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Neuer Hausarzt oder gleich zum Facharzt?

In Deutschland besteht das Recht auf freie Arztwahl. Beim Wechsel des Mediziners ist jedoch einiges zu beachten.

Manchmal muss ein Arztwechsel sein, zum Beispiel bei einem Umzug.
Bernd Weissbrod Manchmal muss ein Arztwechsel sein, zum Beispiel bei einem Umzug.

Was ist die Aufgabe des Hausarztes?

„Der Hausarzt kann als Facharzt für Allgemeinmedizin zahlreiche Symptome des Körpers im Sinne einer Krankheitsgeschichte einordnen”, erklärt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Er behandelt diese dann selbst oder überweist den Patienten an einen spezialisierten Facharzt.”

Kann man nicht besser gleich zum Facharzt gehen?

Das können Patienten natürlich machen. Aber Vincent Jörres, Sprecher des Deutschen Hausärzteverbandes, gibt ein Beispiel, warum man es aus seiner Sicht nicht tun sollte: Geht ein Patient mit einer Bindehautentzündung zum Augenarzt, mit Gelenkschmerzen zum Orthopäden und mit Problemen beim Wasserlassen zum Urologen, behandeln die Fachärzte häufig nur die Symptome. Wäre der Patient mit seinen Beschwerden zum Hausarzt gegangen, hätte dieser vielleicht erkannt, dass der Patient Morbus Reiter hat – eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der auch Augen und Harnröhre betroffen sind.

Kann man den Hausarzt einfach so wechseln?

Grundsätzlich besteht in Deutschland das Recht auf freie Arztwahl – man kann bis auf einige Ausnahmen jederzeit den Arzt wechseln, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Was sind das für Ausnahmen?

Wer einen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung unterschrieben hat, ist je nach Vertragslaufzeit an seinen Hausarzt gebunden. „Die ganz freie Arztwahl hat man nicht mehr”, sagt Kranich. Der Patient muss sich in aller Regel als erstes beim Hausarzt vorstellen. „Gynäkologen, Kinder-, Zahn- oder Augenärzte sind davon ausgenommen.” In Notfällen oder wenn man in einer anderen Region krank wird, kann man auch direkt zum Facharzt gehen.

Wie findet man einen guten neuen Arzt?

Es kann hilfreich sein, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören. Wer eine Empfehlung bekommt, sollte immer auch fragen, warum er diesen Arzt gut findet, sagt Kranich. Schließlich hat nicht jeder die gleichen Ansprüche. Auch im Internet finden sich Ärzte-Bewertungen auf speziellen Portalen. „Darauf würde ich nie vertrauen”, sagt Kranich und verweist auf erfundene Bewertungen. Er empfiehlt die Arztsuche über die Weiße Liste der Bertelsmann Stiftung, die vor Manipulation besser geschützt sei.

Worauf sollte man beim Hausarztwechsel achten?

Wichtig ist, dass der neue Hausarzt alle notwendigen Informationen bekommt. Dazu sollte er die Inhalte der Patientenakte kennen. Ärzte sind verpflichtet, Patientenakten zehn Jahre lang aufzubewahren. Das Original bekommen weder der Patient noch der neue Arzt. Aber der Patient kann seine Akte in der alten Praxis gegen eine Gebühr kopieren lassen und sie dem neuen Arzt geben.