Zahl der Influenza-Fälle im Nordosten steigt:

Kliniken ächzen unter Grippewelle

Die Grippeviren breiten sich im Nordosten immer weiter aus. Krankenhäuser kämpfen mit vollen Notaufnahmen, einige geraten aufgrund der vielen Patienten an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Lage in den Kliniken fällt regional aber sehr unterschiedlich aus.

Jens Kalaene Wen die Grippe erwischt hat, der kann nur noch eines tun: Im Bett bleiben und sich auskurieren.

Die Kliniken in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sich auf eine zunehmende Zahl von Grippe-Kranken eingestellt, auch in den eigenen Personal-Reihen. So machen sich die Auswirkungen der akuten Grippewelle im Templiner Sana Krankenhaus durch erhöhte Patientenzugänge deutlich bemerkbar, wie Klinik-Sprecherin Martina Franzen mitteilt. Lebensbedrohliche Fälle seien aber nicht darunter, betont die Sprecherin. Und das Virus macht keinen Unterschied zwischen Patienten und Personal. Laut Franzen ist der Krankenstand unter den Klinik-Mitarbeitern gestiegen. Die Patientenversorgung sei dadurch aber zu keiner Zeit gefährdet, sagt die Krankenhaus-Sprecherin.

Eine ähnliche Situation gibt es in den Krankenhäusern der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG) in Prenzlau, Angermünde und Eberswalde. Auf den Stationen und in der Verwaltung fallen derzeit mehr Kollegen als gewöhnlich aus. „Probleme bestehen deshalb nicht“, sagt der GLG-Sprecher Andreas Gericke.
Die Personalausfälle können laut Gericke vollständig aufgefangen werden.

Engpässe in der medizinischen Versorgung scheinen in der Uckermark im Gegensatz zu anderen Bundesländern derzeit nicht zu drohen. So musste bereits Mitte der Woche der Sprecher der bayerischen Krankenhausgesellschaft, Eduard Fuchshuber, mitteilen: „Die Notaufnahmen sind alle komplett voll.“ Die Grippepatienten würden zu einer ohnehin angespannten Situation in die Notaufnahmen noch hinzukommen. „So extrem wie dieses Jahr habe ich es noch nicht erlebt“, sagte Fuchshuber.

Steigende Zahl von Influenza-Fällen in MV

Zudem werde die Lage in den Notaufnahmen dadurch verschärft, dass viele Patienten statt zum Hausarzt direkt in die Krankenhausambulanz gingen. Auch aus Niedersachsen melden viele Krankenhäuser Land unter. „Es ist ein flächendeckendes Problem, aber besonders stark betroffen sind die Ballungsräume“, erklärte eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft.

Eine immer noch steigende Zahl von Grippeerkrankungen ist in den vergangenen Tagen auch aus Mecklenburg-Vorpommern gemeldet worden. „Wir verzeichnen seit circa zwei Wochen steigende Fallzahlen“, berichtet der Infektionsmediziner Emil Reisinger von der Rostocker Universitätsklinik. „Es ist aber noch nicht dramatisch.“ Das Klinik-Personal sei gut aufgestellt. Reisinger führt das auch auf die jährliche Impfkampagne in der Klinik zurück. „Wir ermuntern unsere Mitarbeiter immer wieder, sich impfen zu lassen“, erklärt er. Die sei auch eine Frage der Verantwortung. „Wir wollen die Viren nicht auf Patienten übertragen“, betont der Mediziner.

Große Belastungen für Mitarbeiter im Pflegebereich

Die Mediziner am Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg haben derzeit laut einer Sprecherin kaum Patienten mit einer meldepflichtigen Influenzaerkrankung zu betreuen. Allerdings habe die Zahl der erkrankten Mitarbeiter in den vergangenen drei Wochen rapide zugenommen. „Ob dies mit der Influenzawelle zusammenhängt oder grippalen Infekten geschuldet ist, lässt sich aber nicht sagen“, sagte die Klinik-Sprecherin. Die Belastung sei vor allem für die Mitarbeiter im
Pflegebereich groß.

Ohne größere Probleme rollt derzeit der öffentliche Nahverkehr in Neubrandenburg. „Alle Linien sind besetzt. Auch in den Stoßzeiten“, teilte eine Sprecherin der Stadtwerke mit. Notfalls stünden aber Ersatzleute mit Busführerschein aus anderen Abteilungen des Unternehmens bereit. Problematischer hatte es dagegen in südlicheren Gefilden wie Koblenz (Rheinland-Pfalz) ausgesehen. Dort waren Mitte der vergangenen Woche so viele Busfahrer ausgefallen, dass auf drei Linien Fahrten gestrichen werden mussten.

Derzeit noch nicht akut ist auch die Situation für die Deutsche Post in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben punktuell Ausfälle zu verzeichnen“, teilt Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt mit. Bisher seien aber keine vermehrten Reklamationen wegen fehlenden Personals aufgefallen. Nordkurier-Leser hatten zuvor berichtet, dass an manchen Tagen der Postbote nicht aufgetaucht war.

Gut aufgestellt fühlt sich auch noch die Polizei. „Es gibt vereinzelt Ausfälle. Aber wir können alle Schichten besetzen“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums mit.

Weiterführende Links

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!