Forschern gelingt Sensation:

Heilung von HIV scheint möglich

An einzelnen Zellen funktioniert die Therapie der deutschen Forscher gegen den Aids-Erreger schon ganz gut. Jetzt fehlt noch der letzte Test. Doch auf den kommt es an.

37 Millionen Menschen weltweit sind mit dem HI-Virus infiziert.
Oliver Berg 37 Millionen Menschen weltweit sind mit dem HI-Virus infiziert.

Deutsche Forscher haben einen neuen Ansatz gegen den Aids-Erreger HIV erfolgreich im Labor getestet. Die Wissenschaftler entwickelten eine Genschere, mit der sie das Erbgut der Viren aus infizierten Zellen herausschneiden. Dies könnte die HIV-Therapie möglicherweise in einigen Jahren bereichern. Allerdings birgt ein Erbguteingriff beim Menschen oft große Gefahren. Über die Arbeit berichtet das Team um Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut und Frank Buchholz von der Technischen Uni Dresden im Fachblatt „Nature Biotechnology“.

Weltweit sind 37 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, das sein Erbgut in die DNA der Wirtszellen einschleust. Mit Medikamenten können Mediziner die Erreger zwar an der Vermehrung hindern und die Viruslast im Blut bis unter die Nachweisgrenze senken, aber heilen lässt sich die Infektion bislang nicht. Dies liegt daran, dass inaktive Viren sich in sogenannte Reservoirs zurückziehen. Stoppt die Therapie, so können die Erreger wieder aktiv werden und sich vermehren. Daher konzentrieren sich viele Behandlungsansätze darauf, das im Erbgut von Zellen verborgene Provirus auch in den Reservoirs zu erreichen.

Das Team entwickelte dazu das Enzym Brec1 (broad-range recombinase 1), das die Viren-DNA im Erbgut infizierter Zellen erkennt und präzise herausschneidet. Diese Basenfolge sei in Laborproben bei 82 Prozent des häufigsten HIV-Subtyps 1 vorhanden, schreiben die Forscher. Damit komme der Ansatz grundsätzlich für mehr als 28 Millionen Patienten infrage. Nun streben die Forscher eine erste Studie an Menschen in Hamburg an, die an wenigen HIV-Patienten die Sicherheit des Ansatzes prüfen soll.

Das neue iPad Pro mit Nordkurier digital: Hier geht's zum Angebot!