Gleichzeitig musste der Rückfluss der D-Mark in ähnlicher Größenordnung bewältigt werden. In Hamburg und Lübeck seien beispielsweise zusätzliche Lagerhallen an geheimen Orten angemietet worden,  so Eggert. „Monatelang rollten Lkw mit Scheinen und Münzen in tausenden Fahrten von A  nach B – glücklicherweise ohne Überfälle.“  

 

Zur Optimierung  der Versorgung habe die  LZB in Hamburg damals ein Bargeld-Management-System auf EDV-Basis entwickelt, das noch heute bundesweit genutzt werde, erzählt der Finanzexperte.  Um Engpässen bei der Währungsumstellung vorzubeugen, bekamen Handel und Dienstleister den Euro außerdem schon am 1. September 2001. Zudem gab es eine „modifizierte Stichtagsregelung“ bis zum 28. Februar 2002 – so lange konnten die Menschen in den Geschäften noch mit der Deutschen Mark in bar bezahlen. Das Rückgeld gab es in Euro und Cent. Der Umtausch von D-Mark in Euro ist dagegen unbefristet möglich.

 

Umso überraschter seien die Bankmitarbeiter gewesen, dass neben dem erwarteten starken Rückfluss über die Großkunden am Neujahrstag 2002  auch tausende Privatkunden die geöffneten LZB-Filialen stürmten. „In Hamburg betrug die Wartezeit an den Schaltern eine Stunde, da haben wir den Kunden Kaffee und Sekt zum Anstoßen ausgeschenkt“, erzählt Eggert.

Auch in den LZB-Häusern in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg hätten hunderte Bürger gleich am 1. Januar 2002 ihre D-Mark-Bestände gegen die neue Währung eintauschen wollen. In den folgenden Wochen  seien an den drei Standorten noch täglich zwischen 100 und 200 Kunden zum Wechseln gekommen.

 

Die unbegrenzte Möglichkeit des Umtauschens sorgte auch Monate nach dem Stichtag noch für Anekdoten an den Schaltern, wie sich Eggert erinnert. So brachte eine Familie einen Koffer mit 100 000 Mark mit, den sie nach dem Tod des Großvaters unter dessen Bett gefunden hatte. „Kann das noch umgetauscht werden?“, lautete die bange Frage. Es konnte.

 

Skeptische Blicke erntete dagegen eine Frau, die 15 000 Mark in eingefärbten 1000-Mark-Scheinen umtauschen wollte. Schließlich wird Erpressergeld mit Farbe präpariert. Es stellte sich heraus, dass die Frau eine ältere Dame gepflegt hatte, die ihr  nach ihrem Tod 30 Blumentöpfe vermacht hatte. In jedem Topf war ein 1000-Mark-Schein versteckt. Das war der Bankkundin erst aufgefallen, als sie schon 15 Töpfe mit den inzwischen verwelkten Blumen entsorgt hatte. „Zum Glück konnte sie die anderen 15 000 Mark noch retten“, so Eggert.

 

Wie lange man das Geld noch umtauschen kann, war damals eine der am häufigsten gestellten Fragen bei der LZB. In der heißen Phase der Umstellung gingen 15 000 Anrufe und E-Mails bei der Bank ein. Manch einer betrachtete die neue Währung mit Skepsis – und fühlt sich heute angesichts der Finanzkrise bestätigt. Von der Währungsunion habe Deutschland jedoch profitiert, betont Eggert. Die Stabilität nach außen sei ein entscheidender Faktor  für die Wirtschaft.  Betrachte man die innere Stabilität, gebe es derzeit aber durchaus Anlass zur Sorge.  „Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass die Europäische Zentralbank jetzt Staatsanleihen kauft“, räumt der Finanzexperte ein. Er weiß, dass es nicht einfach wird, aus der   Krise wieder herauszukommen.  Den Euro selbst stellt er deshalb aber nicht in Frage.

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