Rivale oder Bruderherz:

Der beste Abstand bei Kindern

Die Nachkommenschaft soll zusammen spielen und aufeinander aufpassen können. Andererseits: Zwei Wickelkinder auf einmal sind ganz schön anstrengend und sorgen für ziemlichen Schlafmangel. Was ist also der beste Zeitpunkt für ein zweites Baby?

Ein Herz und eine Seele: Eine Garantie, dass das Verhältnis zwischen den Kindern genauso wird, gibt es nicht.Foto:R. Vennenbernd
Rolf Vennenbernd Ein Herz und eine Seele: Eine Garantie, dass das Verhältnis zwischen den Kindern genauso wird, gibt es nicht.Foto:R. Vennenbernd

Karlsruhe. Zwei Wickelkinder, zwei Tragekinder, keine der beiden Töchter schlief durch, und beide verlangten nach Aufmerksamkeit: Henriette Thomas erinnert sich noch gut an die Anstrengungen nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Zwischen den Geburtstagen der Mädchen lagen 22 Monate, heute sind sie zwölf und zehn Jahre alt. „Ich würde es wieder so machen“, sagt die Hebamme. „Denn ich war bei der ersten Geburt bereits 36 Jahre alt und wollte nicht so lange warten mit dem zweiten Kind.“ Außerdem habe sie die Hoffnung gehabt, dass die Kinder später gut miteinander auskommen und spielen würden. „Das ist bei uns glücklicherweise so eingetreten.“

Wann ist der ideale Zeitpunkt für das zweite Kind? Diese Frage stellen sich wohl viele Eltern. Laut Statistischem Bundesamt betrug der Abstand im Jahr 2010 zwischen dem Nachwuchs durchschnittlich zwischen vier und fünf Jahren. Bei 45 Prozent der zweiten Geburten und 36 Prozent der dritten Geburten jedoch lagen zum vorangegangenen Kind weniger als drei Jahre, so wie bei Henriette Thomas vom Deutschen Hebammenverband in Karlsruhe. Sie betont: „Wann es für eine Familie gut ist, ein zweites Kind zu bekommen, ist individuell sehr verschieden. Und nur selten klappt das mit der Planung so genau.“ Die Familie müsse auf die Kräfte und die Gesundheit der Mutter, auf die Möglichkeiten des Umfelds und auch auf die Erstgeborenen achten. Im Allgemeinen würden in der Fachliteratur etwa zwölf bis 18 Monate Mindestabstand von der Geburt eines Kindes bis zum Beginn der nächsten Schwangerschaft empfohlen, sagt Stefan Skonietzki, Landesvorsitzender Berlin des Berufsverbandes der Frauenärzte. So habe der Körper der Frau genug Zeit, sich wieder zu erholen. Laut Skonietzki gibt es Hinweise aus Studien, dass bei zu kurzem Abstand die Frühgeburtenrate erhöht und das Kindsgewicht verringert sein könne.

Doch manche Eltern wollen schnell ein zweites Kind – dann empfiehlt Hebamme Thomas den Müttern, mindestens sechs bis neun Monate zu warten zwischen Geburt und nächster Schwangerschaft. „Dann haben sich die Hormone wieder umgestellt, und das Gewebe ist wieder fester. Nach einem Kaiserschnitt gilt als Faustregel, mindestens ein Jahr zu warten, denn es handelt sich schließlich um eine Operation.“ Aus Sicht von Entwicklungspsychologen sind drei Jahre ein optimaler Abstand zwischen zwei Geschwistern. „Die enge Verbindung des ersten Kindes mit den Eltern lässt in der Regel nach dem dritten Geburtstag nach. Oft tanzen die Kinder dann schon auf eigenen Hochzeiten und können ihre Bedürfnisse für kurze Zeit zurückstellen“, sagt Prof. Hartmut Kasten, Geschwisterforscher von der Universität München.

Es gelte: Je enger der Abstand zwischen zwei Geschwistern, desto größer sei die Chance, dass sie ein Herz und eine Seele werden. Aber auch die Rivalität sei dann oft größer als bei Geschwistern, die vier Jahre und mehr Abstand zwischen sich hätten. „Es kann dann zu Hassimpulsen kommen, so dass man dem anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt.“ Sein Ratschlag an Familien, um der Rivalität Kontra geben zu können: „Es hilft oft, die Väter an Bord zu holen, sie können sich besonders um das Erstgeborene kümmern.“

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