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So funktioniert die Reanimation richtig

Retten will gelernt sein. Das weiß auch Falco Niemann, Rettungsassistent und Praxisanleiter beim Deutschen Roten Kreuz. Claudia Malangré erfuhr von ihm, was beim Wiederbeleben wichtig ist.

Rettungsassistent Falco Niemann weiß genau, worauf bei einer Herzdruckmassage geachtet werden sollte.
Claudia Malangré Rettungsassistent Falco Niemann weiß genau, worauf bei einer Herzdruckmassage geachtet werden sollte.

Was muss man tun, wenn der Nebenmann plötzlich umkippt?

Zuerst muss man die Person ansprechen und schauen, ob sie reagiert. Antwortet sie nicht, kann davon ausgegangen werden, dass sie bewusstlos ist. Dann sollte die Atmung überprüft werden. Ist keine Atmung vorhanden, muss man von einem plötzlichen Herzstillstand ausgehen. Dann sollte 112 angerufen werden und dann sofort mit der Reanimation begonnen werden. Wichtig ist es, zuerst den Notruf zu wählen und dann mit der Wiederbelebung anzufangen, denn wenn einmal mit der Herzdruckmassage begonnen wurde, sollten keine Pausen entstehen bis der Rettungsdienst da ist – und der kommt nur, wenn er gerufen wurde.

Wie funktioniert das mit der Wiederbelebung genau?

Zuerst wird die Person auf den Rücken gelegt. Nicht in die stabile Seitenlage! Dann sollte man den Kopf leicht überstrecken und schauen, ob der Mundraum frei ist. Wenn alle Hindernisse ausgeräumt sind, wird mit der Herzdruckmassage begonnen. Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbes, zwischen den beiden Brustwarzen. Dort drückt man 30 Mal etwa vier bis fünf Zentimeter tief zu. Die Frequenz sollte etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute betragen. Gedrückt wird also etwa zweimal pro Sekunde. Das kann man sich ganz gut mit dem Lied „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees merken. Der Refrain mit dem „Ah-Ah-Ah-Ah-Stayin Alive“ ist in einer super Geschwindigkeit aufgenommen. Nach den 30 Kompressionen kommt dann die Beatmung, bei der zweimal ganz normal in den Mund der bewusstlosen Person ausgeatmet werden sollte. Dann muss wieder 30 Mal gedrückt werden und so weiter.

Was ist das schlimmste, das dabei passieren kann?

Dass Sie eine Stunde lang reanimieren und keine Hilfe kommt, weil niemand den Krankenwagen gerufen hat.

Kann ich verklagt werden wenn ich etwas falsch mache?

Nein. Nur wer nichts macht, macht es verkehrt! Auch wenn Sie eine Rippe brechen oder eine Brille oder Klamotten kaputt machen, können Sie nicht belangt werden.

Macht es einen Unterschied, ob man ein Kind oder einen Erwachsenen wiederbelebt?

Ja. Bei einem Erwachsenen ist die Beatmung zweitrangig. Wer unsicher ist, kann sich ganz auf die Herzdruckmassage konzentrieren, denn in der Regel ist noch genug Sauerstoff im Körper. Bei Kindern ist die Beatmung dagegen äußerst wichtig, weil hier oft nicht das Herz Schuld am Herzstillstand ist, sondern zum Beispiel das Verschlucken einer Murmel.

Haben Sie es schon mal erlebt, dass ein Patient bereits tot war, weil die Anwesenden keine Erste Hilfe geleistet haben?

Ich habe schon erlebt, dass Menschen aus Angst vor Fehlern oder aus Unsicherheit keine Erste Hilfe geleistet haben. Ob sie das Leben des Verstorbenen hätten retten können, lässt sich im Nachhinein schwer sagen.

Finden Sie, dass Deutsche besser in Erster Hilfe ausgebildet werden sollten?

Ja. Meiner Meinung nach sollte Erste Hilfe bereits in der Grundschule gelehrt werden. Und zwar nicht, indem man ein Kind nach vorne holt, dass dann die Wiederbelebung an einer Puppe vorführt, sondern indem alle Kinder eine Puppe bekommen und die Reanimation üben. Auch Erwachsene sollten regelmäßig fortgebildet werden.