Das Versprechen steht schon lange aus:

Wann wird das Telefonieren im Urlaub endlich billiger?

Roaming-Gebühren machen das Telefonieren im Ausland teuer. Dabei hat die Europäische Kommission die Abschaffung längst angekündigt. Jetzt macht auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt Druck. Hintergründe zu dieser Forderung gibt es von Rasmus Buchsteiner.

Wer an der polnischen Ostsee Urlaub macht, fährt zwar nicht besonders weit, muss aber trotzdem höhere Telefongebühren zahlen.
Daniel Naupold Wer an der polnischen Ostsee Urlaub macht, fährt zwar nicht besonders weit, muss aber trotzdem höhere Telefongebühren zahlen.

Hat die EU-Kommission die Gebühren-Abschaffung nicht schon oft versprochen?

Ja, bereits mehrfach. Im gemeinsamen Binnenmarkt hätten künstliche Gebührengrenzen einfach keinen Platz mehr, hatte Andrus Ansip,
Vizepräsident der Europäischen Kommission, erst Ende vergangenen Jahres bekräftigt: „Sie sind ein Störfaktor und eine Anomalie – und offen gesagt: Sie schädigen den Ruf der Telekomfirmen bei ihren Kunden.“ Ein entsprechender Richtlinienentwurf, der nach dem Willen des Europäischen Parlaments eigentlich bis spätestens Ende 2015 in Kraft treten sollte, liegt allerdings auf Eis.

Wie reagiert die Telekommunikationsbranche auf die Debatte?

Die Unternehmen warnen vor Missbrauch und Wettbewerbsverzerrung. „Kunden könnten nach Abschaffung der Roaming-Gebühren mit der Mobilfunkkarte eines ausländischen Netzbetreibers, der wenig in seine Netze investiert, überall in Europa günstig telefonieren“, erklärte Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom. „Den deutschen Netzbetreibern, die Milliarden in den Netzausbau stecken, würden indes die Erlöse wegbrechen.“ Preise für Inlandstelefonate und mobile Internetnutzung würden daher „zum Nachteil aller zwangsläufig steigen“.

Warum zieht sich die Entscheidung in Brüssel so lange hin?

Verbraucherschützer sprechen davon, dass die mächtige Lobby der Telekommunikationskonzerne mit ihren Bedenken auf Gehör gestoßen ist. Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig hatte Ende 2014 erklärt, Wettbewerbsverzerrungen müssten vermieden werden. Im Jahr 2015 gehe es nun darum, zu einer gemeinsamen Position der Mitgliedsstaaten zu kommen. Auf eine besonders rasche Entscheidung deutet dies nicht hin.

Verbraucherschützer fordern auch eine Deckelung der Großhandelspreise – also jener Gebühren, die sich die Mobilfunkkonzerne gegenseitig in Rechnung stellen. „Für die kleineren Netzanbieter wird es sonst schwierig, auf die Roaming-Gebühren zu verzichten“, so Ilja Braun, Mobilfunk-Experte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Welche Preis-Obergrenzen gelten aktuell in Europa?

Die Gebühren für „Roaming“-Telefonate innerhalb der Mitgliedsstaaten der EU dürfen seit Juli 2014 nur noch 19 Cent statt 24 Cent je Minute plus Mehrwertsteuer kosten. Das Versenden einer SMS für deutsche Kunden darf höchstens noch 7,1 statt 9,5 Cent betragen. Bei der mobilen Internetnutzung im Ausland sank der Preis von 53,5 Cent auf 23,8 Cent pro Megabyte.

Welche sonstigen Vorgaben gibt es fürs Roaming?

Bereits seit 2010 gilt eine „Kostenbremse“ für die Datennutzung im EU-Ausland. Bei Erreichen eines Betrages von 59,50 Euro muss die Übertragung erst einmal gestoppt werden. Bei 80 Prozent des Limits muss der Kunde einen Warnhinweis erhalten.