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Rekordpreise für Arzneien kommen Patienten teuer zu stehen

Der Streit über steigende Arzneimittelpreise wird vor allem zwischen gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Pharmaverbänden ausgetragen. Außen vor sind die Patienten. Dabei sind die unmittelbar betroffen, wie der am Montag vorgestellte „Arzneimittelreport 2016“ zeigt. Ruppert Mayr mit den Fakten.

Es gibt Tabletten, die 700 Euro pro Stück kosten. Das sagt jedoch noch nichts über die Wirkung aus.
Daniel Reinhardt Es gibt Tabletten, die 700 Euro pro Stück kosten. Das sagt jedoch noch nichts über die Wirkung aus.

Bekommen Versicherte die höheren Preise zu spüren?

Arzneimittel gehören zu den „Top 3“ der Kostentreiber im Gesundheitswesen. Die gesamten Ausgaben der GKV haben 2015 erstmals „die Schallmauer von 200 Milliarden Euro überschritten“. Die Ausgaben für Arzneimittel erreichten dabei ein neues Rekordniveau von knapp 37 Milliarden Euro. Sie legten in den vergangenen beiden Jahren um 4,8 Milliarden Euro oder 15 Prozent zu, so der AOK-Bundesverband. Die Steigerungen schlagen sich auf die Zusatzbeiträge der Krankenkassen nieder und damit ausschließlich auf den Geldbeutel der Versicherten.

Sind teure Medikamente immer auch besser?

Für den unmittelbar auf Medikamente angewiesenen Patienten ist es wichtig, dass das viele Geld tatsächlich auch in Präparate gesteckt wird, die für ihn etwas bringen. Das Hepatitis-C-Präparat Sovaldi beispielsweise, das als eines der teuersten Medikamente in den vergangenen Jahren auf den Markt kam, hatte eine auch von den Kassen anerkannt positive Wirkung. Doch einige der Medikamente, bei denen eine Tablette schon mal 700 Euro und eine Standardtherapie 60 000 Euro kosten kann, seien nicht ohne Risiko, sagt der Autor des Reports, Ulrich Schwabe. So seien bei neuen, die Blutgerinnung hemmenden Mitteln 11 000 Fälle von schwerwiegenden Blutungen gemeldet worden, etwa zehn Prozent davon tödlich.

Gibt es Mittel, um hohe Preise zu verhindern?

Ja. 2011 hat die Bundesregierung das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in Kraft gesetzt. Ziel war es, dem Patienten die beste Therapie angedeihen zu lassen bei gleichzeitig günstigen Kosten. Neue Arzneimittel müssen seither einen Zusatznutzen für Patienten haben. Man versprach sich Einsparungen von zwei Milliarden Euro im Jahr. Bisher liegt der Spareffekt bei nur 925 Millionen.

Was unternimmt die Politik gegen Preissteigerungen?

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will mit einem Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz weitere Preisbremsen einziehen. Doch von den Experten der Krankenkassen wird sein Referentenentwurf stark kritisiert.

Was sagt die Pharmaindustrie?

Viel Lärm um nichts. „Die Kosten bleiben unter Kontrolle und sind mit Blick auf den Fortschritt durch Innovationen gerechtfertigt“, heißt es beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller.