Jugendschützer warnen:

Händler von Legal Highs fördern Drogenkonsum

Im Internet werden sogenannte Legal Highs als harmlose Substanzen zur Lebensbereicherung angeboten. Vor allem junge Leute greifen zu. Jugendschützer schlagen Alarm - Fälle in Vorpommern haben die fatale Wirkung des Konsums gezeigt.

Legal Highs sehen aus wie eine harmlose Kräutermischung, beeinflussen aber die Psyche.
Fredrik von Erichsen Legal Highs sehen aus wie eine harmlose Kräutermischung, beeinflussen aber die Psyche.

Ein Klick im Internet, ein Rausch - und manchmal ein Todesfall. Sogenannte Legal Highs werden als vermeintlich harmlose Kräutermischung oder als Badesalz vor allem online unters Volk gebracht. Tatsächlich können sie aber zu Kreislaufversagen, Psychosen oder gar zum Tod führen. So starb eine 20-Jährige Anfang Mai im Raum Trier nach dem Konsum einer Kräutermischung. Auch in Ueckermünde gab es einen tragischen Todesfall, der im Zusammenhang mit der Droge stehen soll. Zuletzt hatten sich in Vorpommern die Fälle von gesundheitlichen Problemen nach Spice-Konsum gehäuft.

Legal Highs sind laut Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz vor allem bei jungen Menschen beliebt. Die Mischungen in bunten Tütchen mit Namen wie „Crazy Monkees“, „Couch Trip“ oder „Beach Party“ sind längst im Fokus von Jugendschützern.

Kauf ist für Zielgruppe sehr einfach

Experten der bundesweit aktiven Mainzer Internetplattform „jugendschutz.net“ kritisieren am Montag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts, dass Händler Legal Highs als Lebensbereicherung und Stressbewältigung darstellten. Zudem machten sie es ihrer jungen Zielgruppe sehr einfach, die Produkte zu kaufen. Bei allen bei einer Stichprobe überprüften 62 Internetshops sei eine Bestellung ohne Alterskontrolle möglich gewesen.

Oft schreiben die Händler demnach, die Mischungen seien nur Raumdüfte und nicht zum Essen oder Rauchen geeignet - ein Vorgehen, dass von „jugendschutz.net“ als reine Verschleierung eingestuft wird. Viele Anbieter priesen ihre Kräutermischungen ausdrücklich als „legal“ an.

Vergiftungserscheinungen möglich

Das Universitätsklinikum Freiburg kam „jugendschutz.net“ zufolge bei einer Analyse zwischen April 2015 und März 2016 zu ganz anderen Ergebnissen: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der 471 untersuchten Produkte fielen unter das Betäubungsmittelgesetz. 73 Prozent der Mischungen hätten starke psychoaktive Substanzen enthalten, von denen bekannt sei, dass sie zu gefährlichen Vergiftungen führten können.

In den meisten Fällen ist bei Legal Highs unklar, welche Stoffe in ihnen stecken. „Fast jede Woche kommt eine neue Substanz mit leichten molekularen Änderungen auf den Markt“, heißt es aus dem Büro der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU). Die Wirkungen seien ähnlich wie die von Cannabis oder Amphetaminen, allerdings oft viel stärker und nicht einschätzbar.

Gesetzentwurf soll Abhilfe schaffen

Die vielfältigen Wirkstoffvarianten werden auch als gesetzliches Schlupfloch genutzt. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden erklärt, Legal Highs würden so designt, dass sich ihre konkrete Zusammensetzung immer gerade so dem Gesetz entziehe. Ein Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett am 4. Mai beschlossen hat, soll Abhilfe schaffen. Künftig sollen nicht mehr einzelne Stoffe, sondern chemische Stoffgruppen verboten werden.

Legal Highs gehören zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS). Damit seien Substanzen gemeint, die chemisch so verändert wurden, dass sie nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, erklärt die BKA-Sprecherin. Die Wirkung auf die Psyche bleibe trotz der Veränderung bestehen, werde mitunter sogar verstärkt. Im vergangenen Jahr starben nach BKA-Daten bundesweit 39 Menschen wegen des Konsums solcher Stoffe. Für das Jahr davor sind 25 Todesfälle erfasst. Die Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

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