Arzneimittel-Bilanz:

Der Nutzen teurer Medikamente

Pharmakonzerne machen mit neuen Arzneimitteln gegen Krebs und andere schwere Krankheiten enorme Umsätze. Doch der Nutzen für die Patienten ist oft zweifelhaft. Basil Wegener fasst die Fakten zusammen.

Ärzte wünschen sich neue Medikamente gegen Arthrose, Bluthochdruck und Diabetes. Doch hier gibt es kaum neue Mittel.
Frank May Ärzte wünschen sich neue Medikamente gegen Arthrose, Bluthochdruck und Diabetes. Doch hier gibt es kaum neue Mittel.

Wie fällt die Bilanz bei neuen Arzneimitteln aus?

Gemischt. Laut dem neuen Innovationsreport im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) kann von 23 neuen Mitteln des Jahres 2013 nur eines durchweg überzeugen. Es handelt sich um Pertuzumab gegen Brustkrebs. Neun Mittel erhalten eine mittlere Bewertung, 13 eine negative.

Was für neue Mittel bringt die Industrie auf den Markt?

Vor allem Krebsmedikamente. „Sie sind extrem lukrativ“, erklärt der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig. Therapiekosten von mehreren Zehntausend Euro pro Jahr sind die Regel. Der Aufwand ist aber vergleichsweise gering. Die nötigen Studien umfassen oft weniger als 1000 Patienten – im Vergleich zu 20 000 Patienten bei Mitteln gegen bestimmte Volkskrankheiten. Auch Mittel gegen HIV und Aids oder Multiple Sklerose finden sich unter den Neuerungen.

Was bringen die neuen Mittel?

Bei den Krebsmedikamenten gehe es in der Regel darum, das Leben von Schwerkranken um Wochen oder Monate zu verlängern, so Ludwig. Der Pharmaverband VFA betont: Neue Mittel sind für manche Patienten oft sinnvoller Teil einer Kombinationstherapie – oder ein Reservemittel, wenn die erste Therapie ihre Wirksamkeit verloren hat. Klar ist: Es geht in aller Regel dagegen nicht um neue Heilungschancen. Auch bei anderen Mitteln zählt, ob sie verträglicher sind, weniger Nebenwirkungen haben oder es Patienten damit ein wenig besser geht.

Welche Kosten bringen die neuen Mittel mit sich?

Für die Hersteller bringen neue Mittel – wenn es für sie gut läuft – oft hohe Umsätze von rund einer Million Euro pro Monat. Der Preis für neue Mittel pro Packung ist laut TK-Report von 670 Euro im Jahr 2012 auf 1400 Euro im Jahr 2013 in die Höhe geschnellt.