Wenn das Essen zum Problem wird:

Schlankheitswahn und gestörtes Essverhalten

Wenig essen, um abzunehmen. Das hat fast jeder schon mal gemacht. Wenn jedoch die Sorge um das Gewicht eine große Rolle im täglichen Leben spielt, kann das auf eine Essstörung hindeuten. In Deutschland sterben bis zu 100 Menschen pro Jahr daran.

Schlank sein um jeden Preis - auch wenn die Gesundheit darunter leidet.
Jens Kalaene Schlank sein um jeden Preis - auch wenn die Gesundheit darunter leidet.

Welche Essstörungen gibt es?

Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und Binge Eating gelten als die Hauptformen. Menschen mit Magersucht hungern sich dünn, sie sind deutlich untergewichtig. Menschen, die an Bulemie leiden, sieht man es nicht unbedingt an. Sie haben meist ein normales Gewicht. Sie leiden unter unkontrollierbaren Essattacken und versuchen die großen Mengen an Kalorien wieder loszuwerden, indem sie erbrechen, Abführmittel nehmen, übermäßig Sport treiben oder fasten. Auch beim Binge (Schlingen) Eating leiden Erkrankte an regelmäßigen Heißhungerattacken, tun aber nichts, um ihr Gewicht zu verringern. Die Störung ist meist mit Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) verbunden.

Was sind die Ursachen für Essstörungen?

Es gibt viele verschiedene Risikofaktoren. Ein Auslöser scheint das gesellschaftliche Schönheitsideal eines schlanken Körpers zu sein. Auch das Selbstwertgefühl sowie das soziale und familiäre Umfeld spielen eine Rolle.

Haben nur Frauen krankhafte Essstörungen?

Nein, auch Männer und Kinder erkranken daran. Mädchen und Frauen sind aber sehr viel häufiger betroffen. Essstörungen können in jedem Alter auftreten. Durch Magersucht besonders gefährdet sind Jugendliche, vor allem Mädchen, während der Pubertät. Bulimie tritt häufig erst im Alter von 18 bis 20 Jahren auf, die Binge-Eating-Störung meist im frühen Erwachsenenalter oder um die Lebensmitte - sie scheint bei Männern die häufigste Essstörung zu sein.

Wie viele Menschen sind in Deutschland erkrankt?

Die Anzahl der tatsächlich Erkrankten ist nicht bekannt. Nach einer repräsentativen Studie zur Gesundheit von Erwachsenen in Deutschland aus dem Jahr 2013 leiden 1,5 Prozent der Frauen und 0,5 Prozent der Männer im Alter von 18 bis 79 Jahren an einer der drei Hauptformen von Essstörungen. Etwa 1,1 Prozent der Frauen und 0,3 Prozent der Männer sind demnach an Magersucht erkankt, etwa 0,3 Prozent der Frauen und 0,1 Prozent der Männer an Bulimie sowie jeweils 0,1 Prozent an einer Binge-Eating-Störung.

Gibt es eine Zunahme?

Ja. Magersucht, Bulimie und Adipositas haben stark zugenommen. Von 100 000 Mädchen im Alter von 15 bis 24 Jahren erkrankten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums früher 20 an Magersucht, heute sind es 50 (eine genauere zeitliche Zuordnung gab es nicht).

 

Hier finden Sie Hilfe

Mögliche Ansprechpartner sind der Kinder- und Jugendarzt oder -psychiater, der Hausarzt oder ein Psychotherapeut. Eine Anlaufstelle kann auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sein: Unter der Rufnummer 0221/89 20 31 kann man sich dort auch anonym beraten lassen. Weitere Möglichkeiten sind Spezialambulanzen oder Beratungsstellen für Essstörungen.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Essstörungen

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ): Patienteninformation zu Essstörungen

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