Euro-Serie:

Teil 3: Woher die Euromünzen kommen

Der Euro ist das gesetzliche Zahlungsmittel von mehr als 300 Millionen Menschen in Europa. Doch kaum jemand weiß, wo und wie die Euro-Münzen hergestellt werden. Und was passiert mit alten oder ungültigen Münzen?

Münzen

 Münzhoheit: Für die Herstellung von Euro-Münzen gilt die Münzhoheit. Das bedeutet, dass nur die Regierungen der jeweiligen Staaten die Produktion in Auftrag geben können. In Deutschland besitzt das Bundesministerium für Finanzen dieses Privileg. Die Geldscheine gibt dagegen die deutsche Zentralbank – die Bundesbank – aus.

Wie viele Münzen geprägt und ausgegeben werden, hängt zum einen davon ab, wie viele nötig sind, um einen reibungslosen Zahlungsverkehr zu ermöglichen. Zum anderen muss die Europäische Zentralbank die Prägung erst noch genehmigen.

Herstellung: Am Anfang der Münzherstellung steht der Entwurf. Designer modellieren ein übergroßes Gipsmodell, von dem per Laser die Form abgenommen wird. Mit den gewonnenen Daten wird das positive Urwerkzeug der Münze gefertigt, von dem mehrere Negative hergestellt werden: die Stempel.

Die Münzanstalten bekommen von Münzwerken Rohlinge geliefert, sogenannte Ronden. Die Ronden werden in einer Prägemaschine zwischen zwei Stahlstempeln unter hohem Druck – bis zu 150 Tonnen – zu Münzen gepresst. „Jede Prägemaschine kann bis zu 850 Münzen pro Minute herstellen“, erklärt Ralph Thiemann, Münzleiter der Münzprägeanstalt Hamburg. Dort wird rund ein Fünftel aller Münzen für Deutschland hergestellt. „2011 haben wir mehr als 340 Millionen Stück geprägt“, so Thiemann. „Gegenwärtig sind rund 97 Milliarden Euro-Münzen weltweit im Umlauf – 28 Milliarden allein in Deutschland.“

 

Das Material: Das Material, aus dem die Münzen bestehen, muss bestimmte Kriterien erfüllen. Der Wert des Metalls ist im Allgemeinen geringer als der Nennwert, also der auf der Münze angegebene Wert. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass die Münzen eingeschmolzen und als Ware gehandelt werden. Die Legierungen der Münzen rosten nicht, nutzen sich im Gebrauch nur wenig ab und sind für Allergiker geeignet.

Bei der 2-Euro-Münze besteht der äußere Ring aus Kupfer-Nickel, die Pille innen ist dreischichtig – Nickel-Messing, Nickel, Nickel-Messing. Die Münze ist schwach magnetisierbar. Der Ring der 1-Euro-Münze besteht aus Nickel-Messing, die ebenfalls dreischichtige Pille aus Kupfer-Nickel, Nickel, Kupfer-Nickel. Die Münze ist schwach magnetisierbar. Die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen sind aus einer Kupfer-Aluminium-Zink-Zinn-Legierung und haben den Beinamen „Nordisches Gold“ (nicht magnetisierbar). 1-, 2- und 5-Cent-Münzen bestehen aus Stahl mit einer Kupferauflage und sind stark magnetisierbar.

Umlauf: Sind die Münzen fertiggeprägt, kaufen die Zentralbanken den Regierungen die Münzen zum Nennwert ab. Und da der Nennwert höher ist als die Kosten für die Herstellung, machen die Regierungen Gewinn. Das Geld fließt in den jeweiligen Staatshaushalt. Im Vergleich zu den gesamten Einnahmen sind diese Gewinne aber wenig bedeutend.

In Deutschland liefern die Münzprägeanstalten die neuen Münzen an die Filialen der Bundesbanken. Von dort holen sich die Geschäftsbanken das Geld ab. Über die Banken gelangen die Münzen dann in den Umlauf – erst in den Handel und dann in die Geldbörsen der Verbraucher.

 

Umtausch: Im Vergleich zu Geldscheinen nutzen Münzen sich weniger ab. Dadurch können sie mehrere Jahrzehnte im Umlauf bleiben. Geldscheine hingegen laufen kürzer um: Kleine Banknoten (5, 10, 20 und 50 Euro) werden zwischen ein und vier Jahren, große Banknoten (100, 200 und 500 Euro) teilweise mehr als zehn Jahre genutzt. Sind Münzen nicht mehr umlauffähig, werden sie zurück an die Münzstätten geschickt. Dort verwalzen spezielle Maschinen die Geldstücke und machen sie für den Zahlungsverkehr unbrauchbar. Der Metallschrott kann dann eingeschmolzen werden.

 

Beschränktes Zahlungsmittel: Mit Münzen kann man nicht unbegrenzt bezahlen. Sie sind hauptsächlich für kleinere Beträge gedacht. Ein Verkäufer muss nicht mehr als 50 Münzen bei einer Zahlung annehmen. Das ist in einer europäischen Verordnung festgelegt. Diese Regelung gilt für alle Länder.

Das deutsche Münzgesetz ergänzt diese Vorschrift. Die Annahmepflicht für deutsche, auf Euro lautende Gedenkmünzen ist auf einen Betrag von 200 Euro je Zahlung beschränkt. Die 50-Münzen-Grenze gilt ebenfalls.