Oh, du fröhliche Investition:

Weihnachtsgeld klug anlegen

Jeder freut sich, wenn es Weihnachtsgeld gibt. Viele geben es für Geschenke aus. Die lohnendere Strategie kann allerdings sein, es auf die hohe Kante zu legen. Dann macht es im besten Fall noch Freude, wenn Weihnachten schon längst wieder vergessen ist.

Knapp jeder zweite Beschäftigte in Deutschland bekommt Weihnachtsgeld - im Osten wesentlich weniger. Dabei ist der Zuschuss einer Umfrage zufolge für viele existenznotwendig.
Karl-Josef Hildenbrand Knapp jeder zweite Beschäftigte in Deutschland bekommt Weihnachtsgeld - im Osten wesentlich weniger. Dabei ist der Zuschuss einer Umfrage zufolge für viele existenznotwendig.

Bei den meisten ist das Weihnachtsgeld ausgegeben, kaum ist es auf dem Konto. Zum Anlegen ist vielen die Summe vielleicht nicht hoch genug. Die Sonderzahlung richtet sich meist nach dem Monatseinkommen – in manchen Branchen gibt es nicht einmal die Hälfte eines Monatslohns, in anderen die vollen 100 Prozent. Das hat eine Online-Umfrage der Internetseite lohnspiegel.de aus dem vergangenen Jahr ergeben, die von der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Auch solche Beträge lassen sich gewinnbringend einsetzen.

Jede Anlage erfordert aber einige Entscheidungen, die von ganz unterschiedlichen Zielen und Wünschen abhängen: Soll es eine sichere oder flexible Anlage sein? Spart man für seine eigene Rente oder die Ausbildung der Kinder? Oder gibt es womöglich Schulden, die man damit begleichen kann? „Jeder sollte sich darüber Gedanken machen, ob Überziehungskredite oder Ratenkredite vorhanden sind, die er mit dem Weihnachtsgeld ausgleichen oder teilweise tilgen kann“, sagt Thomas Hentschel, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Schließlich haben diese Kredite meist hohe Zinsen. Das Weihnachtsgeld kann helfen, die Laufzeit zu verkürzen.

Zuerst Kredite abzahlen

Wer permanent am finanziellen Limit lebt, sollte das Weihnachtsgeld aber nicht nur zum Schuldenabbau nutzen. In diesem Fall legen Verbraucher ein Teil des Geldes besser zurück, rät Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. Sind sie dann knapp bei Kasse, können sie leichter auf das Ersparte zurückgreifen, als um eine Kreditaufstockung zu bitten. Seine Faustregel lautet: „Je knapper ich bin, desto flexibler muss das Geld verfügbar sein.“Auch wer akut keine finanziellen Engpässe hat, sollte seine Reserven überprüfen. Laut Hentschel wäre es eine Überlegung wert, drei bis fünf Monatsnetto-Einkommen als Sicherheitsreserve liquide auf ein Tagesgeldkonto anzulegen. Je nach Konto gibt es derzeit Zinsen zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Wer möchte, kann sein Geld natürlich auch langfristig anlegen.

Zinsen können nur langfristig punkten

Allerdings sind die Anlagezinsen für langfristige Geldanlagen aktuell nicht üppig. Wer sein Geld zehn Jahre lang nicht braucht, bekommt etwa mit Sparbriefen zwischen 1,75 und 3,15 Prozent Zinsen. „Das ist nicht viel“, gibt Hentschel zu bedenken. Bei fünf Jahren liegt der Zins zwischen 1,0 und 2,65 Prozent und das bei einer Inflationsrate von 1,8 Prozent und teilweise hohen Mindestanlagebeträgen. „Die Zeiten sind schwierig, obwohl die Wirtschaft boomt.“ Bundeswertpapiere sind momentan keine gute Alternative. „In der Vergangenheit riet man noch zu festverzinslichen Wertpapieren der Bundesrepublik“, sagt Hentschel. Allerdings liegt der Zinssatz dort derzeit unter dem eines Tagesgeldkontos. Gewinnträchtig, aber auch risikoreicher sind Investmentfonds.

„Allerdings sollte für eine solche Anlage der Anlagehorizont entsprechend lang sein – zehn Jahre und mehr“, sagt Hentschel. Ebenso müssen Anleger die Entwicklung stets im Blick behalten, um den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf zu erwischen. Wer sein Weihnachtsgeld clever angelegt hat, ist dann im Jahr darauf schon einen Schritt weiter, wenn erneut Weihnachten vor der Tür steht: Wenn alles läuft wie erhofft, lässt sich vielleicht schon allein von der Rendite das ein oder andere Geschenk kaufen.

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