Erste Hilfe am Strand:

Im Notfall hilft Rasierschaum

Kontakte mit giftigen Meerestieren können schmerzhaft sein. Die Beschwerden lassen sich gut mit Mitteln aus dem Kosmetiktäschchen lindern.

Feuerquallen sind nicht lebensgefährlich, verursachen aber Reizungen.
Bernd Wüstneck Feuerquallen sind nicht lebensgefährlich, verursachen aber Reizungen.

Auf den Rettungsposten entlang der französischen Mittelmeerküste gehört handelsüblicher Rasierschaum mittlerweile zur Standardausrüstung. Der Kosmetikartikel weicht nämlich nicht nur eisenharte Barthaare auf, sondern ist auch ein effektives Erste-Hilfe-Mittel nach einem schmerzhaften Kontakt mit giftigen Feuerquallen. „Mit dem Schaum lassen sich die Nesselkapseln inaktivieren“, erklärt Mediziner Andre Schaper vom Giftinformationszentrum-Nord.

Zum Fall für den Notarzt werden die unangenehmen Begegnungen mit Feuerquallen und dem giftigen Petermännchen meistens nicht. „Die Gifte sind nicht lebensbedrohlich, lösen aber eine akute Entzündungsreaktion aus“, erklärt der Toxikologe Helmut Hentschel vom Gemeinsamen Giftinformationszentrum in Erfurt (GGIZ). Es treten starke Schmerzen, Schwellungen und Rötungen auf. Die Beschwerden können aber mit einfachen Sofortmaßnahmen wie der Rasierschaum-Methode vor Ort gelindert werden.

Ist der Schaum auf der Haut getrocknet, kann er problemlos mit einer Kreditkarte entfernt werden und die Nesselkapseln gleich mit. Wer die Bekanntschaft mit einer Feuerqualle gemacht hat, kann die betroffenen Körperstellen auch mit Speiseessig benetzen. „Das ist meistens in den Restaurants am Strand verfügbar“, weiß 
Mediziner Schaper.

Nesselkapseln besser nicht abwischen

Kühle Umschläge können ebenfalls helfen. Im Notfall tut’s auch ein alkoholhaltiges Deospray oder Parfüm. „Alkohol hat eine kühlende Wirkung“, erklärt Toxikologe Hentschel. Von der Benutzung eiskalter Gelkompressen rät er ab – „das kann zu Erfrierungen führen.“ Unter keinen Umständen sollten Betroffene versuchen, die Nesselkapseln abzuwischen. „Dadurch werden sie auf der Haut verteilt und zum Platzen gebracht“, warnt Gift-
Experte Schaper.

Bei der Behandlung von Vergiftungen durch ein Petermännchen hat sich laut Schaper der „Temperatur-Schock“ bewährt. Da sich das Gift des Fisches aus hitzeempfindlichen Eiweißen zusammensetzt, kann es mit Wärme neutralisiert werden. Dazu sollte die Einstichstelle schnellstmöglich, beispielsweise mit einem Fön, für einige Minuten erwärmt werden, ohne dabei eine Verbrennung zu verursachen. Direkt im Anschluss wird die Haut gekühlt. Hartgesottene halten im Notfall auch mit etwa einem Zentimeter Abstand die Glut einer Zigarette vor die Wunde. Umstritten ist auch die Behandlung mit heißem Wasser. „Das kann ernsthafte Verbrühungen geben“, erklärt Schaper.

Notfallnummern  

Giftinformationszentrum-Nord:
0551 / 19240

GGIZ Erfurt (auch für MV zuständig):
0361 / 730730

Giftnotruf Brandenburg:
030 / 19240

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