Gesund durch die Nacht:

Richtiges Schlafen kann man lernen

Schlafprobleme sind nicht nur anstrengend: Sie können sogar krank machen. Immer mehr Menschen gehen daher inzwischen ins Schlaflabor, um sich durchchecken zu lassen. Auch Schulungen sind gefragt. Was man beim Schlafen falsch machen kann.

Die Oberärztin und Leiterin des Schlaflabors im Klinikum Nürnberg, Dora Triche, demonstriert an einer Mitarbeiterin die Anbringung einer CPAP-Maske zur Behandlung von Schlaf-Apnoe.
Daniel Karmann Die Oberärztin und Leiterin des Schlaflabors im Klinikum Nürnberg, Dora Triche, demonstriert an einer Mitarbeiterin die Anbringung einer CPAP-Maske zur Behandlung von Schlaf-Apnoe.

Besonders gemütlich ist es im Schlaflabor nicht. Neben dem schmalen Bett in dem kargen Raum hängen viele Kabel und medizinische Geräte, eine Kamera und allerlei Instrumente. Doch die 18 Betten im Schlafmedizinischen Zentrum in Nürnberg sind immer belegt, wie Oberärztin Dora Triché sagt.

Die Zahl der Patienten habe in den vergangenen zehn Jahren „sehr deutlich zugenommen“. Das bestätigt Thomas Penzel, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Deutschlandweit gibt es 280 akkreditierte Schlaflabore und schlafmedizinische Zentren. Im Durchschnitt hat jedes Labor 3,5 „polysomnographische Messplätze“ – Betten mit Überwachung. Schlafstörungen hierzulande nähmen zwar nicht zu, aber die Aufmerksamkeit für diese Probleme steige, sagt Penzel. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gehören Schlafstörungen zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden in der Bevölkerung. Umfragen zufolge leide etwa ein Viertel der Erwachsenen daran. Mehr als zehn Prozent der Befragten erlebten ihren Schlaf häufig oder dauerhaft als nicht erholsam.

Atemstillstände während der Nacht

Kurzfristig richtet Schlafentzug keine Schäden an. Er beeinträchtigt aber Funktionen im Gehirn. Konzentration, Denk- und Merkleistung lassen nach. Zu wenig Schlaf beeinträchtigt auch das Lernen. Denn im Schlaf werden Gedächtnisinhalte gespeichert und verfestigt.

Die Ursachen für Schlafprobleme sind vielfältig. Sie reichen von dauerhaftem Stress über große Hitze im Schlafzimmer, zu viel Alkohol oder Nikotin, starkes Übergewicht bis zu körperlichen und psychischen Krankheiten. Die meisten Patienten von Dora Triché leiden unter obstruktiver Schlafapnoe. Sie haben während der Nacht immer wieder Atemstillstände (Apnoen).

Triché deutet auf einem Computerbildschirm auf eine blaue Linie, die die Atmung eines Patienten wiedergibt. „Hier hat der Patient 43 Sekunden lang nicht geatmet“, erklärt Triché. Dieser Mann leidet stark: Er hat fast jede Minute einen Atemaussetzer. Danach wacht er jedes Mal kurz auf, und sein Blutdruck und die Herzfrequenz steigen. „Das ist ein Mordsstress für den Körper“, sagt Triché. Über viele Jahre erhöhe sich dadurch das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

Solche schlafbezogenen Atmungsstörungen hätten erhebliche negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, die Lebenserwartung und das Leistungsvermögen, sagt der Kölner Schlafexperte Alfred Wiater. Die Ursache: Die Muskeln, die den Rachen offen halten, sind in der Nacht weniger aktiv. Der Rachen schließt sich, zu wenig Luft strömt hinein. „Schnarchen ist daher ein sehr häufiges Symptom. Der typische Patient sei männlich und übergewichtig. Aber auch Frauen und Normalgewichtige seien betroffen. Helfen kann eine Maske über der Nase, die Raumluft mit leichtem Überdruck in die Atemwege leitet.

Stress und Reizüberflutung stehen in Verdacht

Viele Menschen fühlen sich auch ohne solche schweren Atmungsstörungen schlapp und unausgeschlafen. Manche Forscher sehen Hinweise, dass Menschen in Industrienationen immer weniger schlafen. Ob es am Stress im Job liegt, an Schichtarbeit oder an der steigenden Reizüberflutung, ist unklar.

„Mehr und mehr wird auf Effizienz und Optimierung unserer Zeit Wert gelegt. Und jetzt ist eben der Schlaf dran“, sagt Penzel von der Berliner Charité. Ein Erwachsener braucht im Schnitt sieben bis acht Stunden Schlaf. Manche brauchen mehr, andere weniger. „Sechs Stunden können reichen, wenn man morgens fit und ausgeruht ist“, sagt Triché. Mit dem Alter nimmt der Bedarf tendenziell ab. Doch gerade ältere Menschen klagen über schlechten oder zu wenig Schlaf. Für sie und auch andere Gruppen wie Schichtarbeiter bietet das Klinikum Nürnberg Kurse an.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung