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Schwangere sollten Zahnarzt nicht meiden

Viele Kleinkinder haben schon Karies. Das Problem: Wie kommt man an die Risiko-Familien heran?

Wie die Mund-Ökologie der Mutter, so nach der Geburt auch die Zahngesundheit des Kindes, sagen Experten.
Achim Scheidemann Wie die Mund-Ökologie der Mutter, so nach der Geburt auch die Zahngesundheit des Kindes, sagen Experten.

Ob Kinder gesunde Milchzähne haben, entscheidet sich schon während der Schwangerschaft. Werdende Mütter sollten keinesfalls den Zahnarzt meiden, betonten Experten am Dienstag bei einer Veranstaltung zur Gesundheit von Kinderzähnen in Frankfurt. Je schlechter Zahnfleisch und Zähne der Mutter, desto größer sei die Gefahr, dass auch die Kinder erkrankten.

Ein ungesunder Bakterien-Mix im Mund oder Karies-Erreger übertrügen sich von den Eltern aufs Baby, sagte Andrea Thumeyer, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen. Ebenso gäben sie eine gute Mund-Ökologie an ihr Kind weiter.

„Frauen sollten gerade in der Schwangerschaft zum Zahnarzt gehen“, erklärte Zahnärztin Thumeyer. Die noch immer weit verbreitete Meinung, Röntgen, Narkose oder Fluorid in der Schwangerschaft seien zu vermeiden, sei überholt: Das Risiko, Karies nicht zu behandeln, sei größer als die Belastung durch die Behandlung.

Karies an Milchzähnen bleibt ein Problem

Laut einer Querschnittsstudie bei hessischen Kindergartenkindern sind 16 Prozent der Dreijährigen und 25 Prozent der Vierjährigen nicht kariesfrei, berichtete Stephan Allroggen, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) in Hessen. Bei 15 Prozent der Dreijährigen und 13 Prozent der Vierjährigen seien sogar bereits vier Zähne erkrankt. Die Zahlen seien bundesweit ähnlich.

Karies an bleibenden Zähnen gehe seit Jahren zurück – Karies an Milchzähnen sei aber nicht gesunken. „Die Betreuung allein durch den Kinderarzt reicht zur Senkung des Erkrankungsrisikos nicht aus“, glaubt Allroggen. Bei Kleinkindern sei die Sanierung der Zähne nur unter Narkose möglich. Kinder mit unbehandelten Löchern in den Milchzähnen hätten lebenslang ein erhöhtes Kariesrisiko. „Karies bei Kindern ist ein Indikator für Vernachlässigung“, sagte Thumeyer. „Karies im Milchzahngebiss ist eine Kindeswohlgefährdung.“

Risikofaktoren sind laut Experten eine geringe Schulbildung der Eltern und ein niedriges Einkommen der Familie. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Bundeszahnärztekammer fordern ein bundesweites Konzept, um die Zahl der „Karies-Risikokinder“ zu senken. So sollten Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt in das gelbe Kinder-Untersuchungsheft aufgenommen werden.