Studie:

Impfstoffe können mit Creme durch die Haut gelangen

Zur klassischen Pieks könnte es in einigen Jahren womöglich eine weitere Alternative geben, denn Wissenschaftler aus Saarbrücken forschen daran. Nach Einschätzung von Dermatologen ein realistischer Ansatz.

Bald ist es vorbei mit Spritzen oder schmerzenden Armen.Künftig könnte per Creme geimpft werden.
Monique Wüstenhagen Bald ist es vorbei mit Spritzen oder schmerzenden Armen.Künftig könnte per Creme geimpft werden.

Creme statt Spritze: Impfstoffe sollen künftig auch ohne Nadelstich über die Haut in den Körper gelangen. Daran forschen Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig (HZI). Als „Taxi“ dienten biologisch abbaubare Nanopartikel, erklärt Professor Claus-Michael Lehr, Leiter der HIPS-Abteilung „Wirkstoff-Transport“.

Cremes wären günstiger in der Herstellung

Die winzigen Transportvehikel lagern sich nach Angaben der Forscher an den Haarfollikeln ab und setzen dort den Impfstoff in den Körper frei. „Die Haut bleibt intakt“, sagt Lehr. „Im Idealfall könnte zukünftig eine Hautcreme aufgetragen werden und man wäre geimpft.“ Entsprechende Cremes wären deutlich günstiger in der Herstellung und einfacher in der Handhabung – etwa in Entwicklungsländern.

Nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden im Berufsverband der Deutschen Dermatologen, Ralph von Kiedrowski, ist das eine Methode, die durchaus funktionieren könnte. Es gebe bereits andere Impfungen, bei denen der Stoff über die Mundschleimhäute aufgenommen werde, erläutert er.

Vorteile sieht er beispielsweise für Menschen mit Spritzenphobie. Die Nanopartikel dürften allerdings nicht aus einer Substanz bestehen, die im Körper eine unbeabsichtigte Immunantwort auslöse. Auch müsste die Packung so ausgelegt sein, dass nicht zu viel oder zu wenig Impfstoff in den Körper gelange.

Auf die richtige Dosis kommt es an

„Es kommt auf die richtige Dosis an“, sagt auch Rolf Hömke, einer der Sprecher des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller in Berlin. „Dies müsste aber auch bei einer Creme eine lösbare Aufgabe sein.“ Es gebe immer wieder Überlegungen, weitere Impfungen ohne Spritzen zu entwickeln. Eine Creme sei ein realistischer Ansatz, da die Haut ein sehr immunaktives Organ sei.

Die Impfcreme der Helmholtz-Forscher ist bislang nur in der präklinischen Phase untersucht worden, also im Labor und an Tieren. Eine klinische Studie – bei der auch Menschen einbezogen werden – sei wegen mangelnder Sponsoren noch nicht geplant, sagt Lehr. Seinen Worten zufolge hat die herkömmliche Impfung per Injektion verschiedene Nachteile. „Es ist sehr aufwendig und teuer, solche Impfstoffe zu produzieren, und für die Anwendung braucht es geschultes Personal“, erklärt er.

Da mit den Nanopartikeln nicht genügend Impfstoff in den Körper gelangt, um die gewünschte Reaktion des Immunsystems hervorzurufen, haben die Forscher zusätzlich sogenannte Adjuvantien mit den Mini-Transportern durch die Haut geschleust. Diese chemischen Zusatzstoffe verstärken die Immunantwort und werden laut Lehr auch bei herkömmlichen  Impfungen verwendet.

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