Die Besonderheiten der Hutträger:

Hiesige Pilze kaum erforscht

Der Pilz Judasohr hilft bei Verdauungsbeschwerden und der Schopftintling senkt den Blutzuckerspiegel. Viele Menschen schwören auf die gesundheitsfördernden Wirkungen von Pilzen. Doch gibt es die wirklich?

Neubrandenburg. Mit einem Jucken im Hals kündigt sich die Zeit der Erkältungen an. Aber statt auf Pfefferminztee schwören einige Leute auch auf den Pilz Schmetterlingstramete, der an Rotbuchen in den hiesigen Wäldern wächst. Die Schmetterlingstramete ist aber nur ein Beispiel für eine Vielzahl an Pilzen, denen gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt werden.

Der Glaube, dass bestimmte Pilzarten für medizinische Zwecke genutzt werden können, ist Jahrtausende alt. In Europa verschwand in den vergangenen Jahrhunderten das Wissen über die „Vitalpilze“. Stattdessen wurden sie in „Speisepilze“ und „Giftpilze“ eingeteilt und damit war das Thema erledigt, weiß Professorin Dr. Ulrike Lindequist vom Institut für Pharmazie der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald.

Ganz anders ist die Situation in Asien: Vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin wurde das Wissen gepflegt und schwappte in den vergangenen Jahren wieder nach Europa herüber. „Seitdem die asiatischen Heilkünste in der westlichen Welt modern sind, verdienen auch in Deutschland Leute ihr Geld mit dem Verkauf von „Vitalpilzen“, denen eine heilende Wirkung zugeschrieben wird“, berichtet die Pilzsachverständige des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte Petra Bonin. Heimische Pilze wie der Schopftintling werden als Wundermittel bei Diabetes angepriesen, der Waldchampignon soll das Immunsystem stimulieren und der Igelstachelbart unterstütze den Verdauungstrakt. Wissenschaftliche Studien über diese heilenden Wirkungen von europäischen Pilzen gibt es aber nur sehr wenige, erklärt Lindequist. Zudem sind in Deutschland keine höheren Pilze – die, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind – als Arzneimittel zugelassen. Es gibt sie nur als Nahrungsergänzungsmittel. „Dabei ist das ziemlich erstaunlich“, wundert sich die Professorin, „denn die Wirkstoffe der niederen Pilze – die, die nicht mit dem bloßen Auge sichtbar sind – sind aus der modernen Medizin gar nicht wegzudenken.“ Man denke nur an Penicillin.

Bei chinesischen Pilzen sieht die Sache besser aus. So konnten japanische Forscher nachweisen, dass der Speisepilz Shiitake – der wildwachsend nur in Asien vorkommt – das Immunsystem verstärkt und die Überlebenszeit von Tumorpatienten verlängern kann.

Petra Bonin ist bei der gesundheitsfördernden Wirkung von Pilze zwiegespalten: „Es gibt Leute, bei denen funktioniert es gut. Bei anderen schlagen die Pilze gar nicht an oder erst nach monatelanger Einnahme.“ Bei ernsthaften Beschwerden sollte man auf die Schulmedizin zurückgreifen, sagt Bonin. Aber für einen kulinarischen Genuss sind Speisepilze immer eine gute Wahl.

Wer mehr über Pilze wissen möchte – welche essbar sind, welche nicht – kann dies bei der Pilzausstellung im Rahmen des Herbstfestes der Hintersten Mühle am Sonntag, den 29. September 2013 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr in Neubrandenburg erfahren.

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