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Chronische Schmerzen sind kein Schicksal

Starke Schmerzen überall, ohne erkennbare Ursache, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Betroffene müssen sich damit aber nicht abfinden.

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Martin Schutt Wer von chronischen Schmerzen betroffen ist, wandert auf der Suche nach Hilfe häufig von Arzt zu Arzt.

Schmerzen hat jeder mal. Bei den meisten vergehen sie wieder - etwa weil das Fieber bei einer Grippe abgeklungen oder der Beinbruch verheilt ist. Bei manchen aber bleiben sie, obwohl der Auslöser längst verschwunden ist oder keine Rolle mehr spielt. Dann sprechen Experten von der Chronischen Schmerzkrankheit. Die Betroffenen wandern auf der Suche nach Hilfe häufig von Arzt zu Arzt, während ihre Beschwerden immer schlimmer werden. Oft dauert es Jahre, bis sie die richtige Behandlung aus verschiedenen Therapiebausteinen bekommen.

Eine Erkrankung, die die Lebensqualität limitiert

Der Neurologe Michael Überall aus Nürnberg spricht deshalb vom Schmerz als „perfidem Lebenspartner“, der sich in alle Bereiche einmischt: die Psyche kann darunter leiden, der Job, die Beziehung. „Es ist eine Erkrankung, die die Lebensqualität limitiert“, sagt der Präsident der Deutschen Schmerzliga.

Grund für die anhaltenden Beschwerden sind Lernprozesse in den Nervenzellen: Am Anfang mag ein akuter Schmerz gestanden haben, etwa durch einen Knochenbruch oder einen Stein im Gallengang. Doch weil bei den Betroffenen die Schmerzkontrollsysteme gestört beziehungsweise verändert sind, signalisieren die Nervenzellen einfach weiter, dass es irgendwo wehtut - obwohl es rein körperlich gesehen dafür keinen Grund (mehr) gibt. Dabei spielen auch psychische und soziale Komponenten eine Rolle und tragen zu einer Abwärtsspirale bei.

Betroffene fühlen sich hilflos

Chronisch Schmerzkranke sind beileibe keine Hypochonder, obwohl ihnen das oft vorgeworfen wird. „Die Patienten wollen nicht krank sein, sie wollen keine Schmerzen haben, sie wollen wieder gesund werden“, erläutert der Mediziner und Psychologe Prof. Thomas Tölle von der Technischen Universität München.

Oft fühlten sich die Betroffenen aber hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie ihren Zustand ändern können. Und hoffnungslos, weil sie fürchten, dass ihr Zustand langfristig so bleiben wird. Aber je später sie mit ihren Beschwerden in die richtigen Hände gelangen, desto schwieriger werde die Behandlung, sagt Tölle, der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft ist.

Ausführliche Gespräche beim Arzt

Aber: Chronischer Schmerz ist kein Schicksal. Denn wenn die Betroffenen endlich die passende Therapie bekommen, "merken sie, es geht doch noch was“, sagt Tölle. Diese positive Erfahrung sei ein elementarer Schritt auf dem Weg zur Besserung, auch wenn komplette Schmerzfreiheit meist eine Illusion sei.

Damit Schmerzen aber gar nicht erst chronisch werden, sollten Patienten, darauf bestehen, vom Arzt gründlich ausgefragt und untersucht zu werden. Röntgenbilder oder Kernspintomographien sind für eine effiziente Diagnose meist nicht erforderlich - Zeit für ein ausführliches Gespräch ist viel wichtiger.

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