Wenn die Angst vor Spinnen das Leben zur Hölle macht:

Die Angst vor Gliederfüßlern ist oft im Kindesalter erlernt

Gerade im Herbst, wenn es draußen nasskalt wird, kriechen die Achtbeiner durch alle Ritzen und Schlitze ins Haus. Eine Tortur für Menschen, die Angst vor Spinnen haben. Doch verschiedene Therapieformen ermöglichen eine Heilung.

Neubrandenburg. Jetzt im Herbst sind sie überall, im Garten, im Keller und vielleicht sogar schon in der guten Stube: die Spinnen. Das ist die Hölle für Menschen, die Angst vor Spinnen haben. Arachnophobikern, wie Menschen mit dieser Furcht genannt werden, ist es nämlich unmöglich, die Achtbeiner wieder an die frische Luft zu setzen. Vielmehr stellen sich Panikattacken ein, Schweißausbrüche, Übelkeit, Schwindelgefühle, und Herzrasen. Da helfen auch keine gutgemeinten Ratschläge. Eine Spinnenphobie ist nämlich irrational, wissen Psychologen. Die Betroffenen verbarrikadieren sich zu Hause hinter Fliegengittern und zucken zusammen, sobald ein kleiner Schatten an der Zimmerdecke krabbelt. Die Lebensqualität leidet.

Dabei gibt es rational betrachtet, überhaupt keinen Grund gibt, sich vor Spinnen zu fürchten. Hierzulande kommen nämlich keine gefährliche Spezies vor. Diejenigen Tiere, die wir im Haus antreffen oder auch beim Waldspaziergang – Kreuzspinnen etwa, Winkelspinnen oder Zitterspinnen – können die menschliche Haut überhaupt nicht durchdringen.

Woher kommt die Furcht?

Wissenschaftler haben lange gerätselt, ob die Spinnenangst vielleicht schon in unseren Genen angelegt ist oder ob manche Menschen sich ängstigen, weil die Achtbeiner so andersartig sind und über keinerlei Mimik verfügen, die uns ihre Absichten kundtun könnte. So unterschiedlich die einzelnen Erklärungsmodelle auch sind, so haben sich gerade bei der Arachnophobie einige ganz konkrete Therapiemöglichkeiten gut bewährt. Verhaltensforscher sind nämlich der Überzeugung, dass die Spinnenangst erlernt wird, meist schon im Kindesalter. Wenn kleine Kinder beobachten, wie Opa sich vor den flinken Achtbeinern ängstigt, dann übernehmen sie dieses Verhalten.

Interessanterweise kann dieses erlernte Verhalten unter Anleitung eines Psychologen auch wieder verlernt werden. Gerade bei der Arachnophobie hat sich folgende Therapieform gut bewährt. Nach einführenden Gesprächen erlernt der Arachnophobiker in einem ersten Schritt professionelle Möglichkeiten seiner Angst zu begegnen und sie zu bewältigen, wie etwa spezielle Entspannungstechniken. Später setzt das ein, was Psychologen „systematische Desensiblisierung“ nennen, also eine Art Konfrontationstraining. Schritt für Schritt wird der Phobiker mit den angstmachenen Objekten, hier also den Spinnen, unter Anleitung des Psychologen konfrontiert. Zuerst sind es meist nur Bilder von Spinnen, später schaut man sich bei einem Zoobesuch schon einmal lebende Spinnen an, bis am Schluss der Therapie vielleicht sogar eine Berührung der Tiere stehen kann. Logischerweise dauert so eine Therapie auch ihre Zeit.

Schneller funktioniert eine andere Therapieform: das sogenannte Flooding, die Reizüberflutung. Der Arachnophobiker wird dabei mit den angstmachenden Reizen geradezu überflutet. Er wird also nicht langsam und schrittweise an die Spinnen gewöhnt wie beim „systematischen Desensibilisieren“, sondern ganz im Gegenteil schnell und mannigfaltig – der Therapieerfolg gibt auch dieser Methode Recht. Gesprächstherapien können ebenfalls Erfolge vorweisen und werden oft mit anderen Therapieformen kombiniert. Letztlich hilft aber nur der Gang zum Fachmann, der entscheiden kann, welche Therapieform die beste ist.

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