Euro-Serie:

Teil 9: Der Arbeitgeber spart mit

Seit 50 Jahren können Arbeitnehmer mit Hilfe ihres Chefs ein (kleines) Sparvermögen aufbauen. Doch viele Menschen wissen nicht, was vermögenswirksame Leistungen (VL) sind - und lassen sie deshalb ungenutzt. Damit verzichten sie aber nicht nur auf das Geld vom Chef, sondern auch auf die Prämien und Zulagen vom Staat.

staatliche Prämie

Die Grundidee:
Der Arbeitnehmer erhält zusätzlich zu seinem Lohn einen Betrag von bis zu 40 Euro, der ihm nicht bar ausgezahlt, sondern direkt in einen Sparvertrag überwiesen wird. Dadurch soll der Mitarbeiter zum Sparen animiert und dabei unterstützt werden. Welcher Betrieb vermögenswirksame Leistungen zahlt und wie viel, ist häufig in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen geregelt. Das Spektrum reicht von 0 Euro bis zur vollen Sparrate von 40 Euro pro Monat. Doch selbst wenn der Arbeitgeber nichts dazugibt, kann ein VL-Vertrag sinnvoll sein, um an die staatliche Förderung zu kommen. Dann muss man den Chef bitten, den Sparbeitrag aus dem Nettolohn  zu überweisen.

Arbeitnehmersparzulage:
Wie hoch die Förderung ist und ob sie gezahlt wird, hängt vom Einkommen des Sparers und von der gewählten Anlageform ab. "Beim Bausparen beträgt die Arbeitnehmersparzulage 9 Prozent auf maximal 470 Euro pro Jahr, also 43 Euro", erklärt Jürgen Mohrdieck, Regionaldirektor in der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. Die gleichen Förderbedingungen gelten, wenn die vermögenswirksamen Leistungen in die Tilgung eines Baudarlehens für ein selbstgenutztes Haus fließen. "Beim Aktienfondssparen beträgt die staatliche Förderung sogar 20 Prozent auf bis zu 400 Euro, also 80 Euro", so Mohrdieck.
 
Wohnungsbauprämie:
Bausparer können zusätzlich noch 45 Euro Wohnungsbauprämie  bekommen - 8,8 Prozent von maximal 512 Euro jährlich. Es muss sich jedoch um einen Sparbeitrag handeln, den der Sparer zusätzlich einzahlt, weil Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie nicht auf dieselben Einzahlungen gewährt werden. Wichtigste Voraussetzung für die Wohnungsbauprämie:  Das Geld muss - bei ab 2009 abgeschlossenen Verträgen - zu Wohnzwecken, etwa den Bau oder den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie, genutzt werden. Eine Ausnahme gilt nur für Sparer, die ihren Vertrag vor ihrem 25. Geburtstag geschlossen haben.
Wer sowohl einen Fondssparplan als auch einen Bausparvertrag abschließt, kann auf diesem Weg pro Jahr 168 Euro vom Staat kassieren, wenn insgesamt 1382 Euro in seine Verträge fließen. Bei Ehepaaren ist es doppelt so viel.

Anlageformen:
Für das vermögenswirksame Sparen gibt es sechs Modelle. Aber nicht jedes ist für jeden Sparer sinnvoll.
Bausparverträge sind für junge Leute geeignet, für Sparer, die später bauen oder modernisieren wollen, und für Anleger, die Anspruch auf die staatliche Förderung haben. Da die Zinsen und damit auch das vorhandene Vermögen zum Ende der Laufzeit feststehen, ist der Bausparvertrag bei sicherheitsorientierten Anlegern beliebt. Um das Maximale herauszuholen, ist es wichtig, den passenden Vertrag zu finden. Wer später bauen will, braucht ein Angebot mit einem niedrigen Darlehenszins. Für die reine Geldanlage sind renditeorientierte Verträge mit hoher Guthabenverzinsung besser.

Fondssparen:
Beim Fondssparen fließen die vermögenswirksamen Leistungen in Investmentfonds. Das bietet die Chance auf höhere Renditen, birgt aber auch ein höheres Verlustrisiko. Wer auf Sicherheit bedacht ist, sollte die Finger davon lassen.
 Wer baut und einen Kredit abzuzahlen hat, ist mit der Tilgung eines Baudarlehens am besten bedient. Da die Einzahlungen in die Tilgung fließen, werden kräftig Kreditzinsen gespart. Und die Arbeitnehmersparzulage gibt es obendrauf.

Banksparplan:
Der Banksparplan ist für den sicherheitsorientierten Anleger gut geeignet, der aufgrund seines Einkommens keine staatliche Förderung bekommt, sich aber den Zuschuss seines Arbeitgebers sichern will. Die Renditeaussichten können gut sein, stehen aber nicht immer bei Vertragsabschluss fest. Geringe Kosten bei höchstmöglicher Sicherheit. Es gibt keine Förderung.

Betriebliche Altersvorsorge:
Das Geld kann auch in eine betriebliche Altersvorsorge fließen. Die Arbeitnehmersparzulage gibt es nicht, dafür werden keine Steuern und Sozialabgaben fällig, wie sie auf die VL zu zahlen sind. Der Sparer kommt aber erst im Alter wieder an sein Geld heran.

Lebensversicherung:
Theoretisch können die VL auch in eine Lebensversicherung fließen. Allerdings bindet man sich sehr lange, macht bei einem vorzeitigen Ausstieg Verluste und bekommt keine staatliche Förderung. Verbraucherschützer raten ab.
Der VL-Start: In das VL-Sparen einzusteigen, ist einfach: Passenden Vertrag finden, abschließen und eine Kopie davon beim Arbeitgeber abgeben. Der zahlt das Geld dann monatlich direkt ein. Der Sparer muss daran denken, regelmäßig die Arbeitnehmersparzulage und die Wohnungsbauprämie zu beantragen.

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