Euro-Serie:

Teil 4: Mit dem Einsechsteltaler fing alles an

Münzen sind Zeugnisse der Zeitgeschichte und für den Neubrandenburger Sammler Peter Worseck etwas ganz Besonderes. Mit einem preußischen Einsechsteltaler von Friedrich Wilhelm III. fing alles vor rund 45 Jahren an. Inzwischen hat der 58-Jährige viele weitere kostbare Stücke.

Peter Worseck

 Vorsichtig öffnet Peter Worseck aus Neubrandenburg seine Münzkassette. Nur eine kleine Auswahl hat er dabei. Der Großteil seiner Münzsammlung liegt sicher verwahrt in einem Bankschließfach. Auf blauem Samt liegen die Münzen, eingeschweißt und luftdicht verpackt. Darunter ein Eindritteltaler der Linie Mecklenburg-Strelitz. Der Taler ist aus Silber und zeigt Adolf Friedrich IV., den Herzog von Mecklenburg-Strelitz. Geprägt wurde er in Neustrelitz im Jahr 1773. Diese Münze aus dem 18. Jahrhundert ist nicht das einzige historische Zeugnis im Besitz des Neubrandenburgers. „Meine Sammlung reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.“

 

Mit 13 Jahren sprang der Funke über. „Mein Vater hat mir meine erste Münze geschenkt. Das war ein preußischer Einsechsteltaler von Friedrich Wilhelm III., dem Ehemann der Königin Luise.“ Ein ganz abgeschliffenes Stück, das Worseck noch heute besitzt.

 

Heute ist Peter Worseck 58 Jahre alt und sammelt immer noch leidenschaftlich gern. Doch ein bisschen verkleinert hat er seine Sammlung. Die Erben wüssten damit nichts anzufangen. „Meine Kinder interessieren sich nicht ganz so dafür wie ich. Allein wegen des Wertes ist es besser, wenn ich auf lange Sicht meine Münzen verkaufe“, erzählt Worseck. Auch seine Frau ermahne ihn ab und an mal, dass es noch etwas anderes als Münzen im Leben gebe. Doch als Schatzmeister des Neubrandenburger Münzvereins hat Peter Worseck so seine Pflichten.

 

Einmal im Monat treffen sich die 22 Mitglieder – zum Erfahrungsaustausch und um Vorträge über historische Ereignisse zu hören. „Manchmal denke ich, dass ich kindisch bin“, sagt Worseck. „Viele Leute stecken einen in die Ecke des Verschrobenen. Doch Münzen sind historische Zeugnisse. Die ersten Münzen wurden vor unserer Zeitrechnung in Vorderasien geprägt.“ Und das ist für den Neubrandenburger das Besondere.

 

Schon immer habe er sich für Geschichte und Archäologie interessiert. Zuerst wollte er dies sogar studieren, entschied sich aber dagegen und studierte Betriebswirtschaftslehre. Münzen und Zahlen – das sei ihm wichtig. Seit vielen Jahren arbeitet der Betriebswirt als selbstständiger Finanzberater. Vor zehn Jahren zur Währungsreform machte der Münzsammler unter den Euro-Gegnern Werbung für die einheitliche europäische Währung. „Der Euro war sehr wichtig für das Zusammenwachsen der europäischen Staaten.“ An eine so schwere Euro-Krise wie derzeit habe er nie gedacht. Auch nicht daran, dass die europäischen Staaten einmal einen Rettungsschirm spannen müssten, um  Staaten wie Griechenland zu retten. „Uns hat bei der Euro-Einführung die politische  Vision gefehlt. Negativ ist, dass die deutsche Bevölkerung keine gute Meinung von den Politikern hat.“

 

Die Mehrheit der Deutschen würde die D-Mark gern zurückhaben wollen, ist Peter Worseck überzeugt. Doch eine Lösung sei dies seiner Meinung nach nicht. „Es gibt keine Alternative zum Euro. Der Euro wird auch überleben, sicher in einer anderen Form. Aber die Rückkehr zur D-Mark würde den deutschen Export einbrechen lassen.“

 

Mitglied im Münzverein ist der 58-Jährige seit 1990. Doch die Geschichte des Vereins ist viel älter. Er war 1967 als Fachgruppe Numismatik ins Leben gerufen worden. Als die DDR noch bestand, sei es schwieriger gewesen, Münzen zu sammeln. „Die Deutsche Mark zu sammeln, war nahezu verboten, Außenbeziehungen kaum möglich. Es musste vieles genehmigt werden“, erinnert sich der Finanzfachmann. Dabei ging es vor allem um die Kontakte ins nicht sozialistische Gebiet. Auch an besondere DDR-Prägungen war nur schwer heranzukommen. „Die DDR-Münzen wurden nach bestimmten Kriterien verteilt. Vor allem die Partei und die Regierung haben welche bekommen. Im Laufe der Jahre hat sich das Sammeln verändert. Vieles geht heute nur noch online. „Im Internet haben wir eine  familiäre Atmosphäre.“ Auch die Literatur zur Numismatik und zum Münzsammeln ist viel umfangreicher geworden als zu Beginn seiner Leidenschaft.

 

Peter Worseck wird weiter sammeln.  In fünf Jahren feiert der Neubrandenburger Münzverein sein 50-jähriges Jubiläum – da wolle er dabei sein. Zur 750-Jahr-Feier der Viertorestadt hatte der Verein eine eigene Medaille entworfen und geprägt. Sie zeigt  auf der Vorderseite die Abbildung eines Neubrandenburger Wittens (Vierpfenning-Münze) und auf der Rückseite die Stadtansicht aus der Vogelperspektive.

 

Die Deutsche Bundesbank gibt jedes Jahr Gedenkmünzen heraus. Auch solche besitzt der Neubrandenburger. Eine von diesen ist Peter Worsecks Lieblingsmünze.  Eingeschweißt in einer Plastikhülle nimmt er sie aus der Münzkassette und dreht sie in der Hand.   Sie zeigt die Formel zur Relativitätstheorie nach Albert Einstein – E = mc2. „Die Münze ist schön gelöst. Mit dem gekrümmten Raum, der die Gravitation darstellt“,   sagt Peter Worseck. Der Medailleur Heinz Hoyer entwarf die Gedenkmünze 2005 – zum 100. Jahrestag der Relativitätstheorie.  Mit den Zehn-Euro-Münzen könne in Deutschland auch eingekauft werden. Doch davon rät er ab. „Mit einer Gedenkmünze etwas kaufen zu wollen, ist Schwachsinn. Wer damit für zehn Euro etwas kauft, macht definitiv Verluste, denn für den Silberwert bekommt er schon viel mehr.“ Für  Peter Worseck würde das ohnehin nicht in Frage kommen. Für ihn ist jede Münze etwas Besonderes.

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